Nutzung von Fotos aus Kundenaufträgen für eigenes Portfolio

Nutzung von Fotos aus Kundenaufträgen für eigenes Portfolio


Jeder Fotograf hat ein großes Interesse daran, dass das eigene Portfolio die Qualitäten als Fotograf möglichst gut darstellt. Daher möchte er natürlich auch Fotos aus interessanten Kundenaufträgen dort zeigen. Die Frage ist: Darf man das so ohne weiteres?

In diesem Zusammenhang fragt mich Andrea W.:

Seit kurzem bin ich nun im Nebenberuf selbstständig und frage mich, wie es mit der Nutzung von Bildern aus Kundenaufträgen für das eigene Portfolio aussieht?
Ich habe z.B. Bilder von einer Praxis gemacht … auch von den Mitarbeitern bei der Arbeit. Die Bilder werden vom Kunden für die eigene Homepage genutzt.
Nun die Frage: darf ich die Bilder auf meiner Homepage als Referenz verwenden?
Und gibt es für die Nutzungsbedingen vorgefertigte Texte, die ich in den Vertrag mitaufnehmen könnte?
Danke für ihre Bemühungen.

Die rechtliche Sicht

Ich kann hier nur meine persönliche Sicht als Fotograf schildern, da ich kein Rechtsanwalt bin. Im Zweifel rate ich dazu, einen spezialisierten Anwalt zu befragen.

Als Denkanstöße aber zumindestens soviel:

  • Wenn Du keine Bildfreigabe des Menschen vor der Kamera hast, darfst Du das Foto nicht veröffentlichen oder für eigene Werbezwecke einsetzen.
  • Wenn Du einem Kunden exklusive Nutzungsrechte verkauft hast, darfst Du das Foto nicht anderweitig verwenden, auch nicht für das eigene Portfolio.

Um sich rechtlich abzusichern empfehle ich die Musterverträge vom BFF.

Die Praxis bei Privatkunden

Ich habe erlebt, dass sich Kunden bitter beschwert haben, dass ein anderer Fotograf ohne zu fragen ihre Hochzeitsfotos in seinem Schaufenster ausgestellt hat. Das ist in meinen Augen ein sicherer Weg, sich als Fotograf seinen Ruf zu ruinieren.

Wenn ein Kunde zu privaten Fotos in mein Fotostudio kommt, muss er davon ausgehen können, dass seine Fotos absolut vertraulich behandelt werden. Nur wenn er mir seine ausdrückliche schriftliche Einverständniserklärung gibt, kann ich diese Fotos öffentlich zeigen.

Die Praxis bei Firmenkunden

Auch bei Firmenkunden ist erst einmal Vertraulichkeit angesagt. Ein Modelabel will zum Beispiel nicht, dass die Fotos der neuen Kollektion bereits vorab im Netz kursieren, das ist nachvollziehbar. Ich habe sogar einmal erlebt, dass ein noch geheimes Trikot eines Sportartikelhersteller mit schwarzem Filzstift markiert wurde, um eine Vorabveröffentlichung zu erschweren.

Sind dann aber erst einmal Prospekte gedruckt,  Anzeigen geschaltet oder ist eine Website veröffentlicht, werden die meisten Firmen nichts dagegen haben, wenn man einen Kontaktabzug davon in das eigene Portfolio aufnimmt.

Mein Rat

Ganz unabhängig von der rechtlichen Situation:

  • Es ist in meinen Augen eine gute Idee, sich in die Lage des Kunden zu versetzen: Welche Erwartungen hätte ich, wenn ich auf der anderen Seite des Tisches sitzen würde?
  • Was spricht dagegen, den Kunden zu fragen, ob man die Fotos zur Eigenwerbung benutzen kann? In vielen Fällen wird er diesem Wunsch gerne entsprechen, weil es ja unter Umständen auch Werbung für ihn sein kann.

Und wenn er ablehnt: Dann ist das eben so. Schade, aber nicht zu ändern.

Aber falls es Dich beruhigt: Mir geht es oft so, dass mir das Herz blutet, dass ich bestimmte Fotos nicht öffentlich zeigen und in mein Portfolio aufnehmen darf. Aber wenn ich für das Shooting gut bezahlt worden bin, dann ist das ja auch in Ordnung.

Du hast auch eine Frage? Hier kannst Du sie stellen.

Ich arbeite als Portrait-Fotograf und führe ein Fotostudio in Heidelberg. Außerdem biete ich Coachings und Trainings zu den Themen Fotografen-Marketing und Photobusiness an.

10 comments

  1. Frank

    Wir sind ein Startup und stehen aktuell recht häufig vor diesem Problem. Ohne Referenzen ist es schwer, da bieten sich natürlich Bilder eines Auftrags an. Wir sagen das aber eigentlich im Vorfeld bereits und im Vertrag steht es ebenfalls. Sollte reichen oder? :)

  2. Karsten Socher / KS-Fotografie.net

    Für Privatkunden haben ich mir da einfach ein Preismodel zu recht gelegt. Erlaubt mir der Kunde, dass ich die Bilder auf meiner Seite, in der Mappe, in einem Album, im Blog und den gängigen Social Network zeigen darf, erhält er zehn Prozent Rabatt auf den Grundpreis. Kommt gut an bei Hochzeiten und Portraitaufnahmen.

    Ich kenne auch Fotografen, die haben für Kunden exklusiv Aufnahmen angefertigt und haben dann die Rechte zurückgekauft um diese in einem anderen System im Sinne des Kunden zu vermarkten.

  3. Frank

    Bleibt die Frage…wer liest sich die AGBs schon genau durch? Ich als Kunde würde mir ziemlich überrumpelt vokommen wenn meine Bilder in einem Portfolio auftauchen und es auf Nachfrage hin nur heissen würde. Steht doch in den AGBs. Pech gehabt ;)

  4. Beate Knappe

    Mhm, kann ja sein, doch, ich habe ein Portraitstudio für den privaten Kunden. Ich kann nicht jedem Kunden einen Modell-Vertrag vorlegen und brauche aber Arbeitsproben.

    Sollte ich jedoch ein Foto auf meine Homepage verwenden dann informiere ich zuvor und biete einen Abzug als Honorar an. Die meisten meiner Kunden fühlen sich geehrt.

    Ich verwende natürlich nur solche Fotos, die nicht zu intim sind, doch mir ist es auch schon passiert das ein Elternpaar das Portrait mit ihrem Neugeborenen “intim” fanden. Das habe ich als Kompliment meiner Arbeit genommen.

    Wenn ein Kunde jedoch zum Termin äußert das er nicht möchte, dass ich mir sein Foto in mein Studio hänge, dann repektiere ich dies.

  5. Karsten Socher

    Ich glaube, Mike Larson hat so was in seinen Bedingungen stehen. Wer damit nicht einverstanden ist, dass er die Aufnahmen als Referenzen verwenden darf, bezahlt mehr. Ist also auch ähnlich den AGB, nur dass er einen Vertrag macht. Was spricht dagegen, einen kurzen Auftrag zu schreiben wie in der Werkstatt und unterschreiben zu lassen. Bei Hochzeiten mache dies nur.

  6. Beate Knappe

    Das finde ich eine Güte Idee.
    Ich lasse mir von den Kunden auch etwas ausfüllen und da wäre es ja ein leichtes dieses Passus aufzunehmen, ich denke mal drüber nach, und, wenn der Kunde einverstanden ist, Dan zählten etwas weniger, das wäre doch ein guter Anreitz für ihn ja anzukreuzen.

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