Model-Business

Posing-Buch für Fotografen: Modelle perfekt inszenieren

Von 7. März 2012 4 Kommentare


Von Dan Rockstreet

Wer Menschen fotografiert, weiß, dass je mehr vom Körper einer Person gezeigt wird, desto herausfordernder die Inszenierung: wo sollen die Hände hin, wie soll die Person stehen, auf welchem Bein wird der Schwerpunkt gelegt, wie sollen die Füße positioniert sein? Das Model sieht nicht, was der Fotograf sieht – aus diesem Grunde muss sich dieser mit der Materie des Posings beschäftigen.

Mit diesem Buch möchten sich die Autoren von anderen Posing-Ratgebern abheben, die meist aus einem Sammelsurium von Fotos von einem oder wenigen Models in verschiedenen „idealen“ Standardposen aus unterschiedlichen Blickwinkeln in einem Studio bestehen.

Das Buch ist in drei großen Kapiteln unterteilt: Grundlagen, Posen für alle Lebenslagen und Bildbearbeitung.

Im Kapitel Grundlagen behandelt man Themen, die ich so in einem Posingbuch nicht erwarte wie z.B. Visagistik und Stylinganleitung für Fotografen oder wie man Modelle findet. Beim Kauf eines solchen Buches darf man getrost davon ausgehen, dass der geneigte Leser schon sehr wohl in Kontakt mit Models gekommen ist und keinesfalls anfangen wird, das Model zu schminken oder zu stylen.

Sehr gut ist der theoretische Part über Bildaufbau, Perspektive, Linienführung einer Pose oder die Wichtigkeit der Mimik als Unterstützung der Bildaussage. Die Autoren nutzen zusätzliche Skizzen mit Führungslinien. Die Models sind nicht alle perfekt und man geht auch auf die Problemzonen bei z.B. etwas fülligere Damen ein, um diese bestens in Szene zu setzen.

Ziemlich oft wird auch über die Lichtsetzung, Szenerie, die Nutzung der Umgebung für den Bildaufbau gesprochen und man entweicht etwas dem eigentlichen Thema des Buches. Dabei kommen einige Themen zu kurz wie z.B. „Das Posing im Wandel der Zeit“, das aus 4 Seiten besteht. Man darf nicht außer Acht lassen, dass Posieren nicht mit der Fotografie angefangen hat!

Erfreulich bei diesem Buch ist, dass man hier auf eine große Auswahl an Modellen zurückgreift, verschiedenste Situationen, egal ob im Studio oder anderen Szenerien, ausführlich beschreibt und sich auf die Posen und die Mimik bezieht. Wie ein Fotograf das Model anleiten sollte ist ein wichtiges Thema, auf das auch intensiv eingegangen wird.

Die Autoren haben eine klare Vorstellung, was eine Pose ist und was eine „Anti-Pose“ ist. Man verfällt in subjektive Ideale, was gut aussieht und was nicht gut aussieht und das bis in die Fußspitze (im wahrsten Sinne des Wortes). Das muss man allerdings relativieren, denn es kommt auf das Thema des Fotos oder der Fotoserie an! Man merkt, dass die Autoren sich in der klassischen Peoplefotografie bis zu stilvoller Aktfotografie wohlfühlen – Fotos, die auch die eigene Großmutter toll finden würde. Ich habe actionreiche, teils comichafte Posen, extreme Mimiken und aufwändigere Inszenierungen vermisst.

Im Kapitel Posen für alle Lebenslagen werden alle Arten von kleineren Inszenierungen (Emotionen, Fashion, Styling, Männer, Paare und Gruppe, „Freies Posing“ und Akt) und meist auch die passenden Posen beschrieben. Die Fashionfotografie überzeugt nicht wirklich (nettes Studentenprojekt mit Illustrationen von Mode- und Werbeposen: „Fashionable Posingbook“ von Tobias Pechstein und Michael Voigtländer). Jedoch findet man immer wieder gute und praktische Hinweise, worauf der Fotograf bei den Posen und bei der Bildgestaltung achten sollte.

Das letzte Kapitel „Bildbearbeitung“ sollte man als netten 18-seitigen Buchfüller über die Bildbearbeitung sehen, da hier nicht wirklich auf Posenkorrekturen (mit z.B. der Formengitterfunktion von Photoshop CS 5) eingegangen wird. Interessant ist die Tatsache, dass bei vielen Fotos im Buch eine offensichtliche Bildbearbeitung (d.h. Reduzierung/Entfernen von Hautfältchen, Muttermalen, etc.) nicht stattgefunden hat.

Fazit: Empfehlenswert für Fotografen, die sich erstmals mit Peoplefotografie befassen und das schwierige Thema des Posings angehen möchten. Der erfahrenere Hobbyfotograf wird aber genauso von den zahlreichen Tipps und zahlreichen BIldbeispielen profitieren. Etwas mehr Theorie über das Posing an sich hätte nicht geschadet.

Gutes Fotografie Fachbuch

Das Posing-Buch für Fotografen
Modelle perfekt inszenieren
Kathy Hennig und Lars Ihring
326 Seiten
Galileo Design, Jan 2012
ISBN 978-3-8362-1798-9
39,90 EUR

Mehr Informationen bei Galileo sowie bei Amazon.

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About Dan Rockstreet

Dan ist ist gelernter Reprohersteller und passionierter Amateurfotograf, der 2006 die Studiofotografie mit Hobbymodels entdeckt hat. Neben seiner Canon 1Ds MII ist Photoshop sein liebstes Spielzeug.

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4 Kommentare

  • Danke für die ausführliche Rezension, Dan!

    Ich frage mich allerdings, warum Muttermale und Hautfältchen unbedingt entfernt werden sollten bzw. warum es dir so aufgefallen ist. Dass das in dem Buch offenbar nicht gemacht wurde, sehe ich eher positiv.

    Und eine nachträgliche Posenkorrektur in CS5 mag ja für begeisterte Photoshop-ler toll sein, aber es wäre noch viel „tollererer“, wenn man das gleich beim Shooting macht. Und da setzt das Buch doch nach deiner Rezension an, oder? 😉

  • Dan Rockstreet sagt:

    Hi Stefan,

    mein Kommentar mit der „offensichtlichen“ Bearbeitung war nicht als Wertung gemeint – ich fand’s eben interessant 🙂 Ist mir aufgefallen, da das Gros vieler Bücher/Tutorials/etc. oft diesen Punkt aufgreift. Eine natürliche Erscheinung hat natürlich auch was und das kleine Muttermal könnte sogar ein Markenzeichen einer Person sein.

    Ich gebe Dir grundsätzlich Recht, eine Verflüssigungskorrektur ist manchmal dennoch erforderlich: Stützt sich z.B. ein auf dem Boden sitzendes Model mit dem Arm ab, kommt der Trizeps etwas deutlicher raus. Anatomisch nicht zu vermeiden, fällt aber im Foto möglicherweise auf. Andere wiederum bitten um digitale Speckfältchenreduktionen, eine Po-Straffung oder Oberweiten-OP’s 😉

    Gruß,

    Dan

  • Philipp sagt:

    Danke für die Rezession.
    Gibt es ein Buch welches sich mehr mit der Theorie des Posings beschäftigt und Du empfehlen kannst?

    Beste Grüße und eine Frohe Weihnacht
    Philipp

    *vielen Dank für die ganzen Infos, welche Du bereitstellst*

  • Frag mal den Wolfgang Armbruster von http://www.blendwerk-freiburg.de der hat eins geschrieben.
    Gruß Michael

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