Herstellung einer Sedcard für Fotomodels

Herstellung einer Sedcard für Fotomodels


Jedes Fotomodel benötigt für die Selbstpräsentation eine Sedcard. Wie eine solche Karte aussieht und welche Fotos und Angaben sie enthalten muss, ist in der Sedcard FAQ beschrieben. Wie erstellt man jetzt aber eine solche Sedcard?

Wir gehen davon aus, dass alle erforderlichen Fotos in Dateiform vorliegen und die Modelmaße bekannt sind. Dann ergeben sich die folgenden weiteren Arbeitsschritte:

1. Druckverfahren festlegen

Bei Sedcards kommen folgende Druckverfahren in Frage:

  • Offset-Druck: Es wird mit einer professionellen Druckmaschine gedruckt. Druckvorbereitung und Druck sind relativ aufwändig und teuer, dafür sind die sogenannten „Fortdruckkosten“ sehr niedrig. Es spielt also für die Kosten keine große Rolle, ob man 200, 500 oder 1000 Karten drucken lässt. Unter 200 Karten ist der Offsetdruck in der Regel nicht wirtschaftlich. Es ist eine hohe Druckqualität erreichbar.
  • Digitaldruck: Hochwertige Digitaldruckmaschinen können auch kleine Auflagen wirtschaftlich drucken. Je höher die Auflage wird, desto unwirtschaftlicher wird dieses Herstellverfahren. Die Qualitätsunterschiede sind beträchtlich. Das geht von der farbigen Fotokopie, die meist für Sedcards nicht ausreichend ist bis hin zu Druckergebnissen, die sogar an den Offsetdruck heranreichen. In diesem Fall kostet der Druck dann aber auch so viel, dass wirklich nur sehr geringe Auflagen lohneswert sind.
  • Ausdruck mit dem Fotodrucker: Dieses Verfahren ist für viele Fotografen naheliegend, da sie über einen entsprechenden Drucker verfügen. Für Einsteiger-Models und wenn nur wenige Exemplare der Sedcard benötigt werden, spricht auch nichts dagegen. Einen professionellen Eindruck kann man allerdings mit einer derart hergestellten Sedcard nicht erreichen.

Im folgenden betrachte ich nur den Offsetdruck, da der Ausdruck einer Sedcard mit dem Fotodrucker jedem Fotografen auch ohne besondere Anleitung gelingen sollte und der Digitaldruck nur eine untergeordnete Rolle spielt.

2. Dienstleister auswählen

Layout, Druckvorbereitung und Druckabwicklung kann im Prinzip bei jedem Mediengestalter und bei jeder Werbeagentur beaufragt werden. Modelagenturen kennen entsprechende Dienstleister, ansonsten hilft das Branchenbuch.

Die Möglichkeit, die ich hier im folgenden beschreiben möchte, ist, Druckvorbereitung und Druckabwicklung selber zu machen. Mit dem erforderlichen Know-How und der nötigen Hard- und Software ist das durchaus machbar.

3. Druckerei auswählen

Hier gibt es die grundsätzlichen Möglichkeiten, eine ortsansässige Druckerei zu beauftragen oder mit einer Internet-Druckerei zu arbeiten. Die ortsansässige Druckerei ist in der Regel teurer als eine Internetdruckereit, dafür sind Beratung, Dienstleistung und Druckqualität bei der Druckerei am Ort besser.

Bei Internetdruckereien ist die Qualität aufgrund des sehr hohen Preisdrucks oft schwankend, eine Reklamation ist schwierig und eine Beratung wird nicht immer angeboten. Dafür ist das Preis-Leistungs-Verhältnis gut und, wenn man einmal einen guten Anbieter gefunden hat, auch von der Qualität her in Ordnung.

4. Fotos auswählen

Auf der Vorderseite der Sedcard sollte sich ein Portraitfoto mit Blickkontakt in die Kamera befinden. Für die Rückseite der Karte brauchen wir 4, 6 oder 8 möglichst unterschiedliche Fotos. Alle Einsatzgebiete des Models sollten abgedeckt sein, ein Ganzkörperbild (möglichst im Bikini / Unterwäsche) darf in keinem Fall fehlen. Es kann nicht schaden, Fotos von unterschiedlichen Fotografen zu mischen, um einen möglichst abwechslungsreichen Look zu bekommen. So wird der Eindruck unterstrichen, dass das Model wandelbar ist und sich den Erfordernissen unterschiedlicher Fotoshootings anpassen kann.

Teilweise wird eine Veröffentlichung der Fotos dadurch simuliert, dass wie in einer Zeitschrift Bildunterschriften hinzugefügt oder wie in einem Modeprospekt Preisangaben angebracht werden. Das ganze dann meist in italienischer oder französischer Sprache. Der erfahrene Empfänger der Sedcard merkt das aber sofort und daher wird  der beabsichtigte Effekt (bezahlte Aufträge auf internationaler Ebene vorzutäuschen) nicht erreicht.

5. Layout entwerfen

Beim Layout sollte man keine allzu großen Experimente machen. Ein einfaches, klares Layout ist immer besser als eine zu verspielte Anordnung der Fotos, im schlimmsten Fall noch kombiniert mit einer „tollen“ Schriftart, die unter Layout-Profis nur Kopfschütteln hervorruft.

Am besten ist, man schaut sich an, wie die Sedcards großer Agenturen aussehen und versucht, einen ähnlichen Look zu erstellen, ohne aber die Layouts einfach zu kopieren.

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6. Erforderliche Hard- und Software

Für die Druckvorbereitung reicht ein professionlles Grafikprogramm, wie es bei den meisten Fotografen ohnehin vorhanden ist. Mediengestalter setzen in der Regel Adobe Indesign ein, aber für Fotografen ist auch Adobe Photoshop gut geeignet. Mehr an Software ist nicht erforderlich.

Ein aktueller PC ist in der Regel ohnehin vorhanden, bleibt als Anforderung ein hochwertiger Grafikmonitor. Auch wenn viele Fotografen bereits mit kalibrierten Monitoren arbeiten, reicht das für eine Druckvorbereitung nicht aus. Hier sollte man in jedem Fall einen speziellen Grafikmonitor einsetzen, da nur so ein einigermaßen verlässlicher Eindruck des späteren Druckergebnisses am Monitor zu erzielen ist. Ein solcher Grafikmonitor von der Firma Eizo, NEC oder Quato ist ab 800 Euro zu haben. Für jemanden, der sich mit Bildbearbeitung beschäftigt, ist das ohnehin eine gute Investition.

Handelsübliche PC-Montitore können nur einen Teil der Farbinformationen des Foto bzw. in diesem Fall der Sedkarte anzeigen. Insbesondere die sehr dunklen und die sehr hellen Bereiche werden am Monitor gar nicht mehr dargestellt, kommen aber als Farbinformation in die Druckdatei und werden also auch mitgedruckt. Die Überraschung beim Betrachten der fertig gedruckten Karten kann dann groß sein. Eine Kalibrierung eines einfachen Monitors sorgt zwar dafür, dass die Farben „richtiger“ dargestellt werden, schränkt den dargestellten Farbraum aber noch weiter ein, sodaß das Problem eher noch größer wird.

Hardwarekalibrierbare Grafikmonitore haben dieses Problem nicht, oder zumindestens nicht in diesem Ausmaß. Diese Monitore können 99 % der Farbinformationen des Fotos darstellen und bieten so Voraussetzung dafür, eine Druckdatei objektiv am Monitor bewerten zu können.

7. Technische Randbedingungen

Die technischen Randbedingungen der Druckdatei erfragt man bei seiner Druckerei.

Als Laie kann man nun vielfältige Fehler machen. Einige der wichtigsten liste ich hier auf

Farbraum CMYK wird nicht verstanden

Die Druckerei hat mitgeteilt, dass sie die Druckdaten im Farbraum CMYK benötigt. Also wandeln viele Personen die Druckdaten erst kurz vor Abgabe an die Druckereit mit der entsprechenden Funktion im Photoshop von RGB nach CMYK um. Das ist aber ein großer Fehler, da so alle Schwarzwerte als Mischung aus Cyan, Magenta und Gelb interpretiert und gedruckt werden. Der Offsetdruck sieht aber dafür die Farbe K (=Schwarz) vor. Es ist also wichtig, von Anfang an im Farbraum CMYK zu arbeiten und schwarze Elemente, insbesondere schwarze Schrift, als K=100 % anzulegen.

Fehlender Randbeschnitt

Die Druckdatei ist immer größer als das endgültige Format der Drucksache, weil nach dem Druck ein Rand von 1 bis 3 mm auf jeder Seite der Drucksache abgeschnitten werden muss. Fehlt diese Zugabe, werden bildwichtige Elemente, zum Beispiel Schriften, abgeschnitten.

Ein Fehler wäre es aber auch, einfach einen 1 bis 3 mm breiten weißen oder schwarzen Rand um die Drucksache zu ziehen. Das Ausschneiden des Endformats geschieht nie 100 % genau, sodass in diesem Fall eine unsaubere Randgestaltung das Ergebnis wäre.

Falsches Farbprofil

In die Layout-Datei wird in der Regel ein Farbprofil eingebettet. Für den späteren Druck wird dieses Farbprofil zwar nicht benötigt, aber es dient zur korrekten Darstellung der Layout-Datei auf dem Bildschirm. Daher muss dieses Farbprofil möglichst genau auf die verwendete Druckmaschine zugeschnitten sein. Die Standard-Druckprofile, die bei Photoshop für CMYK voreingestellt sind, sind nicht geeignet! Man sollte daher bei seiner Druckerei nachfragen, welches Farbprofil verwendet werden muss. Im Normalfall wird das Profil ISO Coated V2 (ECI) empfohlen.


Kosten für einen Proof werden eingespart

Ein Probedruck (Proof), der eine möglichst farbgenaue Simulation des Druckergebnisses liefert, kostet ca. 30 Euro extra. Diese Kosten werden oft eingespart. Das sollte man aber nur dann tun, wenn auf absolute Farbrichtigkeit kein besonders großer Wert gelegt wird und Monitor und Bildbearbeitungsprogramm wie oben beschrieben mit den richtigen Farbprofilen arbeiten.

In dieser Zusammenstellung habe ich nur die wichtigsten Fehler aufgelistet, die Laien in der Druckvorbereitung immer wieder passieren. Erfahrene Mediengestalter werden viele weitere Punkte vermissen, aber das würde hier zu weit führen.

In allen Fällen, in denen es auf eine perfekte Drucksache ankommt, sollte man als Fotograf die Finger davon lassen und die Angelegenheit den Menschen überlassen, die mehr Erfahrung damit haben. Immerhin ist Mediengestalter ein Ausbildungsberuf mit mehrjähriger Ausbildungszeit und die Erstellung von Druckvorlagen eine Angelegenheit, die nicht innerhalb kurzer Zeit erlernbar ist.

8. Endkontrolle und Fehlerkorrektur

Hat man nun alle möglichen technischen Fehler umschifft, sollte man sich abschließend noch einmal die Sedcard genau inhaltlich ansehen: Sind alle Texte auf Schreibfehler geprüft? Sind alle Fotos pixelgenau exakt platziert?

Ein technische Endkontrolle der Druckdaten wird durch die Druckerei vorgenommen, bei Internet-Druckereien muss man das aber in der Regel separat bezahlen.

9. Sedcard drucken

Alle weiteren Schritte (Druckdaten rippen, ausschießen, Druckplatten erstellen, Drucken) übernimmt nun die Druckerei. Nach einige Tagen kann man die fertige Sedcard in Empfang nehmen.

Literatur

Weiterführende Informationen finden sich in folgenden Büchern (Affiliate-Links):

Ich arbeite als Business- und Industrie-Fotograf in Heidelberg und helfe als Coach kreativen Menschen dabei, etwas in ihrem Leben zu bewegen und von ihrer Arbeit gut leben zu können. Mehr

4 comments

  1. Replymaria

    hey ben,
    hat dir schonmal jeandgesagt das du nicht schlecht ausschaust 😉 !!!!!
    Bin hie zufällig gelandet weil ich einn gute text für meine setcard gesucht habe.
    wenn du willst meold dich doch einfach (msn:pinacolada27@hotmail.de Skype:maria-james1)
    lg

  2. Pingback: schoene bunte Bilder - Blog » Blog Archive » Was ist eigentlich eine Sedcard ?

  3. ReplyGerhard

    Soweit ich das sehe, wird die gedruckte Sedcard zunehmend durch eine Sedcard als PDF auf der Webseite des Models beziehungsweise ihrer Modelagentur ersetzt. Denn auch ein Fotograf verwaltet inzwischen nicht mehr große Karteikästen mit Sedcards, sondern stattdessen Bookmarks oder sogar eine eigene kleine Datenbank mit Models je nach Verwendungszweck.

    Im übrigen hier auch noch einen Tipp für die Druckerei, wenn es doch gedruckt werden sollen. Ich habe mit den Druckhelden bisher nur beste Erfahrungen gemacht, dort kann man gegen eine geringe Gebühr eine Datei auch noch auf Schlüssigkeit prüfen lassen, ob zum Beispiel für sämtliche eingebetteten Grafiken das gleiche (CMYK) Farbprofil verwendet wurde oder es Transparenzprobleme gibt.

  4. ReplyStephan Daniel Photography

    hallo Herr Kirchner, Ihr Beitrag hier gefällt mir sehr. gut. Ich persönlich bin Fotograf in München und fotografiere regelmäßig Models für Sedcards: http://www.sedcardfotograf.de Die Sache mit den Bookmarks ist so eine Sache. Im Grunde sind gedruckte Sedcards nach wie vor wichtig. Zumindest sollte man naben dem Book auch eine Karte zum Casting mitbringen. Das ermöglicht immer einen schnellen Überblick und häufig fehlt doch die Zeit. Aber Unmengen an Karten braucht man nicht mehr drucken lassen. Inzwischen setzten sich viele Agenturen und Fotografen Bookmarks und speichern sich PDF Sedcards auf der Festplatte.

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