Auswahlkriterien bei der Anschaffung einer Studioblitz-Anlage

Das ist ein Gastartikel von Michael Gelfert, der als Fashion- und Beauty-Fotograf arbeitet.  Er hat das Buch “Fashion-Fotografie“, erschienen in der Edition Profi-Foto, geschrieben und damit das erste Buch eines deutschsprachigen Autors über dieses Thema überhaupt.

In seinem Blog  Licht(in)former gibt er hilfreiche Tipps und Ratschläge für andere Fotografen und berichtet ein wenig über seine Arbeit.

Michael hat mich, nach einem längeren und sehr interessanten Telefonat über Themen eines Gastbeitrages, um einen Artikel zum Thema „Blitzanlagen“ gebeten.

Für mich ist das ein sehr interessantes Thema, da Blitze für mich als Fashion- und Beauty-Photograph ein zentrales Thema beim Schaffen von Fotografien geworden sind. Die Rückerinnerung, was mir damals bei der Auswahl meiner ersten Blitze wichtig war, kombiniert mit meiner Erfahrung bis heute wird hoffentlich vielen bei der richtigen Auswahl ihrer Blitze helfen.

Eins vorweg: Überlegt sehr genau, was ihr wollt und braucht. Auch bei Blitzen gibt es nicht die „eierlegende Wollmilchsau“.

Man sollte das Thema und die vielen Aspekte, die es zu bedenken gilt nicht unterschätzen und so übereilte Entscheidungen treffen. Schließlich bindet man sich an ein ganzes System, genau wie bei einer Kameramarke. Bis zu einem gewissen Grad ist die Reihenfolge der Punkte übrigens auch (meine persönliche) Gewichtung.

Das Sujet

Die allererste Frage, die man sich eigentlich bei jedem fotografischen Equipment stellen muß, ist die nach dem geplanten Anwendungsbereich bzw. Sujet. Wer Stills fotografiert, hat einfach andere Ansprüche als ein Modefotograf (welche letzterer hat, kann man u.a. in meinem Buch nachlesen).

Die Raumgröße

Ist man sich darüber klar geworden, ist die nächste Frage nach dem Raum, auf dem man fotografiert, zu klären. In kleinen Räumen braucht man ganz allgemein weniger Leistung als in größeren. In diesem Zusammenhang spielt auch die Regelbarkeit der Leistung eine große Rolle. Will man gar draußen gegen die Sonne antreten, braucht man nicht nur etwas batteriebetriebenes, sondern auch etwas mit möglichst viel Leistung (wenn man nicht beim möglichen Abstand Motiv – Blitz oder den Lichtformern Abstriche machen will).

Das Bajonett / Lichtformer

Eingangs habe ich über ein System gesprochen. Wie Kameras unterscheiden sich die verschiedenen Blitzsysteme zuerst in ihren Bajonetten. Dabei sollte man vor allem auf 3 Dinge achten: Handling, Haltbarkeit und Kompatibilität. Beim Handling ist wichtig, das sich Lichtformer schnell und sicher wechseln lassen, das Bajonett nicht zu schwergängig ist aber trotzdem fest hält. Auch sollte man nicht zwangsläufig einen Assistenten oder mehr als 2 Hände dafür brauchen.

Haltbarkeit muß ich wohl nicht lange erklären. Niemand möchte einen drei- oder gar vierstelligen Betrag in einen Blitz investieren, dessen Bajonett schon nach kurzer Benutzung ausbricht und damit unbenutzbar wird.

Kompatibilität bezieht sich auf die Lichtformer. In jedem guten Blitzsystem gibt es spezielle Lichtformer, die es in dieser Form nur dort gibt und das auf kein anderes Bajonett passt. Als Beispiele haben Profoto-Geräte zoombare Reflektoren oder Hensel einen einzigartigen Beauty Dish.

Den letzten halte ich für einen der wichtigsten und am meisten vernachlässigten Punkte bei der Blitzgeräteauswahl, denn kaum ein Reflektor bei einer Marke hat exakt die gleiche Wirkung wie der (vielleicht sogar gleich benannte) Reflektor einer anderen Firma.

Es gibt aber auch Bajonette, für die es mehr als einen Anbieter für Lichtformer gibt. So gibt es für Hensel Lichtformer z.B. auch von Richter und Bowens-Blitze können auch mit Aurora-Lichtformern ausgesattet werden.

Eine Ausnahme bilden i.d.R. übrigens Softboxen, die einfach durch einen Tausch des „Speedring“ genannten Adapters leicht an verschiedene Blitzsysteme adaptiert werden können.

Qualität (Geräte und Licht)

Ein Gerät, auf das man sich ständig verlassen will und von dem das Bildergebnis oder oft das ganze Shooting abhängt, sollte qualitativ hochwertig verarbeitet sein. Zumindest für mich. Aber auch wenn man darauf weniger Wert legt, sollten wenigstens die normalen Sicherheitszertifikate wie das „CE“-Zeichen vorhanden sein. Es geht dabei um das eigene Leben und um das aller Beteiligten. Dazu kann auch eine Schutzglocke über der Blitzröhre gehören. Mir ist einmal eine Blitzröhre explodiert (allerdings nicht bei meinen Geräten, sondern bei einem anderen anderer Marke) und ich war froh, daß mein Model die Splitter nicht mit dem Gesicht auffangen mußte.

Zur Qualität gehört auch die des Lichtes. Schwierig zu messen ist die im allgemeinen, sehr subjektiv. Messbar und leicht sichtbar ist aber oft die Farbstabilität. Das ist kein Problem, wenn man nur mit einem Blitz arbeitet und den Weißabgleich zur Korrektur einsetzt. Sind aber 2 oder mehr gleichzeitig im Einsatz oder Tageslicht zusätzlich auf der Aufnahme, sind unterschiedliche Farbtemperaturen zwischen den Blitzen oder bei unterschiedlicher Leistungseinstellungen schon sehr störend.

Weitere Auswahlkriterien bei der Anschaffung einer Blitzanlage sind Service, Verfügbarkeit, Wiederaufladezeiten, Abbrennzeiten, Gewicht und natürlich der Preis. Auf diese Aspekte gehe ich im zweiten Teil meines Gastartikels ein.

Weitere Informationen über das Buch “Fashion-Fotografie” von Michael Gelfert gibt es bei Amazon.


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Kommentare

9 Kommentare zu “Auswahlkriterien bei der Anschaffung einer Studioblitz-Anlage”
  1. Geordie sagt:

    Danke für den Artikel. manchmal unterschätzt man doch extrem auf was alles Fotografen achten müssen. das ist schon ein schwieriges Handwerk für sich.

  2. micha sagt:

    wow, ich hätte nicht gedacht, dass blitzröhren so gefährlich sein können !
    danke für den hinweiß, denn bei mir steht grade eine neue Ausstattung an.

  3. @Geordie: Ooooh ja, und das sind nur die Blitzgeräte. Lichtformer z.B. sind noch mal ein Riesen-Thema für sich… (dazu gibt’s einiges im Buch)

    @micha: Ja, das hätte ich auch nicht geglaubt. Ich war wirklich schwer geschockt damals. Was explosiv verstreutes Glas so einer Blitzröhre anrichten kann, muß ich wohl keinem erklären…

  4. Sam sagt:

    Wäre ja nun noch spannend zu wissen, wie man herausfindet, welche Blitzanlagen denn nun wie haltbar, wie gut handelbar und wie kompatibel sind, ohne sich jede kaufen und es ausprobieren zu müssen.
    Die Hersteller schreiben ja nicht “unsere Anlagen sind mässig gut handelbar, gehen aber unterdurchschnittlich oft kaputt” auf ihre Werbeprospekte.

  5. Omori sagt:

    @ Sam: Ich besitze Hensel, Profoto, Aurora und Walimex und habe bereits darüber hinaus mit Richter und Bowens gearbeitet.

    Mein bisheriger Favorit bezüglich Haltbarkeit und Handling ist mit Abstand Hensel. Das ist aber eine sehr persönliche Entscheidung, ich kenne Kollegen, die ziehen Profoto vor.

    Andere Marken (Richter, Walimex) kommen in Frage, wenn mehr auf den Preis geachtet werden muss, dann wird man auch Kompromisse bezüglich Haltbarkeit und Handling eingehen.

    Gruß Michael

  6. Es wird letztlich gar nicht ohne Ausprobieren gehen. Dazu steht auch noch etwas im 2. Teil. Allerdings ist es denke ich nützlich, erst mal zu wissen, worauf man denn dann überhaupt achten muß beim Ausprobieren. ;-)
    Manche Dinge lassen sich aber schon aus den technischen Daten entnehmen (wie z.B. Blitzwiederholzeit) oder durch Anruf/Mail zumindest etwas stichprobenartig abklopfen (z.B. Service).

  7. tom sagt:

    *** warum eigentlich noch Blitzen???

    (zumindest wenn ein Studio ohne Mischlicht vorhanden ist)
    meine D700 kann doch bequem bei ASA 3200 bilder mit bestechender quali machen.
    und kurzer belichtungszeit.
    und weissabgleich im raw format ist doch auch null problem…

    das problem könnte sein:
    Hitze der Strahler
    und dass es für Dauerlicht kaum Lichtformer gibt….

    was sagt ihr dazu?

  8. Sam sagt:

    Tom, du schlägst also Dauerblicht statt Blitzlicht vor? Oder meinst du available light reicht (wobei es bei Studiofotografie ja auch um Lichtsetzung geht, nicht nur ums Ausleuchten).

    Dauerlicht geht auch. Vorausgesetzt, es gibt Lichtformer (die nicht im Dauerlicht schmelzen) und das Farbspektrum stimmt.
    Denn Weißabgleich alleine bringts nicht. Wenn deinem Dauerlicht die Farbanteile im Spektrum fehlen (zB fehlen LEDs oft die roten Farbanteile), dann kannst du zwar den weißabgleich machen, aber die fehlenden Farbanteile wirst du nur sehr schwer vernünftig rüberbringen.
    Blitzlicht zeichnet sich ja nicht nur durch eine bestimmte Farbtemperatur aus, sondern auch um ein recht umfassendes Farbspektrum.

    Ich kenn jedenfalls kaum Leuchtmittel, vor allem nicht mit vernünftiger Leistung, mit einem umfassenden Farbspektrum.

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