Die Kunst der Portraitfotografie: Peter Hurley – The Art behind the Headshot


von Birgit-Cathrin Duval / aka takkiwrites

„Feels weird, looks good“ – zu deutsch „Fühlt sich komisch an, sieht aber gut aus“ – dahinter verbirgt sich das Geheimrezept – und der Erfolg – des New Yorker Portraitfotografen Peter Hurley. Als Profimodell stand er selbst viele Jahre vor der Kamera und weiß, worauf es ankommt. Wie es ihm gelingt, Menschen in Persönlichkeiten mit Charisma zu verwandeln, zeigt er nun erstmals in einer DVD.

Lernvideos über Portraitfotografie gibt es wie Sand am Meer. Doch das beste Licht der Welt nützt nichts, wenn in den Menschen vor der Kamera kein Lebensfunken zu sehen ist. Hier setzt das Konzept von „The Art behind the Headshot“ an. Peter Hurley greift in seine Trickkiste und will seinen Zuschauern verraten, wie aussagekräftige Portraitaufnahmen gelingen. „Meine Karriere basiert darauf, dass ich Menschen interessant in Szene setze“, sagt Hurley. Dass scheint ihm überaus erfolgreich zu gelingen. Immerhin blättert man für eine Portraitsitzung 1.100 Dollar auf den Tisch.

Peter Hurley ist der Beach Boy der Portraitfotografen. Selten habe ich jemanden erlebt, der mit solchen Enthusiasmus und positiver Energie fotografiert wie der sympathische New Yorker. Peter erinnert mich an einen Surfer, der eine Welle nach der anderen surft – immer auf der Suche nach der perfekten Welle – und dabei den Spaß seines Lebens hat. Seine Freude und Begeisterung ist einfach ansteckend. Er hat die Gabe, die Menschen vor der Kamera positiv zu beeinflussen und das Beste aus ihnen herauszuholen. Wie ihm das gelingt, zeigt er in sieben Portraitsessions (drei Männer, vier Frauen). Dabei handelt es sich um Klienten, die als Schauspieler arbeiten. Menschen, deren tägliches Brot es ist, vor der Kamera zu stehen, sollten eigentlich keine Probleme beim Posing haben – sollte man glauben. Dass dem aber nicht so ist, ist insbesondere beim Portraitshooting mit einem jungen Schauspieler zu sehen, mit dem Peter seine Mühe hat. Erst nach einem Coaching vorm Spiegel hat ihn Peter soweit, dass gute Portraits entstehen.

Es ist erstaunlich, wie sich die Bilder im Laufe des Shootings verbessern – alleine durch die Anweisungen, die er den Modellen gibt. Augen, Augenbrauen, Mund, Körperhaltung – jede noch so kleine Nuance bringt ein völlig verändertes Aussehen mit sich. „Ganz egal ob die Person ein Zombie ist oder umwerfend aussieht – es ist mein Job, aus ihnen eine Persönlichkeit zu machen“, betont Peter. „Jeder Mensch trägt Schönheit in sich, bei manchen ist sie verborgen. Aber es ist dein Job, sie zu finden und sie aus ihnen herauszuholen.“ Peters DVD ist ein Manifest an uns Fotografen, uns mehr ins Zeug zu legen und unsere Verantwortung, das Besondere, das eine Person ausmacht, wahrzunehmen und es in unseren Bildern sichtbar zu machen.

Peter dirigiert mit den Händen oder arbeitet mit Wortassoziationen, um dies zu erreichen. Diese Lektionen gehören mit zum Besten, was es an Instruktionen zum Thema Portraitfotografie gibt.

Darüber hinaus enthält das 4-stündige Material jede Menge Tipps und Informationen über Marketing, Preisgestaltung, Licht, Make-Up, Hairstyling, Kleidung und vieles mehr. Peter ist ein exzellenter Kommunikator und es macht einfach Spaß, ihm zuzuhören und ihm bei der Arbeit zuzusehen (schließlich sieht er verdammt gut aus – ja, das darf auch einmal gesagt sein, obwohl wahrscheinlich über 90 Prozent der Leser dieses Blogs männlichen Geschlechts sind).

Für wen eignet sich die DVD?

Das Lernvideo richtet sich an professionelle Portraifotografen oder all diejenigen, die sich überlegen, sich mit einem Studio, bzw. Portraitfotografie selbstständig zu machen. Peter geht kurz auf seine Belichtung ein, die seine Portraits auszeichnen und zeigt seine unterschiedliche Belichtung für Männer und Frauen. Es enthält allerdings keine detaillierten Infos zur Blitz–, Beleuchtung–, und Kameratechnik.

Fazit

Zunächst soll klargestellt sein: Obwohl die Website das Lernvideo als DVD anpreist, ist „The Art behind the Headshot“ keine DVD, sondern nur als Download erhältlich. Und der dauert ewig, bis die beiden Files auf dem Computer gelandet sind.
Die Qualität ist Top! Das Video wurde zusammen mit FStoppers produziert. Licht, Schnitt und Ton sind optimal. Der Inhalt stimmt. Peter versteht es meisterhaft, seine Lerninhalte weiterzugeben, ohne dass Langeweile aufkommt. Seine positive Art ist ansteckend und wer seine Tipps zu Rate zieht, wird Menschen mit ganz anderen Augen wahrnehmen und ihnen das „Gewisse etwas“ einhauchen, das auf den Bildern zu sehen sein wird. Das Video ist derzeit das beste Material, was es zum Thema Umgang mit Menschen vor der Kamera gibt. Dafür gibt es – trotz des stolzen Preises – 5 Sterne.

Der Preis: 300 US Dollar. Whoops. Nicht wenig. Aber jeden Cent wert.

Infos zur „DVD“: http://peterhurley.com/dvd/

Wer Peter Hurley in Action erleben und dabei gleich ein paar erste Tipps gratis abschöpfen möchte, hier ein Link zu Scott Kelby’s Seite mit Peter’s Tipps „It’s all about the Jaw“ – ich sag’s mal auf meine Worte „Die Kinnlade macht’s“:

http://scottkelby.com/2012/its-guest-blog-wednesday-featuring-peter-hurley/

Wer ist Peter Hurley?

Peter Hurley’s Weg zur Fotografie ist so außergewöhnlich wie einzigartig. Seine Leidenschaft galt zunächst der Seglerei. 1996 trainiert Hurley sogar für die Olympischen Spiele in Atlanta. In dieser Zeit erhält er den Tipp, sich bei einem Designer zu melden, der athletische Modelle für eine Werbekampagne sucht. Die Marke heißt Ralph Lauren, der Fotograf Bruce Weber. Dass sich Peter Hurley damals nicht für das US Segelteam qualifizieren konnte, kann man getrost als Wink des Schicksals sehen. Peter hisste die Segel und brach zu neuen Ufern auf: Bruce Weber’s Fotografien ebneten den Weg, um in New York als Fotomodell Fuß zu fassen. Einige Jahre später drückt ihm Bruce Weber eine Kamera in die Hand: Peter soll während einer Regatta fotografieren. Nebenbei lichtet er einen Freund, der als Modell arbeitet, ab. Die Setbilder kommen an und plötzlich ist Peter Hurley Fotograf.

„Anfangs hatte ich überhaupt keinen Clue was ich eigentlich mache“, gibt Hurley freimütig auf dem Video zu. Er kauft sich ein Blitzgerät, legt es frustriert zur Seite, weil er mit der Blitzsynchronisation nicht zu Rande kommt. Fortan dient ihm die Sonne als Lichtquelle und er fotografiert nur tagsüber mit available light. Sein Apartment in New York wird sein erstes Studio, in dem er Portraits von seinen Schauspiel- und Modelkollegen macht.

Peter fällt auf, dass es einen immensen Unterschied zwischen Fotos von VIP’s zu Bildern normaler Leute gibt. Was wäre wenn es ihm gelingt, die öden, langweiligen Portraitfotos normaler Menschen so in Szene zu setzen, um sie wie Celebrities aussehen zu lassen? Die Marktnische kommt an, Peter ist im Business mit Studios in New York City, Los Angeles und Dallas.

Birgit-Cathrin Duval aka takkiwrites arbeitet als freie Journalistin, Fotografin und Autorin.

Homepage

9 comments

  1. Mett

    Ich bin so frei und mache den Englischlehrer: „Anfangs hatte ich überhaupt keinen Clou was ich eigentlich mache.“ Hier ist von “clue” die Rede und das heißt, dass er anfänglikch keine Ahnung hatte.

  2. ThilliMilli

    Ich hatte ebenfalls das Glück, mir einen Großteil anschauen zu können. Und ja, es lohnt in jedem Fall. Aber: Man muss Peter auch ertragen können. Er ist halt ein klitzekleiner Egomane. New Yorker, eben. Und ich glaube, ich hab in der ersten Nacht mindestens ein “hold that, hold that, hold that…” in meine Träume eingebaut ;)

  3. ebaer

    Die Qualität eines Portraits kann man erst beurteilen, wenn man den Menschen, der abgebildet ist, kennenlernt. – so man ihn noch nicht kennt.

  4. Juri Bogenheimer

    Warum habe ich hier wieder den Eindruck, dass es vorallem die Show ist, die die “Amis” beherrschen?
    Ich habe das Video nicht gesehen, aber seine Website ist ja auch zugänglich und was ich da unter
    HEADSHOOT WORK | LEADING LADIES oder WONDER BOYS sehe ist alles andere als großes Kino.

    Das zieht sich für meinen Geschmack durch seine Arbeiten durch, egal ob MEN oder WOMEN…aber macht Euch doch euer eigenes Bild…..Für meinen Geschmack ganz weit entfernt von (Portrait)Fotografen wie Avedon….oder anderen fotografischen Kalibern…

    Mein Fazit: Der kocht auch nur mit Wasser.

    Bogi

  5. Michael Omori Kirchner

    Hallo Bogi,

    Avendon und Hurley kann man nicht miteinander vergleichen.
    Avedon macht Kunst, Hurley macht Gebrauchsfotografie. Das aber ziemlich gut.
    Er zeigt in seinem Video, wie man das Problem meistert, vor dem jeder (professionelle) Fotograf steht: Wenn ein Kunde ins Studio kommt, der alles andere als vorteilhaft in die Kamera blickt.
    Daher ist das Video extrem lehrreich und nicht vergleichbar mit allem anderen, was auf dem Markt ist.

    Gruß Michael

  6. Juri Bogenheimer

    Avedon ist/war Fotograf und hat die Prominenten dieser Welt abgelichtet/portraitiert.
    Dazu gehörten neben freien Arbeiten unzählige Auftragsarbeiten.
    Wenn das anschließend zur Kunst erklärt wird ist das eine zusätzlich Annerkennung seiner stilgebenden Fotografie.

    Was Hurley hier für viel Geld verkauft ist mit dem Begriff Gebrauchsfotografie ganz gut beschrieben und ich kann hier wirklich keinen Stil oder Style erkennen, den ich nicht auch aus dem Internet bekommen könnte. Auch vom Arrangement ist nicht wirklich etwas neues zu sehen…..Ich möchte hier nicht als Spielverderber auftreten….aber da gibt es doch wirklich jede Menge interessanterer Fotografen über die man schreiben könnte.

  7. Pingback: Peter Hurley gibt wieder Tipps für Portraits | Fotografr Ansichten zur Fotografie

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>