Druckkostenzuschuss, der richtige Weg zum eigenen Fotobildband?


“Ist es nicht der Traum eines jeden Fotografen, seine besten Bilder in einem exklusiven Fotobildband zu veröffentlichen ?”

so bewirbt ein deutscher Verlag sein Angebot an Amateurfotografen und legt als Themenbereiche fest:

“Natur. Tiere. Landschaft. Länder. Reise.”

Zu diesen Themen hat fast jeder Amateurfotograf einmalig schöne Fotos in der Schublade liegen und er hat aus dem Freundeskreis schon häufig gehört: “Die Fotos sind ja super, Du könntest glatt ein Buch damit herausgeben”.

Und nun kommt da also ein Verlag und sucht genau diese Fotos. Bingo! Endlich erfolgt die längst verdiente Anerkennung und vielleicht kann man sogar ein paar Euro als Honorar bekommen.

Der Musterbildband des Verlags ist liebevoll editiert, mit passenden Texten versehen und hochwertig mit einem in Raubtierdekor gehaltenen Einband versehen. Und die enthaltenen Fotos sind wirklich gut.

Was hält den hoffnungsvollen Fotografen also davon ab, gleich seine besten Fotos zusammenzusuchen und an den Verlag einzusenden?

Gut, der Verlag erwartet einen Druckkostenzuschuss in Höhe von 2.500 – 4.500 Euro. Aber dafür ist der Fotograf ja auch an den Einnahmen beteiligt.

Aber Moment: Besteht überhaupt eine Chance, dass das Geld wieder herein kommt?

Es darf vermutet werden, dass das Risiko auf Seiten des Verlags relativ gering ist: Er druckt erst, wenn genügend Fotografen auf das Angebot eingestiegen sind und hat damit seine Unkosten wahrscheinlich bereits weitgehend gedeckt. Voraussichtlich wird er auch den späteren Verkauf fördern, weil er daran mitverdient. Das Risiko ist aber dennoch relativ einseitig verteilt.

Also noch einmal genau hingeschaut, was bekommt der Fotograf für seine Investition? Die Möglichkeit, 10 bis 20 Bilder zum Bildband beizusteuern und kostenfrei 10 bis 20 Referenzexemplare. Dazu die ungewisse Aussicht, an einem eventuellen Verkaufserlös teilzuhaben.

Mein Rat an alle Fotografen, die erwägen, auf ein solches Angebot einzugehen: Das investierte Geld sollte man als Kosten dafür abschreiben, dass man sich damit schmücken kann, in einem exklusiven Bildband, der auch im Buchhandel erhältlich ist, vertreten zu sein. Das stellt ja auch einen gewissen Wert und Imagegewinn dar. Dass man die Investition aber zurück bekommt und man eventuell sogar einen Verkaufserlös erzielt, sollte besser nicht erwartet werden.

Das Rezensionsexemplar des Bildbands habe ich an den Verlag zurück geschickt. Eine URL gebe ich bewusst nicht an.

Ich arbeite als Fotograf und führe ein Fotostudio in Heidelberg. Mein Schwerpunkt ist die Portraitfotografie.
Außerdem biete ich Coachings und Trainings zu den Themen Orientierung, Marketing, Kundengewinnung und Betriebswirtschaft für Fotografen an.

11 comments

  1. Carsten

    Die meisten Verlage, die auf Basis von Druckkostenzuschüssen arbeiten, sehen aus meiner Sicht nicht das Verlagsgeschäft im Sinne einer Vermarktung von Büchern als Geschäftsmodell an, sondern die Druckkostenzuschüsse selbst. Bis auf den wissenschaftlichen Bereich, in dem sowieso keine hohen Auflagen erzielt werden, ist das eher als unseriös zu bezeichnen. Entsprechendes kann man ja in Wikipedia und anderen Stellen nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Zuschussverlag

  2. Sam

    Mein Traum wär das nicht. So klein, und zwischen so vielen anderen Bildern.

    Aber vor allem der Preis: dafür leg ich mir lieber was eigenes auf, für den Preis bekomm ich zB schon eine anständige Auflage an Kalendern in einem Sonderformat.

  3. Teatime

    Ein Verlag hat einen Wettbewerb ausgeschrieben. Dort soll man sein Buchkonzept vorstellen und wenn es den Wettbewerb gewinnt, wird das Buch in einer Auflage gedruckt. In den Teilnehmabedingungen steht sinngemäß “Dem Sieger stehet keinerlei Beteiligung am fertigen Produkt zu.”
    Also die Produzieren das Buch, sorgen für den Vertrieb usw. Aber wenn der Bildband (was zugegeben ja unwahrscheinlich ist) ein Renner wird, schaut der Fotograf in die Röhre. Tenor der Antwort war übrigens: “Wir machen da keinen Gewinn.” – Ja, nee, is klar, oder? Warum macht man sowas?

    Fürs Ego mag das ja gut sein – aber sonst?

  4. Andreas

    Ein Druckkosten-”Zuschuss” von ab 2.500 Euro? Sagen wir 3.500 Euro. Davon kaufe ich mir eine Profi-Fotoausrüstung und schicke die Fotos wiederum an den Verlag, der die dan veröffentlicht, aber ohne Druckkostenzuschuss. (Soweit der Plan). Wieviele Fotobildbände man sich außerdem bei dieser Kohle selbst drucken lassen könnte? (Ok, Vertrieb ist ja nicht dabei usw., aber hey, 3.500 Euro!).

  5. Karsten Socher / KS-Fotografie.net

    Offen und ehrlich:
    Auf der Photokina hatte sich eine Druckerei vorgestellt mit einem vernüntigeren System. Man geht, entwirft ein Buch, lässt es in der gewünschten Auflage drucken, bezahlt die Druckkosten und kann auf Wunsch auf seiner Seite ein Tool für die Vermarktung einbauen. Dann wird nur noch auf Bestellung gedruckt. Ab Auflage 1. ideal auch für Hochzeitsbücher. Da würde ich als kleiner Fotograf oder Anfänger ehr mein Geld reinstecken und habe was zum vorzeigen, als so was zu machen.

  6. Volker

    Hallo,

    jener besagte Verlag hatte mir auch eine Mail geschickt. Beim groben Überfliegen der Mail, denke ich mir – ogh das hört sich ja ganz interessant an.

    Dann habe ich mal näher gelesen, kam zu der Stelle mit dem Druckkostenzuschuss und denke mir, dass das Ganze ein schönes Geschäftsmodell ist – für den Verlag.

    Ich habe die Mail gespeichert – im Spam-Ordner- und kurz danach gelöscht. Ich glaube mal, das ist der richtige Weg.

    Gruß
    Volker

  7. Ulrich Brodde

    Schade, dass ich diesen Artikel erst jetzt entdecke.
    Bei der Recherche zur Veröffentlichung meines Bildbandes im Jahre 2010 bin ich ebenfalls auf diesen Verlag gestoßen. Nach einer ausführlichen und kompetenten telefonischen Beratung habe ich mit dem Verlag zusammengearbeitet. Allerdings hat nicht der Verlag sondern ich selber das Buch verlegt. Der Verlag hat (natürlich gegen Bezahlung) layout, Druckvorbereitung, notwendige Bildbearbeitung, Druckkontrolle, Hilfe beim Vertrieb, Hilfe bei den notwendigen Anmeldungen wegen ISBN etc., Lieferung, Vertrieb bei Amazon, Vertrieb über den Verlags-onlineshop und noch einige Dinge mehr erledigt. Zu einem absolut fairen Preis, sehr seriös, zuverlässig und bis heute (der Vertrieb läuft noch) zur vollsten Zufriedenheit.
    Ratschlägen, denen ich nicht gefolgt bin, haben sich im nachhinein als richtig erwiesen.
    Einige Fotografen, die sich an den Gemeinschafts-Bildbänden beteiligten habe ich gesprochen und alle äußerten sich sehr zufrieden. Der Verlag und die mit ihm zusammenarbeitende Druckerei gewinnt regelmäßig internationale Preise für Druckausführungen etc., er engagiert sich sehr stark im Artenschutz und es ist bedauerlich, dass sich sowohl Michael als auch die Kommentatoren hier so negativ äußern ohne je wirklich mit dem Verlag zusammengearbeitet zu haben.


  8. Author
    Michael Omori Kirchner

    Danke für Deinen Erfahrungsbericht, Ulrich.

    Wenn Du und andere Autoren zufrieden sind, ist das schon einmal ein gutes Zeichen.

    Trotzdem wird die Frage erlaubt sein, ob sich ein solcher Verlag vor allem von den Einnahmen, die er von den Autoren bekommt, oder von einem späteren Buchverkauf finanziert. Ich vermute eher ersteres, auch wenn das aus den Verkaufsprospekten oft nicht so deutlich herauszulesen ist.

    Viele Grüße
    Michael

  9. Sam

    Seitdem dieser Eintrag geschrieben wurde, habe ich selber ein Buch layoutet, drucken lassen und verlegt und hab daher inzwischen eine Vorstellung, was da auf einen zukommt. War sehr interessant, ich möchte all die Erfahrungen nicht missen, aber werde für die nächste Auflage und auch für mein zweites Buch wahrscheinlich all diesen leidigen Kram an genau so einen Druckkostenzuschussverlag outsourcen.
    Selbst für mein kleines Lightroom-Buch wird allein der Druck einer Auflage von 500 Stück ca. €4000 kosten und ich kann schon verstehen, dass kaum ein Verlag sich dieses Risiko alleine antut. Es braucht bei einem nicht übertriebenen Endpreis wegen der Handling-Kosten und Großhandelsrabatte schon fast 350 verkaufte Bücher, um die Druckkosten wieder reinzuholen. Da muss man schon selber sehr überzeugt sein, um dieses Risiko einzugehen.
    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man das auch alles selber machen kann. Aber das ist halt Arbeit und kostet Zeit. Und da kann es sinnvoller sein, diese Sachen gegen Geld auszulagern.

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