Fotografen, die sich unter Wert verkaufen, werden nicht ernst genommen

Fotografen, die sich unter Wert verkaufen, werden nicht ernst genommen

Fotografen, die zu wenig Geld für ihre Arbeit verlangen, werden von ihren Kunden nicht ernst genommen und vor allem, ihre Arbeit wird nicht wertgeschätzt. Und das gilt auch für Einsteiger, die sich ihren Kundenstamm und ihre Referenzen erst aufbauen müssen.

Bambi Cantrell, eine amerikanische Hochzeitsfotografin hat das in ihrem Creative Live Workshop anhand eines Beispiels sehr schön erklärt:

Es gibt Leute, die ein teures und hochwertiges Auto fahren, obwohl sie es sich eigentlich nicht leisten könnten. Und sie tun das nicht, weil sie es von einem Verkäufer aufgeschwatzt bekommen haben. Sondern sie haben das Geld auf den Tisch gelegt, weil es ihnen das wert ist, so ein schönes Auto zu fahren. In ihren Augen genießt das Auto eine höhere Wertschätzung als vielleicht die nicht ganz so luxuriös ausgestattete Wohnung.

Wäre es nicht gut, wenn wir Fotografen es schaffen würden, eine ähnliche Wertschätzung bei unseren Kunden zu erreichen?

Und verbauen wir uns nicht selber diese Chance, wenn wir uns unter Wert verkaufen?

Das muss nicht unbedingt heissen, dass wir unsere Fotografie als Luxusgut etablieren müssen. Der Preis sollte aber in einem vernünftigen Verhältnis zur Leistung stehen.

Wie ist Eure Meinung dazu? Ich bin auf Eure Kommentare gespannt.

Ich arbeite als Portrait-Fotograf und führe ein Fotostudio in Heidelberg. Außerdem biete ich Coachings und Trainings zu den Themen Fotografen-Marketing und Photobusiness an.

39 comments

  1. Christian

    Ich sehe das eher kritisch, bzw. ich habe wohl noch nicht den Mut viel Geld zu verlangen. Vor allem weil es bei mir mehr oder weniger Hobby ist. Ich denke jeder mehr oder weniger Anfänger wie ich macht sich darüber Gedanken, was ist wenn das Shooting mal nicht so klappt wie man sich das vorgestellt hat. Wenn man dann noch einen sehr hohen Preis verlangt hat, kann das zu Problemen führen.
    Aber andererseits ist so ein Shooting sehr viel Arbeit (auch wenn es Spaß macht), dass darf dann schon belont werden!

  2. Da Na

    Schönes Beispiel mit den Autos, nur wenn ich mich umsehe, bin ich umgeben von kleinen alten Toyotas & Leuten, die mit dem Bus fahren …

  3. Florian Küttler

    Hi Michael,

    das Thema wird ja in den Foren ziemlich heiß diskutiert.

    Letztendlich ist durch die Öffnung des Fotografenhandwerks nur ein etwas “vollkommenerer Markt” entstanden. Durch Angebot und Nachfrage reguliert sich der Preis. Erheblich beschleunigt hat zudem sicherlich auch die technische Entwicklung, dass die bisherige Barriere in diese Branche (in Richtung notwendiges technisches und chemisches Wissen eines Fotografen) erheblich gesunken ist.

    Nun haben wir das Dilemma:
    Ein verdammt heiß umkämpfter Markt, in welchem einen nicht zwangsläufig einem die fetten gebratenen Tauben in den Mund fliegen.

    Aber neben diesem Preisdruck hat die Entwicklung auch einen angenehmen frischen Wind hinein gebracht, oder?
    Ich weiß nicht, ob und wie sich Stile wie Highkey, HDR, Lomo, Trash, .. so ausgeprägt hätten, wie derzeit!? Wahrscheinlich würde immer noch randweichgezeichnet, teilcolorisiert und das_seitenprofil_nochmal_transparent_in_portraits_montiert, wie vor 20 Jahren.

    Vermutlich ist dies alles auch etwas davon abhängig, in welchem Bereich “gewildert” wird.
    In den privatkundennahen Bereichen (Hochzeiten, Reportagen und Beauty) ist der Zulauf vermutlich am Größten und dementsprechend die Preise im Keller. Und hier muss ich Christian rechtgeben … Neueinsteiger können nicht gleich Ihre erste Hochzeit mit 1.500€ und mehr bepreisen. Das Preisniveau muss man sich erst erarbeiten. Sofern man dem Kunden klarmacht, was er konkret zu erwarten oder eher nicht zu erwarten hat (Pre-Shooting, Alben, Postproducing, Archivierung, …) , ist es m.E. auch in Ordnung einen geringeren Preis anzusetzen. Schließlich gibt es diese Streuung überall (siehe Supermärkte, Autohersteller, Bekleidung, …).
    (Noch) etwas anders sieht das bei professionellen Nachfragern (Agenturen, Gewerbekunden, …) aus. Ein zu geringer Preis zeugt nicht gerade von genügend Erfahrung und Professionalität. Wenn zudem durch die Aufnahmen beim Kunden noch ein eigener Aufwand entsteht (Produktionsausfälle während des Shooting, Terminverlagerungen, …), ist der Anspruch an Erfahrungen, Referenzen und Transparenz im Angebot entsprechend höher … welcher sich im Preis widerspiegelt.
    Aber auch hier kommt indirekt der Druck von Quereinsteigern durch die Stockfotografie immer mehr hinein.

    Mal schaun … die Entwicklung hört ja nicht auf. Lichtfeldkameras, spiegellose Systeme, 3D …. es wartet hier noch einiges ;)

    viele Grüße
    Florian


  4. Author
    Michael Omori Kirchner

    Danke für Eure Kommentare.

    Ja, die Welt ändert sich, und zwar immer schneller. Wer da stehen bleibt, geht unter. Und wahrscheinlich mit Recht.

    Kunden, die darauf einsteigen, ein professionelles Fotoshooting für 10 Euro zu buchen (ein solches Angebot habe ich gestern erst entdeckt) oder für einen Hochzeitsfotografen wenige Hundert Euro anlegen, wissen hoffentlich, worauf sie sich einlassen.

    Fotografen, die von einem solchen Honorar nicht leben können, haben die Aufgabe, ihren Kunden sehr genau zu erklären (und zu zeigen), wo der Mehrwert ist, den sie bekommen, wenn sie ein höheres Honorar bezahlen.

    Gruß Michael

  5. Klaus

    Ich stimme Florian in vielen Punkten zu, möchte aber auch darauf hinweisen, dass bei den amerikanischen “Mittelschichtlern” Hochzeitsfotos einen ganz anderen Stellenwert haben. Schon vor 30 Jahren wurde dort Preise um 1000,00 Dollar bezahlt. Brautführer und Freunde der Brautleute kleiden sich beim Kostümverleih gleichmäßig und feierlich ein, die gesamte Feierlichkeit einschließlich Kirche etc. wird dort noch viel höher gehängt, sodass dann auch höherer Preise für Hochzeitsfotos gezahlt werden.
    Natürlich geht es bei den sozial schwachen Gruppen genau wie bei uns – man “pixelt” selber.

    Gruß Klaus

  6. Oliver Teske

    Hallo,
    ichfinde dass die Behauptung “Fotografen, die sich unter Wert verkaufen, werden nicht ernst genommen” nur von Menschen kommen kann die sich bereits etabliert haben. Klar ein Profi der sich unter wert verkauft, was soll man davon halten? Für mich ist es nur ein Hoby und ich habe schon sehr oft Bilder von mir verschenkt, gerade letzte Woche an PM (diese zeitschrift). Ich habe auch schon vorgeworfen bekommen ich würde dadurch die Preise derer die davon leben müssen kaput machen. OK, dass will ich natürlich nicht, ich möchte niemanden schaden. Ich glaube nicht wirklich, dass irgend wer für Bilder von mir auch nur einen Pfennig bezahlen würde. Aber ich möchte gerne besser werden un dnatürlich bekannter, also verschenke ich meine Bilder in der Hoffnung irgend wann mal besser zu sein und ernst genommen zu werden.
    Gruß
    Oli

  7. S. Wickenkamp

    Dazu fallen mir spontan zwei Sachen ein: “Angebot und Nachfrage” und “Qualität setzt sich durch”. Die Beispiele im Video hinken etwas, finde ich. Auf die Fotografie bezogen würde ich sagen, dáß ein schönes Fotostudio und das entsprechende Outfit noch keinen guten Fotografen ausmachen, ebensowenig wie der eigentliche Preis. Auch der Typ, der seinen Rechner in der Garage stehen hat und in Jeans Fotos macht, kann gut bzw. sogar besser sein. Die Frage ist, ob er seine Kunden mit seinen Aufnahmen erreicht. Wenn das der Fall sein sollte und die Aufnahmen für sich sprechen, ist den Kunden der Rest vermutlich egal bzw. sie nehmen es in Kauf. Schließlich sollen am Ende die Fotos zu Hause an der Wand hängen und nicht der Fotograf… Die Kaufkraft der Kunden spielt aber – gerade in der heutigen Zeit – naturgemäß auch eine Rolle. Man muß eben die passende Klientel im Verhältnis zu seiner Leistung finden. Wenn man sich dann steigert, gelangt man auch an zahlungskräftigere Kunden. Und ich bin froh, daß ich mir darum keine Gedanken machen muß und einfach Spaß an meinem Hobby habe. :-)


  8. Author
    Michael Omori Kirchner

    Danke Euch.

    In meinen Augen ist das ein Irrglaube, wenn man denkt, man etabliert sich dadurch, dass man Bildmaterial an kommerzielle Abnehmer verschenkt. So etabliert man sich höchstens als Hobbyfotograf, der seine Bilder verschenkt.

    Natürlich wird man zu Anfang der Karriere keine riesigen Tagessätze bekommen oder vielleicht auch gar keine Aufträge haben. Aber dann ist der bessere Weg, freie (eigene) Projekte umzusetzen oder für gemeinnützige Organisationen kostenlos zu arbeiten. Dadurch schafft man sich ein vorzeigbares Portfolio und sammelt Erfahrungen.

    Gruß Michael

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  10. Frank

    “Wir sind so gut weil wir so teuer sind” oder aus der Sicht der Kunden “weils teuer ist muss es gut sein”.
    Ich glaube das funktioniert nur begrenzt. Klar hat man an einen Fotografen der teurer ist auch eine höhere Erwartungshaltung. Und ist evtl. auch bereit für die vermeintlich höhere Qualität auch mehr zu bezahlen. (bsp. i-phone), Das hat auch was mit einem Statussymbolgehabe zu tun.

    Jeder kennt den Effekt, dass der MarkenJogurt besser schmeckt als der identische Jogurt in einer NoName Verpackung so lange man es nicht weiß das es der gleiche Jogurt ist. (das es der identische Inhalt ist lässt sich übrigens an der aufgedruckten Nummer vergleichen)

    Der Preis sagt erstmal nicht viel über die Qualität/Kreativität aus. Auch in anderen Branchen wird regelmäßig mit mit Preisen hantiert, welche nicht kostendeckend sind (aktuelles Beispiel der Amazon e-book reader) um erstmal den Markteinstieg zu schaffen.
    Ich finde das ist auch für Fotografen legitim. Kritisch wird es wenn man das dauerhaft macht, der Weg in die Insovenz ist vorgezeichnet. Dummerweise wird dadurch bei den Kunden zum Teil eine falsche Erwartungshaltung geweckt.

    Letztendlich setzt sich jedoch der Preis und die Qualität durch, der am Markt tatsächlich plaziert werden kann. Und das ist ein dynamischer Prozess. So funktioniert eben nun mal Marktwirtschaft. Wem das nicht gefällt kann ja einen Mindestlohn in Form eines Festpreises fordern. Villeicht klappt es ja, schließlich haben das die Mediziner, Architekten und Anwällte auch geschaft. Die haben alle eine Honorarordnung.

  11. Oliver

    Hallo Michael,

    Du swchreibst

    [...]
    In meinen Augen ist das ein Irrglaube, wenn man denkt, man etabliert sich dadurch, dass man Bildmaterial an kommerzielle Abnehmer verschenkt. So etabliert man sich höchstens als Hobbyfotograf, der seine Bilder verschenkt.
    [...]

    Natürlich verstehe ich was Du meinst. Aber wenn ich die Auswahl hasbe als unbekannter (Hobby) Fotograf unbekannt zu bleiben weil keiner meine Bilder kauft oder am Anfang mal ein Bild zu verschenken um wenigstens mal gesehen werden, warum sollte ich die Möglichkeit nicht war nehmen. Ichdenke auch nicht, dass meine Bilder mit Deinen jemals konkurieren können also denke ich versaue ich Dir auch nicht den Markt. Musikgruppen fangen doch auch erst mal klein an- Schaden will ich natürlich Niemanden, aber mit den Großen pinkelon gehen so weit ist es halt noch nicht.

    Gruß
    Oli


  12. Author
    Michael Omori Kirchner

    @ Oliver: Danke für Dein Lob, aber da hast Du mich falsch verstanden. Ich möchte nicht mich davor schützen, dass der Markt versaut wird, sondern uns alle, dass wir uns ausnutzen lassen. Kommerzielle Bildabnehmer, die heute einen Hungerlohn oder gar nichts zahlen, werden das auch morgen nicht machen. Wenn Du Dich dann weiter entwickelt hast, werden sie nicht Deine gestiegenen Honorare zahlen, sondern sie suchen sich den nächsten Einsteiger, mit dem sie es machen können. Es ist nichts schlimmes daran, auch einmal ein Bild für eine Veröffentlichung zu verschenken, aber die Grenze zwischen sinnvollem Eigenmarketing und Unklugheit ist schmal ;-)

    @ Frank: Na ja, ob eine Honorarordnung der Weisheit letzter Schluss ist, weiß ich auch nicht. Ich bin ganz froh, dass es den Meisterzwang nicht mehr gibt….. Aber das ist dann wieder eine ganz neue Diskussion.

    Gruß Michael

  13. Toto

    Interessante Frage – gerade für jemanden wie mich, der sich gerade auf den Weg in die Selbständigkeit macht und Businesspläne schreibt und Liquiditätstabellen plant. Meine ganzen schlauen Tabellen geben mir zwar eine gute Übersicht auf der Kostenseite, aber wie die Einnahmen aussehen, weiss ich noch nicht. Wird mir auch keine noch so tolle Marktforschung sagen können. Und die existierende Preisspanne ist auch beachtlich. Wo soll ich mich also einordnen?

    Ich nenne mal zwei Beispiele, die ich interessant fand. Ich mache derzeit noch zum Aufbau meines Portfolios selbst organisierte Shootings, zunächst nur mit Freunden, aber inzwischen auch mit selbständigen Bekannten.

    1) Eine Yoga-Schule gehört dazu, bei der ich am Wochenende unentgeltlich Portraits gemacht habe, damit ich diese für mich verwenden kann. Die Inhaberin hat mich gleich nach einem weiteren (diesmal bezahlten) Shooting gefragt, für etwa 90 Minuten Dokumentation einer Tonfeld-Therapie. Das ganze findet vor Ort ohne aufwendiges Licht und ohne Bildnachbearbeitung statt. Ich habe Sie gebeten, mir mal eine Preisvorstellung zu nennen und sie war da erst recht unsicher, hat dann aber 200 € genannt. Für den geforderten Aufwand finde ich das sehr ok, hätte von mir aus wahrscheinlich sogar weniger genannt, weil ich dachte, sie würde nicht mehr zahlen wollen…

    2) Ein Freund arbeitet bei einem Kongress-Veranstalter. Dieser will seine Events auch immer mal fotografisch dokumentiert haben. In diesem Fall reden wir von 5 Stunden Abendveranstaltung, mit Portraits der Redner, Gäste und vom Get-Together. Auch hier also keine große Nachbearbeitung und kein aufwendiges Licht. Ich würde es von mir aus auch erst mal rein zum Erfahrung-Sammeln machen und fürs Portfolio kann ich die Fotos vermutlich nicht verwenden, aber er sagte “500 € – 700 € sind im Budget immer eingeplant”. Und meine anderen Fotos kennt er und traut mir auf jeden Fall zu, den Job genauso gut zu machen, wie die anderen Fotografen, mit denen die Firma arbeitet.

    Was heisst das nun? – Nicht so schüchtern sein!

  14. Jan

    Sie hat völlig recht! Letztendlich ist das thema doch gar nicht soooo komplex…wenn du als jungfotograf deine leistung für kleines geld anbietest… Wirst du never ever deinen preis erhöhen können… Nicht bei den kunden die du hast. Du hast dann irgenwann nur zwei möglichkeiten: die kunden aus deiner vergangenheit abzugeben weil du keine zeit für sie hast. Damit verbunden auch das risiko das es im falschen hals landet und die große runde durch die szene dreht. Macht dich am ende des tages unglaubwürdig und vor allem unsympatisch.

    Die zweite option ist du behälst diese kunden und lebst damit das du an diesen jobs nichts verdienst.

    Ich kenne jede menge jungfotografen die heute noch in der werbung mit tagessätzen um die 800 € arbeiten und die genau diese probleme haben. Die kehrseite ist das signal was der markt dadurch bekommt: du findest immer einen der martunüblichereise anbietet!

    Das ist definitiv der falsche weg… Mit wertschätzung deiner arbeit hat das nichts zutun. Wenn sich ieder einfach an der marktüblichen preisen orientiert wird er feststellen (auch als nebenberuflicher fotograf) das er damit in direkte konkurenz zu einem berufsfotografen steht. Dann ist das thema sicher wieder ausgeglichen.

    Eine letzte sache noch: wenn ich höre das bildmaterial verschenkt wird an magazine usw… Da geht mir di hutschnur hoch! Vielleicht weiss das nicht jeder… Aber damit macht man märkte kaputt. Ein tolles bsp sind model agenturen… Vor vielen vielen monden wurden fotografen bezahlt um fotos für modelagenturen zu schiessen… Grade jungfotografen haben sich damit gezielt aufbauen können. Das waren keine luxusgagen aber 800 dm gab es für so ein thema schon. Dieser markt ist tot und keine agentur bezahlt mehr für diese leistung….

    Das gleiche passiert jetzt bei magazinen…. Die redaktionellen fotografen spüren das schon seit einer ewigkeit…. Eine tageszeitung nimmt auch gerne ein vergleichsweise schlechteres foto wenns umsonst ist.

    Am ende des tages bringt das auch dem achenkenden nix. Wenn du glaubst du könntest damit kontakte machen und referenzen sammel täuschst du dich. Das einzige was du tust ist im kopf des beschänkten zu bleiben als “günstiger” lieferant.

  15. Matthias Klaiber

    Die Diskussion verfolge ich sehr interessiert. Ich bin natürlich in einer sehr bequemen Situation, dass ich festangestellt bin und mir um solche Dinge wenig Gedanken machen muss, zumal die Fotografie nur eine von mehreren Aufgaben ist, die ich in meinem Job habe. In erster Linie arbeite ich als Grafiker.

    Da ich auch privat immer wieder gerne die Kamera auspacke und meine eigenen Themen verfolge, kommt es schon mal dazu, dass ich nach Bildern gefragt werde und da mache ich schon Unterschiede, ob die Bilder kommerziell verwendet werden bzw. der Kunde kommerzielle Hintergründe hat. Ein paar Beispiele, wie ich das bislang gehandhabt habe:

    Ich wurde mal vom ADAC-Verlag angefragt, ob dieser für einen Wanderführer eines meiner Bilder vewenden dürfe. Auf meine Rückfrage, ob der ADAC das Bild kostelos haben will oder bereit ist, mir ein Honorar zu zahlen, hat man mir gesagt, dass man davon ausgegangen ist, dass man das Bild kostenlos erhält. Ich habe nicht lange überlegt und abgeleht, auf diese Weise mein Bild zur Verfügung zu stellen. Erschreckend ist, dass solche Bildredaktionen mittlerweile Fotocommunities nach Bildern abgrasen, in der Hoffnung, dass sie von den Hobbyfotografen die Bilder kostenlos erhalten. Mag sein, dass jetzt irgendein Hobbyfotograf das Bild zur Vefügung stellt, aber so etwas mache ich nicht mit.

    Mir fällt noch eine andere Geschichte ein. Ich hatte mal eine Fotosession für eine Zeitschrift gemacht. Als wir über den Preis gesprochen haben und ich feststellen musste, dass ich für den Riesenaufwand, den ich betrieben habe, vielleicht lediglich 20,-€ bekommen würde, habe ich den Kontakt abgebrochen. Das war meine erste offizielle Fotosession für eine potentiellen Kunden und mir eine Lehre, zuerst über den Preis zu sprechen und nicht erst hinterher.

    Das andere Beispiel, bei dem ich eine Ausnahme mache: Ich kenne einige Musikbands, die aber relativ unbekannt sind und deren Bandmitglieder das Ganze als Hobby betreiben. Die stecken ihr ganzes Geld in das Equipment und für teure Werbemaßnahmen bleibt nicht viel übrig, zumal sie aber auch kein Bestreben haben, irgendwie “gross” rauszukommen. Denen geht es nur um den Spass am Musikmachen. Da habe ich schon hier und da mal Fotos von den kleinen Gigs gemacht oder die Bandmitglieder beim Proben im Proberaum portraitiert. Da gibt es keine grosse Rechnung, stattdessen bekomme ich dafür eine Kiste Bier oder freien Eintritt bei allen Auftritten dieser Band. Das kann man dann eher als Freundschaftsdienst betrachten. Ich würde das aber nicht bei Bands machen, die von der Musik leben bzw. leben können. Aber die interessieren mich auch weniger…

    Aber wie schon gesagt, ich bin nicht auf weitere Einnahmen angewiesen, aber bei den meisten Kunden behalte ich das Prinzip, mich nicht unter Wert zu verkaufen. Ich möchte nicht zu der Masse der “Hobby”-Fotografen gehören, die den Markt und die Preise kaputtmachen.

    Gruß Matthias

  16. Achim

    und wie ist es mit den Bildrechten, die werden wohl auch verschenkt!
    Ich glaube das es unter den schreibern einige gibt, die überhaupt keine Ahnung vom
    Markt haben .
    Ich empfehle euch eine Buch vom BFF “BASISWISSEN” zu erwerben.

  17. Tilla Pe

    Interessantes Thema. :)
    Ich bin letztens erst auf eine Fotografierende gestoßen, die die Shootings umsonst macht, um sich ein Portfolio zu erarbeiten. Grundsätzlich nicht so verkehrt. Dummerweise ist eine große Tageszeitung mit 4 Buchstaben auf sie aufmerksam geworden und hat über sie in der Regionalausgabe berichtet. Das führte nun dazu, dass ihr Terminkalender randvoll wurde, sie einen Termin gesetzt hat, an dem es dann vorbei sein sollte mit “für umme” und eine Preisliste veröffentlichte, bei dem jedem Kollegen unzweifelhaft die Tränen kommen mussten. (Fragt mich nicht, wie sie ihre Abgaben an Handwerkskammer, Finanzamt, Versicherungen etc. bezahlen will – es ist mir schleierhaft. Ich frage auch nicht, ob sie ein Gewerbe angemeldet hat.)

    Lassen wir mal die Qualifikation bei Seite.
    Wenn ein Preis kaputt ist, dann bekommt man ihn nicht mehr hoch. Als Verbraucher wäre ich stinksauer, ginge ich zum Fotografen, wäre mit den Bildern zufrieden und in einem halben Jahr müsste ich das Dreifache zahlen. Die Begründung müsste dann ja lauten “Ich bin inzwischen besser geworden, ich kann jetzt mehr Geld verlangen”. Ich für meinen Teil würde sagen “Wie? Du hat mir Kohle abgeknöpft, obwohl Du selbst davon überzeugt warst, dass Du gar nicht kannst, was Du Dir bezahlen lässt?”….. Super für den Ruf!

    Wenn ich üben will, dann sollte ich nicht in die Welt hinausbrüllen, dass ich willige Modelle suche. Wenn ich die Hand aufhalte, dann sollte ich schon schauen, dass ich nicht für Bakschisch arbeite – irgendwann reicht das nämlich nicht mehr (spätestens, wenn der Fiskus und die Handwerkskammer kommen). Und wenn ich den Fehler schon gemacht habe, sollte ich mir gut überlegen, wie ich es kommunizieren kann, dass ich jetzt mehr Geld nehme und mich damit abfinden, dass ich es in den seltensten Fällen bekomme. Denn nach mir sind genug, die noch am Anfang stehen und glauben, sie können Aufträge über den Preis reißen und davon leben…

  18. Oliver Teske

    @Michael
    OK, dann hatte ich Dich nur falsch verstanden.

    Aber wenn ich jetzt z.B. wieder den Post von Tilla Pe lesen bekomme ich schon wieder so ein wenig den Eindruck als ob die Profis Angst hätten, dass die Amateure mit ihren Bildern die Preise kaputt machen. Auch habe ich den Eindruck als ob Ihr der Meinung seid, dass Amtateure keine beseren Bilder machen als die Profis, das stelle ich in Frage! Auch verstehe ich nicht warum Jemand der Anfägt (egal ob Profi oder Amateur) nicht günstiger sein soll als später mal wenn er besser geworden ist. Ein Lehrling kostet dovch auch weniger wie ein Geselle oder ein Meister und Schwarzarbeit kostet am wenigsten ;-))

    Ich versetze mich mal in die lage eines Aufraggebers. Ich bekomme zwei Angebote, Angebot A unbekannter Fotograf, kostet aber genauso viel wie Angebot B Fotograf von dem ich schon mal gehört habe und seine Bilder gut finde. Warum sollte ich den dem Neuling überhaupt eine Chance geben bekannt zu werden, da bleibe ich doch lieber bei dem was ich kenne und gut finde. Ich würde doch nie einem Neulig das gleiche bezahlen wie einem alten Hasen.

    Und wodurch unterscheidet sich den ein gutes Bild durch den
    Preis oder durch das Bild als solches?

    Das man sich nicht ausnutzen lassen soll wie Michael schreibt ist klar und gerade Einseiger lassen sich sicherlich leicht ausnutzen. Und um noch einmal auf meinem Beispiel zurück zu kommen, hätte ich dem PM-Magazin meine Bilder nicht gegeben dann hätten sie den Artikel (in dem es zum Teil um mich geht) mit eigenen Bildern aus ihrem Archiv versehen und ob mir das dann Recht gewesen wäre glaube ich nicht, da wäre mir die Hutschnur hochgegangen.

    Gruß
    Oli

    PS:
    Bitte nicht böse nehmen ich will niemandne angreifen oder verletzen, ich will es nur verstehen, meinen Horizont erweitern.

  19. Holger Reich

    Nun bin ich kein Berufsphotograph und somit kann ich eigentlich nicht mitreden. Allerdings gehört das Verkaufen zu meinem Job und da gilt (branchenübergreifend):

    – Billig ist zu teuer.
    – Was nichts kostet ist nichts.
    – Der (gute) Kunde orientiert sich nicht zuletzt am Preis, sondern nimmt denjenigen, der ihm eine Lösung anbietet.
    – Der Verkäufer muß nicht den Beliebtheitspreis gewinnen, sondern das Vertrauen des Kujnden – der Preis ist dann zweitrangig.
    Darum habt den Mut auch gutes/faires Geld zu nehmen für eine einmalige Leistung. Stimmt die Kasse nicht, dann hapert es an der Qualität oder dem Marketing

    Alles Gute
    Holger, Der Wupperphotograph


  20. Author
    Michael Omori Kirchner

    @ Hobbyfotografen, die Hobbymusiker fotografieren, verlangen dafür kein Geld. Das ist nachvollziehbar. Nur hört man als Fotograf leider sehr oft das Argument: Wir stehen noch ganz am Anfang unserer Karriere, daher können wir JETZT nichts zahlen. Später, wenn wir groß und berühmt sind, bekommst Du dann tolle Aufträge von uns. Und das ist in der Regel glatt gelogen. Entweder werden sie nicht groß und berühmt, oder, wenn sie es werden, wollen sie jetzt mit ihrer vielen Kohle einen “richtigen” Fotografen buchen, und nicht den Loser, der sich selber verschenkt.

    @ Oliver: Natürlich haben Junior-Fotografen einen geringeren Tagessatz. Aber darum ging es ja gar nicht. Sondern es ging um die Fälle, wo selbst der Junior-Fotografen-Tagessatz weit unterschritten wird.

    @ Tilla und Holger: Ihr habt es genau auf den Punkt gebracht :-)

  21. Toto

    Was mich interessiert ist – glaubt ihr eigentlich alle, dass dies eine neue Diskussion ist? Nur weil in den letzten 10 Jahren die Digitalfotografie ihren Durchbruch hatte?

    Bleiben wir beim Thema Foto…

    – Spiegelreflexkameras waren seit den 1970ern im Verhältnis genauso teuer wie heute. Auch für Amateure. Ein Graus für Profis
    – Kleinbildkameras per se waren vermutlich der Dorn im Auge arrivierter Portraitfotografen, als die Filme passende Auflösungen lieferte
    – Der Farbfilm hat Kolorateure in den Wahnsinn getrieben
    – Der Fernseher das Kino ausgerottet
    – Das Radio, die Schallplatte, die Kompaktkasette, der MP3-Player die Musikindustrie ruiniert…

    Merkt ihr was? – DIE WELT DREHT SICH WEITER!

    Es gibt Aldi UND Feikostläden, McDonalds UND Sternerestaurants, Dacia UND Mercedes…

    Darwin spricht vom “Survival of the fittest” – I’m Deutschen gerne falsch als “Überleben des Stärksten” übersetzt – er meinte das Überleben des ANGEPASSTESTEN. Darum geht’s. Um nichts anderes.

    Die Umstände ändern sich? So what? Pass – Dich – An!

    Sorry, aber das musste einfach mal raus…

    toto

  22. Jan

    @toto: richtig. Die wlt dreht sich und das ist auch gut so… Sich permanent neu zu erfinden war in diesem job schon immer wichtig, und heute mehr den je. Trotzdem sollte man darüber nachdenken ob es sinn macht einen markt wegen dem eigenen ego zu brechen.

    Ich glaube es geht in dieser diskussion nicht darum das sich die welt dreht… Es geht navh meinem dafürhalten wohl eher um verschenkte leistung. Oder bekommst du im media markt einen fernseher für umme…oder bei mc donalds dein mittagessen?

    Lustige geschichte die heute wieder passiert ist: ich hatte heute ein gosee mit einer neue agentur und nach dem ansehen meines a3 portfolios waren alle anwesenden wg der art der präsentation happy. Hoffe natürlich auch das meine arbeiten gefallen haben… Aber weiter im text: mein portfolio ist handgefertigt und meine arbeiten werden auf haptisch wertvollem hahnemühle papier gedruckt. Das ding kostet mehrere hundert euronen und zeigt MEINE wertschätzung zu meiner arbeit.das was der betrachter empfindet beim durchsehen ist das er versteht das meine arbeit geld kostet und er bekommt ein gutes gefühl dabei wenn er mich bucht weil er sicher sein kann das ich jederzeit alles dafür tue weil mein name unsichtbar in der bildsprache transportuert wird.

    Btw: genau so habe ich auch vor vielen monden als ich noch nix verdient habe sondern den kit aus dem fester lutschen musste gearbeitet.

    Deswegen: wenn fotos verschenkt werden oder zu unverschämten preisen angeboten werden, hat das nichts mit wertschätzung der eigenen arbeit zutun. Durch ein verschenktes foto gibt es auch nicht mehr kommerzielle jobs… Man wird auch nicht groß und berühmt dadurch… Warum aich? Michael hat das in seinem letzten beitrag sehr richtig formuliert!

    @oliver
    Glaub mir… Es ist zwar nicht mein geschäft aber in tageszeitungen geht es schin lange nicht mehr um die qualität. Wenn der preis für ein foto 0 euro ist… Dann wird das genommen. Ist doch klar, man will ja sparen was sicherlich legitim ist. Aber welcher berufsfotograf kann den ein foto verachenken? Fällt dir was auf?

    Letztendlich ist der mensch ein gewohnheitstier… Wenn du einmal was umsonst bekommen hast möchtest du es auch in zukunft gerne so halten. Und da fotografieren scheinbar seit jahren ein mainstream thema geworden ist, wird sich da sicherlich jemand finder der ein foto kostenlos ind nur für ego weitergibt.

    Ein weiteres bsp. Es gibt eineige modelabels die schon seit etlichen jahren am markt sind… Verdienen sicher keine millionen aber leben trotzdem gut davon. Die geben aktuelle kollektionen an 10 oder mehr hobby fotografen damit die fotos machen können mit mehr oder minder interessanten klamotten… Dafür sichern sie sich die rechte an den fotos zur weiteren verwendung… Ist ein gutes endresultat den für 0 euro das nächste lookbook geachossen ist doch ein gutes geschäft… Das war vor vielen monden übrigens ein geschäft für jungfotografen die mit solchen jobs ihre miete zahlen konnten…

    Mir persönlich ist nicht ein bsp bekannt von einem kollegen der durch verschenken auch nur ansatzweise erfolgreich wurde…. Mir fallen aber auf anhieb einige ein die heite nicht mehr da sind weil durch verschenken oder sinnloses unterbieten einfach kein geschäft zu machen ist.

    Bei allem respekt.. Ich meine das keinesfalls böse noch habe ich irgendwelche existenztängste… Aber die oben beschriebenen punkte gehören zu den grössten fehlern die man machen kann wenn man fotografieren möchte um davon zu leben. Und sie sind ein noch grösserer fehler von menschen die nicht von der fotografie leben… Wenn das einzelne foto keinen wert mehr hat, hat der fotograf ebenfalls keinen.

  23. Chris Koppers

    Hallo Foto Freunde,

    Ich knipse seit 1996 und inzwischen nicht mehr freiberuflich – da gibt es einige Gruende warum es sich nicht mehr lohnt. Jedoch fotografiere ich einfach weiter – auch ohne technischer Anpassung/ Ich arbeite immer noch mit analog Knipsen und sehe keinen Grund Digitalkameras der Marke sounso, wie all die anderen, und Bildbearbeitungsprogramme zu kaufen.

    Tatsache ist, die Honorare sind in sehr vielen Bereichen im Keller. Bei mir, in Bayern, bieten Hausfrauen mit Billigblitz und Einsteigerkamera (Porgrammautomatik macht es moeglich) ihre Dienstleistungen fuer Hochzeiten an. Also eine 12 Stunden Tour mit 30 Aufnahmen im xx Format und der Rest bearbeitet auf einer DVD. Der Preis?
    Maximal 50 Euro.

    Gelegentlich erhalte ich auch Anfragen und wenn ich (aus Scherz) 10 Euro fuer meine Arbeit verlange – (Filme, Entwicklung, Einscannen, Bowens-Blitzanlage, noch einen Assistenten dazu, etc.) dann erhalte ich zum Teil zornige Antworten nach dem Motto ‘wie kann ich nur so hohe Preise verlangen?’.

    Fotografie ist tot. Daher kann ich auch mit alten Kameras knipsen.
    Wer heute (und auch wie damals) mit Fotografie Geld verdienen will und sich aus der unendlichen Masse hervorheben moechte, der muss Beziehungen haben.

    So sieht es aus meine Freunde.

    Aloha,
    C.

  24. Pingback: Die Sache mit der Psychologie « von einem der auszog

  25. Juergen

    komme zwar nicht aus doeser Branche, sehe aber das Hauptproblem darin, dass viele Berufsfotografen, speziell die Portraitfotografen für’s Endkundengeschäft, ihre eigene Markenbildung kaum berücksichtigen und USP’s in ihren Marketing Aktivitäten so gut wie gar nicht erkennbar sind. Stattdessen läuft Marketing fast ausschliesslich über den Preis: was Kollege A und Kollege B können, können wir auch, nur billiger;-)

    Vielleicht hat auch der Digitalkamera Boom der letzten Jahre dazu geführt, dass viele Kunden zum Do it yourself übergegangen sind und so (teure) Fotografen aus deren Sicht nicht mehr benötigt werden;-)

    Sicher, es gibt derzeit Fotografen, die sehr gut im Geschäft sind und für die Preisdumping kein Thema ist, das sind imho die Fotografen, die sich nachhaltig in der Szene einen guten Namen gemacht haben, vielleicht sind diese Topseller handverlesen, dafür wissen sie, wie Markenbildung in eigener Sache funktioniert;-)

  26. Pingback: Monatslinks #9 – März | jastphoto

  27. Reinhard Michel

    Gerade in Deutschland gibt es leider soo viele “dumme” die sich weit unter Ihrem Wert und Können verkaufen. ich frage mich, was muß denn noch geschehen mit dem Beruf Fotograf damit die vielen Foto
    grafen endlich aufwachen?

  28. Toto

    Ich komm im Hinblick auf die lebhafte Diskussion hier mal mit einer konkreten Frage um die Ecke.

    Zunächst als Hintergrundinfo: Ich plane, mich dieses Jahr als Fotograf im Bereich Businessfotografie selbständig zu machen, also Managerportraits, Eventdokumentation, Messefotografie und zwar im RheinMain-Gebiet.

    Nun wurde ich von einem Freund angesprochen, der bei einen Kongressveranstalter arbeitet, der einer überregionalen Tageszeitung angegliedert ist. Es geht um die Dokumentation eines Events von 17-22 Uhr, wobei der interessante Teil gegen 20 Uhr angehakt sein dürfte. Ich bin mit mobilen Equipment unterwegs und lichte die Referenten beim Vortrag und das Auditorium beim Zuhören und Netzwerken ab. Es sind also keine kreative Meisterleistungen gefordert. Dafür sind beim Veranstalter 500 € budgetiert (uneingeschränkte Nutzungsrechte inklusive). Hab ich zugesagt. Halte ich für einen fairen Kurs, zumal die Nacharbeiten sich auf das Aussortieren unbrauchbarer Bilder beschränken… Außerdem habe ich die Erlaubnis, den Referenten über den Verlag auch die Nutzungsrechte für ihre eigenen Bilder anzubieten, also noch Folgegeschäft zu generieren.

    Dann kam noch eine zweite Anfrage hinzu, denn einer der Referenten soll auch für ein Fachmagazin abgelichtet werden – es geht ums Titelbild. Ich bin also schon vor Ort, muss aber extra Equipment mitbringen und aufbauen (Strobist-Style reicht aus). Für das Shooting alleine werden etwa nur 20 Minuten Zeit sein. Mein Angebot waren 450 € inkl. Bildbearbeitung und Nutzungsrechten, geeinigt haben wir uns auf 350 €. Der MFM gibt als Orientierung für die Nutzungsrechte 225 € an (gilt allerdings nur für Artikelbilder, nicht Titelbilder).

    Die Frage nun – wie seht ihr die Preise? War ich zu billig und nehm damit den etablierten die Butter vom Brot? Oder sind die Preise nach Eurem Gefühl völlig in Ordnung? Ich will zwar einerseits als Profi mein Geld damit verdienen, andererseits bin ich eben noch nicht etabliert und (auch wenn ich von meinen Bildern durchaus überzeugt bin) meine Bilder sind eben noch nicht ganz auf dem Level von langjährig etablierten Profis… (mein Equipment übrigens auch nicht, aber es reicht…)

    Freu mich über Feedback.


  29. Author
    Michael Omori Kirchner

    Erst einmal Gratulation, dass Deine Selbständigkeit gut anläuft, Toto.
    Meiner Meinung nach bewegst Du Dich mit Deinen Preisen im Mittelfeld und in Anbetracht der Qualität, die Du lieferst kannst Du beim nächsten mal bei einem Titelfoto ruhig noch ein wenig selbstbewusster sein.
    Relevant sind nicht nur die 20 min, die Du dafür brauchst, sondern der Nutzwert, den der Kunde davon hat.

    Dein Blog ist übrigens klasse, nur gelingt es mir nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

  30. Toto

    @Omori

    Danke für Dein Feedback.

    Bzgl. Blog-Kommentaren wundert es mich, denn es ist alles dafür freigeschaltet und ich habs gerade auch von einem anderen Browser aus probiert – da gings… seltsam…

  31. Toto

    Ach ja – ich vergaß zu erwähnen, dass das Fachmagazin, für das das Titelbild wäre, vom Kongressveranstalter herausgegeben wird – ist also ein Kombiauftrag. Daher habe ich auch den reduzierten Preis akzeptieren können….

  32. Martin

    Als Dienstleister sollte man seine Preise optimistisch ansetzen. Insbesondere als Fotograf, wo man i.d.R. auch noch eigenes Equipment einsetzt und dieses regelmäßig erneuern muss, braucht man unter einem Stundensatz von 50 bis 70 Euro gar nicht erst anfangen.Ich halte aber auch 200 Euro für vertretbar, wenn man größeren Aufwand betreibt. Und natürlich sind ggf. auch die Vor- und Nacharbeiten zu berechnen.

    Man sollte so viel verlangen, das man vom Erlös zumindest selber einen guten Dienstleister bezahlen könnte. Bambi Cantrell treibt es noch weiter: Wenn man sich selber engagieren könnte, ist man zu preiswert! Dem stimme ich zu. Man sollte sich keine Gedanken darüber machen, das man vielleicht zu teuer sein könnte. Für eine gute Dienstleistung gibt es Kunden, die bereit sind, einen angemessenen Preis zu bezahlen.

    Es kann auch helfen, sich auf Nischen zu spezialisieren, in denen mehr gezahlt wird. Zum Beispiel analoge Portrait-Fotos zu machen.

    Klasse statt Masse. Lieber einen Auftrag ablehnen als die eigene Leistung zu verschleudern.

    Und wer Bilder an kommerzielle Magazine verschenkt, ist selber schuld. Die verdienen Geld mit
    Deiner Leistung. Ganz schön blöd. Wenn sie das Bild drucken wollen, sollen sie dafür auch bezahlen.
    Entweder ist das Bild gut – oder nicht. Es zu drucken, nur weil es gratis ist, ist genauso bescheuert.

  33. Christine Kipper

    Leider ist das in Österreich auch so. Da gibt es Fotografen die das hobbymässig machen und Musikern und Veranstaltern ihre Bilder gratis überlassen, die brauchen natürlich keinen Berufsfotografen mehr, weil vielen reicht für die Presseaussendung auch ein Durchschnittsbilderl. Und Newcomer die glauben wenn sie alles gratis machen können sie sich einen Namen erarbeiten. Nur ist es so, einmal gratis immer gratis, weil dann kommt die Antwort – ja da und da hats das auch gratis gegeben. In so vielen Magazinen und Zeitungen sieht man KK, das bedeutet keine Kennung und daher gratis. Oder Hochzeiten um 200 Euro zu fotografieren, eine Hochzeit ist ein Aufwand, von der Zeitdauer her und von der Nachbearbeitung, das kann man nicht um diesen Preis machen. Jeder der heute knipst glaubt er ist Fotograf.

  34. Riccardo Schulz

    Hallo…. Das selbe Thema kann ich im Filmbereich genauso darstellen… Gute Qualität mit guter Arbeit in Verbindung mit hochwertiger Technik hat einfach seinen Preis! Und das Finanzamt erlässt dir auch keine 30% nur weil du günstiger wirst ! Die meisten vergessen einfach das allein die Personal kosten auch im Hintergrund mit laufen!

  35. Gordon G

    Also ich finde das Thema auch recht schwierig.
    Ich mache das derzeit auch als Hobby/Semi-Profi, verdiene damit also nicht meine Brötchen, mache aber durchaus gerne mal das eine oder andere Portrait, Familien, Baby/Kids- und auch Hochzeits-Shooting.

    Preise ansetzen finde ich dabei immer ziemlich schwierig. Ich bewege mich für ein Portrait oder Babyshooting irgendwo bei um die 150 EUR derzeit, eine Hochzeit (3-4 Stunden) bei um die 500 EUR. Allerdings mache ich bei Freunden und näheren Bekannten dann auch Sonderpreise – wobei ich dann aber auch explizit sage, was es eigentlich kosten würde. Keine Ahnung ob das sinnvoll ist, aber wie gesagt, ich tu mich da auch oft echt schwer.

    Auf der anderen Seite möchte ich mich auch nicht unter Preis verkaufen, denn ich weiss das ich es kann und gute Arbeit abliefere und bisher war jeder meiner “Kunden” auch mehr als zufrieden mit meiner Arbeit. Ich würde aber auf keinen Fall Bilder von mir an Agenturen oder Magazine oder ähnliches verschenken, nur um was von mir zu veröffentlichen und damit diese damit Geld verdienen.

    Wie gesagt, schwieriges Thema finde ich.

  36. Alex Ginis

    Genau das was die Kollegin sagt, predige ich in unseren Workshops. Die meisten Hochzeitsfotografen betreiben ein Minusgeschäft, “denn sie wissen nicht was sie tun”. bei 90% (und das ist noch optimistisch) wird der Nettostundenpreis, abzüglich direkter und indirekter Ausgaben sowie aller steuerlichen Abgaben, auf UNTER 10€/h belaufen!!! das habe ich im gestrigen Workshop den jungen Profis vorgeführt, man hätte die gesichter sehen sollen!!! eine traurige Erkenntnis!

  37. Jürgen

    Ich denke, dass es auch eine Frage ist in welchen Bereichen der Fotografie man sich bewegt.

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