Mini-Blitzanlage für mobile Fotografen


Moment mal. Ein Berufsfotograf ohne Blitzanlage? Wie das? Geht das überhaupt? Berechtigter Einwand, und es geht eigentlich nicht. Und ich hatte ja auch eine. Möchte allerdings nicht näher darauf eingehen. Ich hatte und habe drei so genannte Kompaktblitzgeräte – groß, unelegant und überhaupt nicht kompakt. Ich nenne sie meine Chinakracher. Nichts gegen die Geräte! Sie funktionieren und haben mich nie im Stich gelassen. Ich habe sie auf den Boden fallen lassen, und sie funktionieren immer noch. Ich lasse sie manchmal im Auto und sie werden trotzdem nicht geklaut. Ich habe mit den Geräten sogar gutes Geld verdient, bei einem Volumenauftrag für Kunstreproduktionen. Aber ich mag sie nicht besonders. Es sind keine Werkzeuge, die perfekt in der Hand liegen. Ich habe keine emotionale Beziehung zu diesen Teilen, einfach, weil sie nicht auf meine Aufgaben angepasst sind, weil sie nicht mit Liebe ausgesucht wurden und weil sie auch nicht mit Liebe gebaut wurden. Die gibt es und sie funktionieren. Das finde ich gut. Und das ist aber auch schon alles.

Kleiner Exkurs

Bei jedem Job habe ich ein Swisstool von Victorinox (Amazon-Link) in der Tasche. Kennt ihr diese Geräte? Schweizer Taschenmesser in XXL mit Dutzenden von Tools und Funktionen. Perfekte Qualität, brillant konzipiert und als Lebensretter in diversen Situationen unverzichtbar. Fühle mich absolut unwohl, wenn das Teil nicht mit auf dem Job ist. Ein Werkzeug eben. Ein Werkzeug, dem man sich anvertraut und womit man im Gebrauch verschmelzen kann.


Foto: Christian Ahrens

Das sind meine Chinakracher nicht. Außer bei Studiojobs und bei den Reproduktionen habe ich sie deshalb auch kaum je eingesetzt, sondern mit den (entfesselten) Canon-Systemblitzen gearbeitet. Und die wollte ich jetzt durch “richtige” Technik ersetzen. Durch kraftvolles und emotionales Licht. Durch maximale Kompatibilität und Flexibilität bei starker Lichtleistung. Und mit allen Möglichkeiten professionellen Lichtformens.

Sehr passend für einen Fotografen: ich hatte ein Bild von dem, was ich wollte. Und ein Gefühl von dem, wie es sein sollte. Aber keinen Namen und kein Produkt und auch keine Bezugsquelle. Dennoch das Gefühl, dass es eilig ist. An anderer Stelle auf dieser Seite habe ich über Timing geschrieben. Über das Gefühl, wann ein Thema reif ist. In Sachen Licht war es überreif.

Dies ist ein Artikel von Christian Ahrens

* 1964. Lebt und arbeitet als Berufsfotograf in Köln. Schwerpunkte sind die Themen Business, Industrie, Technologie, Arbeit. Überwiegend ist Christian Ahrens für Unternehmen oder Werbe- und PR-Agenturen tätig. Seit 2010 betreibt er zusammen mit der Fotografin Silvia Steinbach die Unternehmung "Ahrens+Steinbach Projekte – Zukunft fotografieren". Im Rahmen dieser Tätigkeit entstehen bildbasierte Projekte wie Ausstellungen und Bilddatenbanken zu Zukunfts-Themen und Zukunfts-Technologien. Ahrens+Steinbach werden von der Hamburger Fotorepräsentanz "fotogloria" international vertreten.

Nächste Seite







Kommentare

2 Kommentare zu “Mini-Blitzanlage für mobile Fotografen”
  1. Ein brilliant geschriebener Artikel, sprachlich und inhaltlich. Sehr viel Information und Klarheit pro Zeile. So geschrieben würde ich sogar Themen lesen, die mich eigentlich nicht interessieren – wobei mich dieses Thema sehr interessiert. Vielen Dank und gerne mehr davon!

  2. Martin Hartmann sagt:

    Hervorragender Artikel, klasse geschrieben und vor allem viiiieeellll Information. Dankeschön!

Bitte gib Deinen Kommentar ab