Auftragskalkulation für Fotografen

Firma xy oder Werbeagentur yz fragt an und erbittet ein Angebot für ein Fotoshooting. Insbesondere Einsteiger in die Selbständigkeit als Fotograf kommen dann nicht selten in’s Schwitzen.
Bieten sie zu niedrig an, verdienen sie nichts, bieten sie zu teuer an, bekommen sie den Auftrag nicht.
Also wird im Zweifel erst einmal niedrig angeboten, um die Geschäftsbeziehung aufzubauen. Verdienen kann man ja beim zweiten Auftrag immer noch.

Das ist aber leider ein folgenschwerer Fehler. Es ist meistens nicht machbar, bei einem Folgeauftrag (wenn er denn überhaupt kommt) einen deutlich teureren Preis durchzusetzen.
Man selber würde ja auch relativ irritiert gucken, wenn der Supermarkt den Liter Milch, der gestern noch 50 Cent gekostet hat, nun für 1,60 Euro verkauft. Es ist ja immer noch dieselbe Milch.
Bei Fotografen ist es ähnlich, es ist ja immer noch derselbe Fotograf, warum soll der jetzt plötzlich einen erheblich höheren Tagessatz wert sein?

Auf der anderen Seite ist es natürlich wichtig, dass man mit seinen Aufträgen nicht nur die Unkosten decken kann, sondern auch darüber hinaus etwas hängen bleibt.
Um das beurteilen zu können, ist es aber wichtig, eine korrekte Auftragskalkulation durchzuführen.

Hier ein Beispiel, wie das aussehen kann:

Der Fotograf hat ein kleines Fotostudio, in dem er für gewerbliche Kunden aus dem Mittelstand Fotos (zum Beispiel Produktfotos) anfertigt.

Gehen wir der einfachheit halber von einem Shooting aus, für das ein Halb-Tagessatz abgerechnet wird.
An Zeitaufwänden fallen dafür ungefähr an:

  • 2 Stunden Organisation (Vorgespräch, Vorbereitung, Lichtaufbau, etc.)
  • 2 Stunden Shooting
  • 2 Stunden Nachbearbeitung / Bildbearbeitung / Ablieferung der Ergebnisse / Schriftverkehr

Von diesen Shootings wird man bei Vollauslastung im Jahr maximal 200 Stück machen können, in der Realität wahrscheinlich eher deutlich weniger.

Fixkosten

Berechnen wir zuerst die Fixkosten des Fotostudios insgesamt pro Jahr:

Studio- / Büro-Miete inkl. Nebenkosten: 12.000 Euro
AfA für Equipments 6.000 Euro
Zusätzliche Ausgaben für Fototechnik 3.000 Euro
Verbrauchsmaterial im Studio (Hintergründe, Requisiten, Präsentationsmaterial, etc.) 5.000 Euro
Verbrauchsmaterial im Büro 2.000 Euro
Kosten für Ausbelichtungen und Foto-Dienstleistungen 3.000 Euro
Werbung 3.000 Euro
Fahrtkosten 2.000 Euro
Versicherungen, Berufsgenossenschaft, Handwerkskammer etc 4.000 Euro
Altersversorgung, Rentenversicherung 10.000 Euro
Gesamt 50.000 Euro

Aufgeteilt auf die 200 Shootings sind das 250 Euro pro Shooting.

Benötigtes Einkommen

Der Fotograf möchte 2.500 Euro monatlich zum Leben haben. Das sind pro Jahr 30.000 Euro. Dazu kommen Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag: 15.000 Euro

Gesamt: 45.000 Euro

Aufgeteilt auf die 200 Shootings sind das 225 Euro pro Shooting.

Risiko-Zuschlag

Auf jeden Auftrag muss ein Risiko-Zuschlag gerechnet werden.
Zum einen für berechtigte Reklamationen (die hoffentlich nicht zu häufig auftreten), zum anderen für Zahlungsausfälle, die leider gerade im mittelständischen Bereich vorkommen.

Der Shooting-Preis setzt sich nun zusammen aus:

Fixkostenanteil 250 Euro
Einkommen 225 Euro
Risikozuschlag 75 Euro
Gesamt 550 Euro

Das ergibt einen Angebotspreis von 550 Euro plus Mwst für einen Halbtagesjob, entsprechend ca. 1.100 Euro für einen Ganztagesjob.

Dazu kommen selbstverständlich auftragsabängige Kosten wie Reisekosten, zusätzliche Foto- oder Bildbearbeitungskosten, Model- und Visagistenhonorare etc.

Im konkreten Fall können sich natürlich Abweichungen von dieser Rechnung ergeben. Der eine Fotograf hat kein eigenes Studio, sondern mietet sich jeweils in einem Mietstudio ein oder benötigt für seine Aufträge gar kein Studio. Der andere Fotograf hat Mitarbeiter, die er bezahlen muss. Auch die Fixkosten mögen je nach Einzelfall unterschiedlich sein.

Für einen Fotografen ohne Studio und sonstige hohen Fixkosten kann der Tagessatz auch beispielsweise bei 700 oder 800 Euro liegen.

Ich kann jedem Fotografen nur raten, für seinen speziellen Fall einmal eine solche Überschlagsrechnung durchzuführen. Und wenn dann ein Tagessatz von 350 Euro dabei herauskommt, kann er entweder nicht rechnen oder macht sich selber etwas vor. Und dann ist das Risiko relativ groß, dass er nach ein oder zwei Jahren sein Fotostudio wegen fortlaufender Verluste wieder schließen muss.

Weiterführende Literatur

Foto- und Bildrecht (Amazon)

Beruf: Fotograf. Ein Profi erzählt, was dahinter steckt (Amazon)

Digitale People- und Porträtfotografie (Amazon)

Autor: Omori

64 Kommentare

  1. LilyLily07-05-2012

    Was mich an dem Ganzen am meisten aufregt, dass so viel Einkommenssteuer und Solidaritätszuschlag gezahlt wird. Es gibt so viele Menschen, die selbst kaum Geld zum leben haben, zahlen mehrere TAUSEND Euro pro Jahr, haben nicht einmal was davon und dann bekommt eine (sorry) dämliche Politiker-Witwe einen beschissenen 20.000€ Fahrstuhl in ihren verf… Weinkeller gebaut, auf Kosten der Steuerzahler, weil sie so Schwierigkeiten hat, eben in den Keller zu laufen.

    Da fehlen mir sprichwörtlich die Worte.

  2. MaeddisonMaeddison07-18-2012

    Ich bin hauptberuflich Fotograf in der Werbung und Mode. Mein Tagessatz liegt bei 950 € und das wird bezahlt! Daher muss ich diesen Satz nicht anzweifeln!
    Ein Kollege von mir aus Frankfurt (den Namen nenne ich nicht, das tut auch nichts zur Sache, macht es deswegen ja nicht glaubwürdiger) bekommt 1.800 am Tag. Zzgl. BusinessClass-Flüge, wenn Ausland.
    Ja, das gibt es alles noch! Wer den Job für 600 € oder weniger macht, kann meiner Meinung nach nicht kalkulieren oder hat ne Consumer-Ausrüstung für ein paar hundert Euro und kein Profi-Equipment für zig Tausende. Oder er hat im wirklichen Leben einen gut bezahlten Job mit viel Urlaub …

  3. AndyAndy09-04-2012

    Die Tagessatzkalkulation dient wohl eher der systematischen Darstellung. Hierzu leistet sie wertvolle Hilfe. Die Zahlen selbst sind sehr individuell und nur beispielhaft zu sehen. Einen gravierenden Fehler enthält die Kalkulation dennoch. Dieser ist auch ursächlich für die gesamte hitzige Diskussion hinsichtlich der Regelsätze in Höhe von 1.100.- € pro Tag verantwortlich.

    Es ist erstaunlich, dass dieser Fehler bisher (also seit April 2008) scheinbar übersehen wurde!

    Das Beispiel geht bei einer Betrachtung der Gesamtkosten (110.000 € inkl. Risikoaufschlag und Lebensunterhalt) zunächst von 200 produktiven Tagen im Jahr aus. Dies führt rechnerisch dazu, dass an jedem dieser zweihundert Tage durchschnittlich 550.- Euro benötigt werden, um Kosten, Lebensunterhalt und Vorsorge zu decken. Dabei geht das Modell davon aus, dass an jedem dieser Produktivtage nur ½ Tag gearbeitet wird. Welch Luxus! Es ist aber FALSCH den ermittelten Durchschnittssatz pro Produktivtag zu verdoppeln und diesen Betrag dann als “Tagessatz” zu bezeichnen. Wenn die Anzahl der produktiven Tage 200 beträgt, ist der Tagessatz (= Satz pro Produktivtag) 550 Euro, denn 200 Tage x 550 Euro/Tag = 110.000 Euro. Es ist vollkommen unerheblich wie viele Stunden der Fotograf pro Produktivtag arbeitet, ob eine, vier, acht oder zwölf. Am Ende des Tages muss er (im Beispiel) für seinen Einsatz 550 Euro fakturieren.

    Der Fotograf muss also 200 x 1/1 Tage* à 550.- Euro, oder 400 x ½ Tage à 275,- Euro fakturieren, um die 110.000 Euro zu erwirtschaften. Der rechnerische Stundensatz (Basis: 8 Arbeitsstunden/Tag) beträgt im Beispiel damit 68,75 €. Würde er wie angedeutet 200 x 1/1 Tage à 1.100 Euro fakturieren, hätte er Einnahmen von insgesamt 220.000 Euro und (unter Beachtung der hier recht geringen Kosten) ein sehr beachtliches Einkommen.

  4. Hallo Andy,

    danke für Deinen Beitrag, der einen typischen Denkfehler zeigt. Als selbständiger Fotograf kann man eben NICHT 200 ganze Tage pro Jahr fakturieren.

    Den Kunden interessiert nicht, dass ich ja auch Buchführung, Marketing, Fortbildung, etc etc machen muss. All das kann ich niemandem in Rechnung stellen. Und es gibt auch Tage, an denen ich keinen Auftrag habe.

    Daher steckt in meiner Rechnung kein grundsätzlicher Fehler. Allenfalls über die Höhe der einzelnen Zahlen kann man natürlich diskutieren, die können im Einzelfall höher oder niedriger liegen.

    Gruß Michael

  5. Hermann DörreHermann Dörre09-04-2012

    Man kann nicht mit 220 Tagen Auslastung als Fotograf rechnen. Punkt 1 Stammkunden erwarten, dass auch kurzfristig kleinere Aufträge realisiert werden können, also brauche ich Puffer. Punkt 2 Es gibt bei den Werbekunden auch Saisons, Bilder, Kataloge werden vor Messen benötigt, neue Produkte werden nicht kontinuierlich entwickelt sondern zu bestimmten Terminen. Punkt 3 In der Werbung muss alles sehr kurzfristig gehen, ich kann nicht eine Produktion an die nächste reihen, wie ein Schreiner oder Elektriker oder andere Handwerker am Bau. Da wird eben akzeptiert, dass man auch mal ein halbes Jahr warten muss bis eine Arbeit ausgeführt wird. Als guter Bauhandwerker kann man (glaube ich, weiß es aber nicht wirklich!) vielleicht mit 40 Produktivstunden in der Woche kalkulieren. Aber auch in einem hervorragend ausgelasteten Studio wird man nicht jede Woche gebucht sein. Ich sage mal 3 Tage an 45 Wochen im Jahr wären 135 Tage, da ist man schon sehr gut im Geschäft. Ich rede hier von Werbefotografie.

  6. AndyAndy09-05-2012

    Hallo Michael,
    sorry, aber ich habe die 200 Produktivtage nicht ins Spiel gebracht. Du hast in deiner Beispielrechnung die 200 als Divisor gewählt und somit die Anzahl der Werktage festgelegt. Jetzt zu behaupten der Fotograf könne ja gar keine 200 Tage fakturieren und daher von einem “typischen Denkfehler” meinerseits zu sprechen ist lächerlich. Der Fehler ist ein systematischer und liegt in der Ableitung des Tagessatzes, wie die Kontrollrechnung zeigt. Wenn der Fotograf nur 100 Tage fakturieren kann, müsste der Divisor 100 statt 200 betragen. Der Tagessatz wäre (bei gleichen Kosten) dann 1.100€ – nach deiner Systematik allerdings 2.200€, also wieder falsch.

    Mein Hinweis ist absolut konstruktiv gemeint, denn mich mit zu hohen Preisen aus dem Markt zu kalkulieren ist ebensowenig zielführend, wie nicht auskömmliche Preise zu verlangen. Die Beiträge auf dieser Seite sind eine wertvolle Hilfe für Jungfotografen. In diesem Beitrag ist allerdings ein Lapsus passiert, der korrigiert werden sollte.

  7. Hallo Andy,

    ja, natürlich, dass Du konstruktiv diskutierst ist klar. Dafür vielen Dank.

    Trotzdem sehe ich den von Dir angesprochenen Lapsus nicht. Aber lassen wir es einfach dabei bewenden, dass Du bei Deiner Tagessatz-Berechnung anders vorgehst und zu einem anderen Ergebnis kommst.

    Gruß Michael

  8. AlexAlex09-10-2012

    Hallo zusammen,

    in der Rechnung waren es doch 200 Shootings, nicht 200 Tage?!

    Gruß
    Alex

  9. Ja, so habe ich gerechnet. Aber es gibt natürlich andere Vorgehensweisen.

  10. Dirk S.Dirk S.09-13-2012

    Hier in Frankfurt am Main sind Tagessätze von 1000-1600 Euro für Business Portraits eigentlich eher der Standard. Ein “guter” Hochzeitsfotograf ruft für eine komplette Reportage auch gut und gerne 1500-2000 Euro auf. In dieser Preisklasse wird auch nur selten mit Blitzanlagen gearbeitet. Ein Fotograf ohne eigenes Studio wird mit 700 Euro mit Sicherheit nicht hinkommen. “Vernünftige” Studios beginnen hier bei 300 Euro pro Tag. Und damit meine ich keine 20qm Räume mit 2.56m hohen Decken sondern Studios in denen man arbeiten kann. Ausserdem muss der Fotograf ohne eigenes Studio ja noch sein ganzes Gear zum Studio bringen und erst aufbauen. Dies kostet auch Zeit und Kraft die nicht zu unterschätzen ist. Auch würde es hier keine studiotaugliche Immobilie für 1000 Euro geben. Ab einem gewissen Aufwand benötigt man ja auch Assistenten etc. Die müssen ja auch von irgendwas bezahlt werden.

    Ich selbst habe diese Kalkulation schon zig male für mich durchgeführt und komme zum Ergebnis dass ich in meinem normalen Job als Angestellter besser aufgehoben bin und dass sich das unternehmerische Risiko schlichtweg nicht lohnt. Auch würde ich für 500 Euro meinen freien Samstag nicht opfern wollen. Für 4 Stunden On Location brauche ich effektiv 7 Stunden (Rüstzeit, Aufbau, Einmessen etc) vor Ort und dann nochmal genau so viel vorm Computer zum Nachbearbeiten.

    Am Ende des Tages ist man als Berufsfotograf mehr mit dem Overhead als mit dem eigentlichen fotografieren beschäftigt.

    Meine 0,02 Euro
    Dirk

  11. WolfWolf09-22-2012

    Hallo zusammen,

    Wie sind die Tagessätze für “Architekturfotografie”?
    Fotograf zu werden mit Spezialfokus auf “Architektur und Interior” ist mein “Plan B” oder Kariere 2:0 ;-) .
    Habe selber Innenarchitektur und später BWL studiert.
    Zielgruppen sind: Architektur-und-Innenarchitekturbüros, Immobilienmakler, Bauunternehmen und Verlagshäuser.
    Eine Kosten-basierte Kalkulation ist absolut hilfreich. Wichtig wäre als Nächstes die Erlösseite, also den Marktpotential den Wettbewerb und die Tagessätze – in meinem Fall, Architekturfotografie – zu quantifizieren

    Danke im Vorab !!!

  12. Obi89Obi8910-27-2012

    Hallo zusammen,

    ich bin mehr oder minder Hobbyfotograf bzw eigtl bin ich es. Habe weder ne Profi Ausrüstung oder sonst was sondern nur ne 40D mit nem 18-200mm objektiv.
    Also Fotos hab ich schon öfters gemacht, jetzt vor kurzem auch auf ner Hochzeit weil ich gefragt worden war von ein paar Verwandten.
    Jetzt hat mich ein bekannter gefragt, der bei einer Versicherung arbeitet, ob ich nicht ein paar Fotos für nen Werbeauftritt in FB machen könnte.
    Jetzt weis ich garnicht wie ich da am besten vorgehe, kann mir da jmd helfen?^^

    Gruß
    obi

  13. [...] leidige Frage des Geldes. Wieviel braucht ein Fotograf zum Leben? Auf fotografr.de gibt es eine schöne Zusammenstellung für die Lebenshaltungskosten eines Fotografen und wieviel er [...]

  14. Nico SochaNico Socha02-26-2013

    Ich finde die oben aufgeführte Kalkulation eigentlich ganz gut, dass man diese nicht 1:1 auf sich übertragen kann sollte denke ich jedem klar sein. Was ich leider oft raus höre ist, dass einige Leute fragen wieviel sie für ein Shooting verlangen sollen um zu “überleben”. Ich glaube das ist der falsche Ansatz, ich würde es einfach so wie oben kalkulieren und dann den Betrag verdoppeln. Der Grund dafür ist ganz einfach 1. Es dauert immer länger als man denkt 2. Billiges Angebot lässt Kunden denken das er billige Ergebnisse bekommt.

    Das ist meine Theorie und ich glaube die ist auch praktikabel, wahrscheinlich wird man auch einige Kunden damit nicht bekommen, aber das sind dann eh die Pfennigfuchser die nur nach Schnäpchen suchen. Diese erweisen sich meist auch als die schwierigen Kunden.

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