Auswahlkriterien für eine Bildagentur

Auswahlkriterien für eine Bildagentur

Von Robert Kneschke

Im Artikel „Wie finde ich als Fotograf die richtige Bildagentur“ ist Robert Kneschke auf die verschiedenen Arten von Bildagenturen eingegangen und hat erklärt, wie sich ein Fotograf einen aktuellen Marktüberblick verschafft. Im folgenden Artikel beschreibt Robert nun die Auswahlkriterien für die richtige Fotoagentur.


Service

Hier scheiden sich die Geister, was ein Fotograf verlangen kann. Im Zuge der Digitalisierung haben die neuen Internet-Bildagenturen aber neue Standards gesetzt, denen die alten Bildagenturen aus dem Zeitalter der Farbdias langsam folgen.

Dazu gehören zum Beispiel umfangreiche Statistikfunktionen, also wie oft die eigenen Fotos angeschaut und gekauft wurden, welche Suchbegriffe am häufigsten verwendet werden oder wie ich im Vergleich zu anderen Fotografen der Agentur abschneide.

Die Erreichbarkeit ist ein weiteres Qualitätskriterium. Kann ich der Agentur nur Emails schicken oder notfalls auch telefonisch erreichen? Geht nur ein Anrufbeantworter ran oder kümmern sich eigene Mitarbeiter um die Fotografen? Wie schnell und ausführlich wird auf Emails geantwortet?

Für Fotografen, die viele Bilder haben, ist auch das Handling von Bedeutung. Gibt es die Möglichkeit, die Bilder per FTP oder auf DVD zu schicken? Sind Batch-Funktionen verfügbar, kann ich z. B. einer Auswahl meiner Fotos gleichzeitig einen „Model Release“ zuweisen?

Wie lange dauert das Hochladen der Bilder und wie schnell werden neue Fotos in den Bestand übernommen? Gibt es eine Begrenzung, wie viele Fotos ein Fotograf pro Monat oder insgesamt senden darf?

Wenn eine Agentur für die Übernahme von Fotos in den Bestand ab einer gewissen Menge Geld verlangt, ist immer Vorsicht geboten.

Nennt die Agentur den Namen der Bildkäufer? Liefert sie sogar Belegexemplare? Macht die Bildagentur Vorschläge für gut verkäufliche Motive und leitet sie Kundenanfragen an ihre Fotografen weiter?

All das sind Fragen, die jeder der Agentur stellen sollte und für sich selbst entscheiden muss, wie wichtig einem die einzelnen Punkte sind.

Rechtliches

Vor dem Bewerben bei einer Agentur sollten die Nutzungsbedingungen und Agenturverträge sorgfältig gelesen werden. Einige Agenturen verlangen, dass sich Fotografen exklusiv an eine Agentur binden, andere wollen, dass nur die gelieferten Bilder exklusiv über die Agentur vertrieben werden und wieder andere verlangen, dass gleiche oder ähnliche Fotos bei anderen Agenturen ein gewisses Preisniveau halten müssen. Wer hier etwas übersieht, hat schnell einen Vertragsbruch begangen.

Außerdem verlangen viele Agenturen, dass die eingesandten Bilder „frei von Rechten Dritter“ sind. Das bedeutet, dass der Fotograf für erkennbare Personen auf den Fotos schriftliche „Model Release“-Verträge vorweisen kann und bei Aufnahmen auf Privatgelände oder von designgeschützten Bauwerken und Objekten schriftliche Erlaubnise einholt.

Grundlegende Kenntnisse des Fotorechts sind eine unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg als Fotograf. Dazu gehören z.B. das Urheberrechtgesetz (UrhG), das Kunsturheberrechtgesetz (KUG), das Medienrecht, das Allgemeine Persönlichkeitsrecht (APR) oder das Markenrecht (MarkenG), Wer zu leichtfertig damit umgeht, riskiert schnell Klagen im Wert von zigtausend Euro.

Anforderungen

Nicht nur der Fotograf stellt Ansprüche an seine Agentur, auch die Bildagenturen verlangen, dass die Fotografen gewisse Standards erfüllen.

Dazu gehört, dass der Fotograf digitale Fotos in einer bestimmten Pixelgröße liefern kann, dass er das Farbmanagement beherrscht und verkäufliche Motive anbietet.

Darüber akzeptieren einige Agenturen nur Fotos von gewissen Kameramodellen und die meisten Agenturen haben die Arbeit des Verschlagworten und Beschriften der Fotos den Fotografen übertragen.

Auch hier ist es sehr empfehlenswert, vor der ersten Bildlieferung sorgfältig die Ansprüche der Agentur durchzulesen, um zu vergleichen, ob die Mindeststandards überhaupt eingehalten werde können.

Preis

  • Für welche Preise bietet die Bildagentur die Fotos an?
  • Möchte ich meine Fotos zu diesen Preisen anbieten?
  • Wieviel Prozent der Verkaufserlöses gehen an den Fotografen?
  • Wie hoch wird mein Gewinn ungefähr sein?

Letztere Frage ist zugegebenermaßen am Anfang kaum realistisch zu beurteilen. Hier helfen nur Geduld, die Erfahrungen anderer Kollegen und eine gute Berücksichtigung der vorhergegangenen Punkte.

Bei mir verkaufen sich Fotos nach der Lieferung an eine Bildagentur als Faustregel nach ca. drei Monaten, einer neuen Agentur sollte mindestens ein Jahr Zeit gegeben werden, um Umsätze zu generieren. Je mehr Bilder an eine Agentur geliefert werden, desto höher sind auch die Umsätze. Bei zehn Schnappschüssen aus dem Urlaub von einer Agentur nach einem Monat dreistellige Abrechnungen zu erwarten, ist unrealistisch.

Bei den sogenannten Microstock-Agenturen werden wegen der Masse an Verkäufen deutlich schneller Verkäufe gemeldet, dafür sind die Einnahmen pro Verkauf so gering (in der Regel weniger als ein Euro), dass jeder selbst überlegen muss, ob dieser Preis für ihn Sinn macht.

Weitere Kriterien sind, wie oft das Geld zum Fotografen kommt: Einmal pro Monat, per Quartalsausschüttung oder sogar nur halbjährlich? Bei Microstock-Agenturen kann man sich das Geld oft jederzeit auszahlen lassen, aber meist mit dem Haken, dass eine Mindestsumme verdient worden sein muss.

Microstock vs. Macrostock

Wer sich bei einer Agentur bewirbt, sollte sich im Klaren darüber sein, dass viele Macrostock-Agenturen allergisch darauf reagieren, wenn der Fotograf mit Microstock-Agenturen zusammenarbeitet. Einige lehnen dann eine Partnerschaft ab, andere bestehen nur darauf, dass die gleichen oder ähnliche Bilder nicht billiger angeboten werden.

Portale – Alternative zu Bildagenturen

Neben Bildgagenturen gibt es vermehrt auch sogenannte „Portale“. Die gleichen in der Regel einer Agentur, mit dem Unterschied, dass sie meist keine Selektion der eingesandten Fotos vornehmen und teilweise nur einige Aufgaben einer richtigen Agentur schultern. Dafür kann der Fotograf oft die Preise selbst festlegen und bekommt auch meist deutlich mehr als 50% des verkaufspreises. Beispiele für solche Portale sind Alamy und MyLoupe. Wie auch bei Agenturen unterscheidet sich der Service, die Aufnahmeregeln und die Arbeit so stark, dass jedes Portal bei Interesse im Detail angeschaut werden sollte.

Was für Bilder anbieten?

Wer Chancen haben möchte, eine Agentur von sich zu überzeugen, sollte seine besten Fotos zeigen. „Gut“ bedeutet hier jedoch nicht, dass sie der Familie oder Freunden gefallen haben, sondern „gut“ heißt für die Agentur vor allem „gut verkäuflich“. Deshalb können die Haustier- , Sonnenuntergangs- und Blumenfotos in der Schublade bleiben, denn davon haben alle Agenturen mehr als benötigt. Gefragt sind immer Menschenaufnahmen oder witzige Themen. Die „fünf Goldenen Regeln der Stockfotografie“ helfen ebenfalls bei der Bildauswahl.

Abgelehnt, was nun?

Keine Panik! Tief durchatmen. Es kommt vor, dass man von Agenturen abgelehnt wird. Es gibt viele Gründe dafür und nicht alle haben mit der Qualität Deiner Fotos zu tun. Bestimmte Agenturen haben ihr eigenes Profil, andere sind so ausgelastet, dass sie niemanden mehr aufnehmen möchten oder Deine Kamera entspricht nicht den Agenturwünschen.

Trotzdem solltest Du einen Blick auf Deine Fotos werden und überlegen, ob sie nicht verkäuflicher gestaltet werden könnten. Der unbefangene Blick eines befreundeten Fotografen kann Dir vielleicht auch Hinweise geben, welche Bilder sich besser verkaufen. Lerne. Mache neue Fotos und bewerbe Dich bei einer anderen Agentur.

Weiterführende Literatur

Stockfotografie: Geld verdienen mit eigenen Fotos (Amazon)


Der Autor, Robert Kneschke, arbeitet als Stockfotograf und Journalist

Robert ist Bildproduzent mit Schwerpunkt Stockfotografie aus Köln und Autor des Fachbuchs "Stockfotografie - Geld verdienen mit eigenen Fotos" aus der Edition ProfiFoto.

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3 comments

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