Im Test: SanDisk Eye-Fi Wireless SD Karte

Von Dan Rockstreet

Manchmal wäre es ganz nett, wenn man sich die Übertragungszeit von Kamera zu PC und PC zu einer Webseite sparen könnte. Oder man ist mehrere Wochen auf Urlaub und schiesst Fotos, ohne auf die Speicherkapazität der Karte achten zu müssen. In anderen Fällen wäre es nützlich, wenn man relativ zeitnah Fotos eines Fotoshootings gleich auf einem Laptop oder Tablet begutachten kann, ohne das Set verlassen oder die Karte von der Kamera entfernen zu müssen. Die Eye-Fi Technologie verspricht hier Abhilfe: eine SD-Karte mit integriertem WLAN bindet sich ins eigene Netzwerk ein und überträgt die JPEG Dateien auf mehrere Medien oder gar Internetseiten.

Geliefert wird die Karte mit einem USB-Kartenleser. Ausschließlich dieser kann die Speicherkarteninhalte als neues Laufwerk in Windows anmelden – zumindest konnte mein “USB 2.0 Card Reader 35 in 1″ die Inhalte nicht erkennen, dabei nutze ich eine SanDisk Extreme 4 GB, ebenso mit SDHC.

Mein Equipment

  • SanDisk Eye-Fi SDHC 4 GB+Wi-Fi
  • Canon EOS 1D M3
  • Samsung Galaxy Tab 10.1N
  • PC mit Win 7 (64-Bit)

Installation

Als erstes installiert man die in der Karte befindlichen Eye Fi Center Software. Alles funktioniert reibungslos und der Firewall muss man die Netzwerk-Zugriffsrechte der Karte erlauben.

Zweitens kann man ein kostenfreies Konto bei Eye-Fi anmelden. Mittels des Eye Fi Centers oder übers Internet (Eye Fi View) hat man Zugriff auf die Dateien (Fotos & Videos) – auf dem Online Konto (Eye Fi View) allerdings nur 7 Tage lang. Ein kostenpflichtiges Premium-Konto (5 US$/mtl. oder 50 US$/p.a.) belässt die Dateien online. Die Dateiübertragung auf die Eye Fi Center sind abschaltbar und keine Voraussetzung.

Drittens wird die Karte im eigenen WiFi-Netzwerk angemeldet. Optional kann man angeben, ob die übertragenen Dateien (Fotos oder Videos) auf dem eigenen PC, auf einem FTP-Server oder auf einen der bekannten Communitynetze wie z.B. Flickr, Picasa, Facebook, usw hochgeladen werden. RSS Feeds können genauso automatisiert werden.

Zuletzt wird das Tablet (z.B. iPad oder Galaxy Tab) mit einer App in den Kreislauf integriert. Die Konfiguration an sich ist nicht selbsterklärend, aber nach ein paar Minuten und Probeeinstellungen ist das Tablet angemeldet und kann auf Datenempfang gehen.

Erfahrungsbericht

Die Kamera habe ich mit Bildgrößen RAW+L und RAW+S getestet. RAW-Dateien verbleiben in der SD Karte und JPEG-Dateien werden nach einer kleinen Anmeldezeit ans Netzwerk (ca 2-3 Min) nach und nach übertragen. Die Übertragung wird durch das Schiessen von Fotos unterbrochen oder wenn die Kamera bei einprogrammierter Autoabschaltfunktion sich abschaltet.

Ist das Tablet eingeschaltet, erhält es als erstes Gerät die JPEG-Dateien. Es verschickt die Dateien auf das Onlinekonto von Eye-Fi. Ist der PC/Laptop eingeschaltet, lädt es vollautomatisch die Dateien aus dem Onlinekonto und verschickt sie ggf. auf dem FTP-Server oder auf einen weiteres Online Server.

Die Übertragung von 10 Megapixel-großen JPEG Dateien kann je nach WLAN-Qualität ca. 10-20 Sekunden auf dem PC dauern, manchmal auch schneller.

Ist ein Upload abgeschlossen, erhält man per Mail eine Info über die bisher in den Eye Fi Center übertragenen Dateien. Die Funktion ist ebenso deaktivierbar.

Da ich meist im Studio fotografiere und die Models und Visagisten oft neugierig auf die Ergebnisse sind, ist es eine praktische Sache, die Zwischenergebnisse auf dem Tablet zu zeigen. Interessant ist auch die Idee, alle JPEGs des Shootings gleich online hochzuladen, um nicht anwesenden Entscheidungsträgern einen Link mitzugeben (der Fotograf kann falls erforderlich oder sinnvoll etwaige hochgeladene Fotos vor der Linkweitergabe entfernen).

Weitere Funktionen

  • Geotagging von Fotos: die WLAN Karte ermittelt die eigene Position beim Pingen benachbarter Netzwerke (nicht getestet, dazu ist eine separate kostenpflichtige Registrierung (30 EUR) notwendig, um ein Geotagging-Schlüssel zu erhalten)
  • Endless Memory: löscht ältere und schon übertragene Dateien in der Speicherkarte (Kapazität, ab welche die Funktion aktiv wird, ist von 10-90% einstellbar)

Positiv

  • Bilder werden automatisch auf die angemeldeten Medien (Tablet, PC, Online Eye Fi Center, FTP-Server, Facebook & Co) hochgeladen
  • eine zeitnahe und schnelle Online-Begutachtung von JPEG-Fotos (evtl. interessant für internationale Produktionsteams)
  • der PC muss nicht zeitnah eingeschaltet sein, d.h. selbst nach einer Woche Urlaub werden die Fotos auf dem PC übertragen
  • Installation auf Windows und Anmeldung im Netzwerk problemlos
  • Übertragung läuft auf iOS und Android Tablets
  • Die App-Einstellung “Laufend (WiFi Verbindung) scannen” kann ausgeschaltet werden, um Akkustrom zu sparen
  • Als geschützt markierte Bilder werden nicht übertragen
  • Funktion “Endless Memory”

Neutral

  • Kamera mit SD Karte muss immer eingeschaltet sein (die integrierte WLAN-Funktion muss ja irgendwo ihren Strom herbekommen)
  • Übertragungsdauer kann etwas dauern (Entfernung zum Router, WLAN Qualität in den Räumen, evtl. auch durch ständige Bewegung der Kamera)

Weniger gut

  • Gleichzeitiges Hochladen ist nur auf einen Dienst möglich: entweder Facebook oder Flickr oder andere Dienste
  • Speicherkarte nur mit eigenem USB-Kartenleser nutzbar, selbst nach einer Formatierung in der Kamera (liegt vermutlich an der WLAN-Funktion)
  • Konfiguration auf dem Android-Tablett teilweise über Trial & Error
  • Hochkantfotos werden nicht im System für Android und PC gedreht, obwohl in der Kamera eingestellt. Sie werden in den Eye Fi Centern (off- und online) dennoch richtig dargestellt.
  • Anordnen der Fotos im Eye Fi Center nicht möglich, Reihenfolge der Bildergalerie-Anzeige manchmal nicht nachvollziehbar

Mehr Informationen bei Sandisk und sowie bei Amazon.

Dan ist ist gelernter Reprohersteller und passionierter Amateurfotograf, der 2006 die Studiofotografie mit Hobbymodels entdeckt hat. Neben seiner Canon 1Ds MII ist Photoshop sein liebstes Spielzeug.

Homepage

18 comments

  1. Oliver Teske

    Klingt sehr interessant. Mich würde mal interesieren ob die Windows Software die dabei ist zwingend nötig ist. Ich habe einen LINUX PC und werde nicht für alles Geld der Welt Windows installieren. Es würde mir langen wenn die karte im WLAN zu finden ist und ich nicht immer die kamera ans USB kabel hängen muss, nice to have. Den Rest benötige ich sowieso nicht. Was die Karte kostet und in welchen Größen es die Karte gibt wäre noch interessant.

    Gruß
    Oli

  2. Henrik

    Hallo,

    ich hatte mich schon vor längerem mit dem “Ursprungsgerät” der E-Fi Karte ausführlicher beschäftigt (siehe http://www.braincache.de/wp/2011/04/20/die-eye-fi-card-ist-im-flying-circus/ ) und auch schon aus diversen anderen Blogs gelesen, das der “nachbau” (in Lizenz versteht sich) nicht GANZ so gut mit Eye-Fi Software arbeitet. Es gibt u.a. für Android diverse Eye-Fi unterstützende Apps, die mit der original Karte wesentlich besser zusammen arbeiten.

    Mich würde hier z.B. noch interressieren wie die Integration mit der Kamera assieht. Bei meiner EOS 60D wird die original Eye-Fi Card wunderbar von der Kamera unterstützt (siehe http://www.braincache.de/wp/2011/09/02/canon-eos-60d-erste-eindruecke-und-stresstest/ ) ist das bei der 1er mit der Sandisk dann auch so?

    Gruß und noch viel Spaß am Gerät
    Henrik

  3. sven

    Es ist nach wie vor suboptimal, die Bilder auf einen externen Server hochzuladen (Acta läßt grüßen) um sie von dort aus wieder runterzuladen (runterladen zu lassen), statt sie gleich im WiFi Heimnetzwerk zu verteilen und ggf. mit ftp-anbindung direkt zu verteilen.

    Gruss Sven.

  4. bishop

    Toller Bericht! Sachlich, logisch, schlüssig!

    Also für mich ist die Karte interessant. Würde mich mal interessieren, wie die Kompartiblität mit Apple bzw. mac ist.

  5. Henrik

    @sven: mit acta hat das herzlich wenig zu tun ;-) Man könnte sich lediglich überlegen ob man wenn man sich in einem öffentlichen Netz, sprich an einem Hotspot befindet sinnvoll ist seine Zugangsdaten ggf. unverschlüsselt zu übertragen und dieses ggf. eben nicht tut. Auch das kann man eigentlich (zumindest unter windows und mac) schön fein graduieren.

    Ich kann z.B. sagen, das ich Bilder, die ich gemacht habe UND die ich entsprechend getaggt habe (und nur diese) per öffentlichem WLAN /Hotspot auf einen Bilddienstleister meiner Wahl hochlade (z.B. wenige Previews von Events oder so) und sobald ich mich im Heim-Netz befinde werden alle auf meinen internen FTP übertragen.

    Oder (wie man es eben auch gern macht) ich lasse nur per Direct-Link die JPG Bilder auf das Tablet übertragen und die JPGs und RAWS im heimischen Netz auf das NAS.

    Die Möglichkeit des hochladens auf Flickr & Co. ist denke ich für die Urlaubsgkamera/Handtaschenkamera – Fraktion recht praktisch aber schon mit vorsicht zu geniessen, das stimmt. Abhilfe kann für Vielreisende auch eine MiFi Box bieten ;-)

    Mein persönliches Fazit nach knapp einem Jahr Einsatz ist, das ich es besser finde als Tehtered Shooting mit Kabelwirrwar aber da hat jeder andere Preferenzen ;-)

  6. Frank Köhntopp

    DIe Upload-Möglichkeiten (außer auf den eigenen PC) sind meiner Meinung nach eher etwas für die Facebook-Generation und Schnappschuss-Kameras. Ich schieße auch keine JPGs, und vor der Lightroom-Bearbeitung will ich gar nicht daß jemand die Bilder sieht ;)

    Interessant wäre das mit einer sauberen Lightroom-Anbindung (Import via WiFi), was aber wohl nicht angedacht ist. Was die Karte für mich nutzlos macht ist, daß das GeoTagging (was mein Hauptnutzen gewesen wäre) nur in JPG funktioniert. EyeFi redet sich da raus, daß das Format nicht standardisiert sei, das ist aber sicher etwas zu einfach…

    Von daher – und auch wegen der Größe der Karten – meiner Meinung nach eher ein Consumer-Produkt.

  7. Henrik

    @Frank: Geotagging geht mit RAW allerdings nur bei Übertragung zum PC via Desktop Client und mit der PRO Version. Hier wird kein FTP oder ähnliches unterstützt. Lightroom ist auch kein Thema (Ordner angeben, Ordneransicht updaten lassen, fertig). Grösse der Karte ist auch eher Nebensache, da ja “endless memory” eine gute Option ist.

    Ein kleines Manko was ggf. für den ein oder anderen interressant sein könnte ist die Reichweite, die wegen der kleinen Antenne (baubedingt) “nur” ca. 50m weit zuverlässig zulässt. Weitere Reichweiten sind bis ca. 100m machbar, aber dann nicht mehr so GANZ zuverlässig. Wenn man eben wie bei Teathered die Ergebnisse zeitnah sehen möchte kann das zu Latenzzeiten führen.

    Auch darf man nicht ausser Acht lassen, das entsprechende “Profi” WLAN-Module von Nikon oder Canon im mitleren bis oberen dreistelligen Bereich sind – also irgendwo muss es ja Abstriche geben ;-)

  8. Magnus

    @ Henrik: Ich hab noch keinen mit einem 50m-Kabel gesehen :-) Die Karte hat da ganz sicher Vorteile.
    Das WFT von Canon ist ganz klar besser, aber auch ungefähr 8-mal so teuer.

  9. sven

    @ Hendrik …nicht wirklich, aber mir kam da spontan der Gedanke einer automatischen Plagiatskontrolle oder anderen tollen Sachen die damit anstellen kann. :-) Unterwegs mag das ja o.k., aber warum ich zu Hause meine Daten erst nach USA schicken muß um sie auf meinen Rechner zu bekommen versteh ich nicht. Zumal der Upstream ja viel langsamer ist als der downstream.

  10. Magnus

    @Sven … Du musst die Daten nicht in die USA schicken. Die Karte kann so konfiguriert werden, dass der Upload per FTP an jeden beliebigen Server gerichtet oder im Netzwerk in ein bestimmtest Verzeichnis geschickt werden kann.

  11. Stefan

    Ich habe jetzt schon einiges über die Eye-Fi gelesen und muss gestehen, dass ich entsetzt bin, wie kompliziert und intransparent die Nutzung sich darstellt. Für so eine einfache Funktionalität ist das genau das Gegenteil von Usability… :-( (von Funktionseinschränkungen ganz abgesehen)

    Eigentlich möchte ich einfach nur nach Auslösen in der Kamera das geschossene Bild auf einem Android Tablet bzw. auf meinem PC angezeigt bekommen. Und zwar ohne irgendwelchen Umweg über WLAN oder gar Internet. Eben eine Punkt zu Punkt Verbindung. Dieses einfache Nutzungsszenario dürfte eigentlich nicht mehr als zwei/drei Minuten zum Einrichten dauern…

    Ein wenig Hoffnung setze ich hier auf das Erscheinen der Toshiba FlashAir Karte. Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. In diesem Fall dann weniger in monetärer Hinsicht als eben hoffentlich in der Usability – will schließlich fotografieren und nicht Hobbyadmin spielen.

  12. Pingback: EyeFi Pro X2, WiFi-Karte für Kameras – Failure by Design? (Review) » intermayer.com

  13. Silke Steinraths

    Hallo, ich habe folgendes Problem!!! Ich habe aus Versehen auf die Eye-fi Karte geshootet. Da ich nicht wusste das sie in meiner Kamera war! Ich war auf Location, also eine Übertragung hat nicht statt gefungden. Als ich die Karte raus geholt habe, habe ich erst gemerkt das es keine normale CF Karte war. Nun erkennt aber weder meine Kamera, noch der Computer auf der das EYe-Fi Programm installiert ist die Karte. Ich habe auf RAW fotografiert. Sind die Bilder gespeichert? Wie bekomme ich sie????

    Danke an alle die mir hier weiter helfen können!!!

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