Mini-Blitzanlage für mobile Fotografen


Der Weg ist der Weg zum Ziel

In früheren Zeiten wäre man jetzt zum Fachhändler seines Vertrauens gegangen, hätte sich (möglichst lange) mit dem Berater unterhalten und wäre dann mit einer Multiblitz-Anlage, einem Elinchrom-Set oder einem Profoto-Porty wieder nach Hause gegangen. Das geht schnell und führt zu Ergebnissen.

Heute stürzt man sich erst einmal in eine weltweite Marktanalyse. Das geht nicht schnell und führt zu keinen Ergebnissen.

Man ersäuft in Datenmaterial, in PDF-Prospekten, Geräteübersichten, Zubehörlisten und offenen Fragen.

  • Was geht mit wem und welcher Adapter lässt sich womit verbinden?
  • Welche Leistungsdaten sind wirklich wichtig?
  • Welche Blitzformer lassen sich woran adaptieren?
  • Wie arbeiten Profis in der Praxis?
  • Sind 400 Ws eigentlich viel oder wenig?
  • Braucht man tatsächlich 1200 Ws-Köpfe?
  • Wieviele Köpfe will ich eigentlich?
  • Wieviele Generatoren brauche ich?
  • Reichen symmetrische oder müssen es asymmetrische sein?
  • Wie fühlen sich die Teile an?
  • Wie schwer sind die Geräte, wie flexibel die Kabel, wie handlich ist das ganze?
  • Wie groß müssen die Koffer sein, um das alles zu verstauen?
  • Und: was kostet das?
  • Wo bekommt man es?
  • Wo kann man die Dinger mal in die Hand nehmen?

Die wunderbare Internetwelt erweist sich nicht selten als eine Halde voller Datenmüll: Man hat so vieles gesehen, dass man es schon gar nicht mehr einsortieren kann. Die Eckdaten, Werte und Techniken sind so vielfältig, dass sich kein wirkliches Bild herauskristallisiert bzw. dass man die Vielzahl der Informationen einfach nicht mehr im Überblick hat. Diese Phase der Recherche hat, ungelogen, bestimmt 3 oder 4 Wochen gedauert.

Zwischendurch war ich dann doch mal beim Händler und habe mir ein Multiblitzkopf oder ein Elinchrom-Porty angeschaut. Und das war durchaus erhellend, denn es zeigt sich, dass die vermeintlich handlichen Geräte doch ganz schön groß und schwer sind und dass man für eine größere Anlage mit 2-3 Köpfen erhebliche Mengen Material schleppen und verstauen muss. Wo bleibt da der Traum vom Fliegen? Vom Lichtstudio im Handgepäck? Das war doch der Ausgangspunkt: es sollte eine Anlage sein wie für mich und meine Form der Fotografie geschaffen. Ganz klein. Ganz smart. Und trotzdem mit richtig Bums drin.

Die Spreu vom Weizen

Aber bei all diesen Abenden am Rechner, die ich in den Weiten des Internet zugebracht habe, tauchten dann eben doch einige Fundstücke auf, die bereichernd waren und der Recherche eine ganz neue Wendung gegeben haben. Produkte bisher unbekannter Provenienz und vor allem Produkte, die eine ganz eigene Klasse darstellen. Kein klassischer Kompaktblitz mit Stromanschluss. Kein fetter Generator + dicke Kabel + externe Blitzköpfe. Kein Porty-Generator + dicke Kabel + kleine Blitzköpfe. Sondern etwas neues, eine eigene Gattung sozusagen.

Ich nenne sie Mini-Porty. Der erste Treffer war Quantum. Die kannte ich bisher nur von ihren Akkus, als Ergänzung zu Systemblitzgeräten. Aber die bauen auch richtige kleine Blitzanlagen. Und als ich das herausgefunden habe, tauchten auch schnell die Mitbewerber dieser Klasse auf: Lumedyne, Norman, Dyna-Lite oder Alien Bees . Alles amerikanische Hersteller. Und alle hierzulande nicht sehr bekannt und sträflich unterrepräsentiert.

Nochmal Bingo! Was zeichnet diese Hersteller aus? Ihre Generatoren sind extrem klein und doch so leistungsstark, dass sie in die gleiche Klasse wie “richtige” Blitzanlagen gehören. Ihre Blitzköpfe sind winzig und bieten dennoch Leistung satt. Sie haben ein richtiges Bajonett, dass die Adaption von professionellen Lichtformern erlaubt. Sie können über relativ dünne Kabel mit den Generatoren verbunden werden. Mit anderen Worten: maximale Flexibilität bei hoher Leistung und äußerst kleiner Bauform.

Dies ist ein Artikel von Christian Ahrens

* 1964. Lebt und arbeitet als Berufsfotograf in Köln. Schwerpunkte sind die Themen Business, Industrie, Technologie, Arbeit. Überwiegend ist Christian Ahrens für Unternehmen oder Werbe- und PR-Agenturen tätig. Seit 2010 betreibt er zusammen mit der Fotografin Silvia Steinbach die Unternehmung "Ahrens+Steinbach Projekte – Zukunft fotografieren". Im Rahmen dieser Tätigkeit entstehen bildbasierte Projekte wie Ausstellungen und Bilddatenbanken zu Zukunfts-Themen und Zukunfts-Technologien. Ahrens+Steinbach werden von der Hamburger Fotorepräsentanz "fotogloria" international vertreten.

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Kommentare

2 Kommentare zu “Mini-Blitzanlage für mobile Fotografen”
  1. Ein brilliant geschriebener Artikel, sprachlich und inhaltlich. Sehr viel Information und Klarheit pro Zeile. So geschrieben würde ich sogar Themen lesen, die mich eigentlich nicht interessieren – wobei mich dieses Thema sehr interessiert. Vielen Dank und gerne mehr davon!

  2. Martin Hartmann sagt:

    Hervorragender Artikel, klasse geschrieben und vor allem viiiieeellll Information. Dankeschön!

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