Food-Fotograf mit Schleuderpreisen gesucht

Aus dem Fotografr-Forum (2010).


Jan

Heute bekam ich anonym folgende Anfrage

Zitat Anfang ———————————————–

ich bin auf der Suche nach einem guten, aber günstigen
Food-Fotografen. Da eine große Strecke im Rahmen einer
Existenzgründung fotografiert werden soll, müssen “unkonventionelle
Wege” beschritten werden, sprich: Auch wenn klassische, auf
Food-Fotografie spezialisierte Studios mir bei den Kosten
entgegenkommen, ist dies aufgrund der Vielzahl der Fotos (ca. 50) und
der Wirtschaftlichkeit am Anfang der Selbständigkeit noch nicht
darstellbar.

Kennt vielleicht jemand eine Börse im Internet, eine Fachzeitschrift,
eine Fotografen-Schule/Studium oder ähnliches, über den ich einen
talentierten Fotografen finden kann (vielleicht auch noch mit weniger
Erfahrung aber Passion und niedrigeren Tagessätzen)?

Zitat Ende —————————————–

Besonders bemerkenswert finde ich den Passus “selbst wenn man mir bei den Kosten entgegen kommt, möchte ich keine angemessenen Preise zahlen” (freie Übersetzung von mir)

Und auch das Argument mit der beginnenden Selbständigkeit habe ich schon zu oft gehört.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber mich machen solche Anfragen stink wütend.



Christian Ahrens

Hallo,

ich denke, es kommt immer auf den Kontext an. Erstmal müsste man klären, ob da wirklich jemand am Beginn einer Geschäftsgründung steht und wer das ist und was er vor hat. Es ist ja ein Unterschied, ob das ein Gastronom ist, der einfach nur ein paar gute Fotos für die website haben will oder eine andere Art von Business. Insofern ist der “unkonventionelle Weg” vielleicht nicht nur Ausrede, sondern ein echter Zwang.

Hat nicht jeder von uns zu Ausbildungs-/Studienzeiten Dinge gemacht, für wenig Geld, für die andernorts gestandene Professionals gutes Geld verlangen? Also, ich schon. Macht man wirklich damit einen ganzen Markt kaputt? Ich glaube nicht. Natürlich verfügen heute viele Leute über die nötigen Produktionsmittel, um ein “bißchen Food” zu fotografieren. Aber um “richtig fett” food zu fotografieren, nicht. Und wenn dieser Kunde sich mit weniger zufrieden geben würde als es ein prof. Studio bieten kann, dann finde ich eigentlich, dass irgendein Student damit durchaus einen schönen Job machen soll und sich seine erste Mittelformat damit verdient (analog, natürlich….).

Ich denke, man muss die Dinge differenziert betrachten, natürlich haben sich die Märkte verändert und verändern sich täglich. Es gibt negative, aber auch sehr viele positive Entwicklungen. Meinen ersten Profi-Job habe ich auch zu billig angeboten und ein erfahrener Berufsfotograf hätte sicherlich noch bessere Bilder gemacht. So ist das nunmal. Zum Glück ist der Markt sehr groß.

VG
Christian

http://www.christianahrens.de


Omori

Ich denke, jeder Fotograf lässt mit sich reden, wenn es um eine interessante Herausforderung oder einen Kunden mit wenig Budget geht. Allerdings handhabe ich das dann eher nach dem Motto: Reduzierte Leistung zu reduziertem Honorar. Oder man vereinbart ein Kompensationsgeschäft.

Einfach nur die Preise zu senken, weil jemand Existenzgründer ist, ist für mich kein Argument. Wenn jemand mit meinen Bildern Geld verdienen will, soll er auch angemessen dafür zahlen. Ich lasse mich ungerne ausnutzen.

Gerade erst habe die Anfrage einer Existenzgründerin abgelehnt, der sogar 120 Euro für ein Imagefoto zu viel Geld waren (on location, entsprechende Requisiten mussten auch noch besorgt werden, inkl. Bildrechte).

Den Auftrag hat dann ein Mitbewerber übernommen. Wenige Wochen später habe ich das Foto auf einer halbseitigen vierfarbigen Anzeige in unserer Stadt-Illustrierten entdeckt. Die “Existenzgründerin” präsentierte sich dort als Premium-Anbieter in ihrem Bereich und machte nicht den Eindruck, dass sie selber für einen Betrag von nur 120 Euro zu buchen wäre.

Jan, bei Deinem aktuellen Fall würde ich mir die Frage stellen: Warum müssen es denn 50 Bilder sein, tun es 10 nicht auch? Wer kein entsprechendes Geld hat, muss seine eigenen Ansprüche eben reduzieren.

Gruß Omori


ECoelfen

Hallöchen zusammen,

also wenn es um Nudelsalate ging, dann hat es der Betreffende bei mir auch schon versucht.

VG

Elisabeth


arbeer

In der Kategorie “Anfragen, die betroffen machen” habe ich noch einen unschlagbaren Brüller zu bieten:

Ein Direktor braucht neue Bilder von seinem Betrieb und seinen Mitarbeitern. Ein Fotograf hat ihm einen Kostenvoranschlag von so ungefähr 1,2 kEuro gemacht. Das war wohl zu teuer. Deshalb fragte er mich, ob ich das nicht machen könnte. Preisvorstellung: zwei Gutscheine für ein Sonntags-Brunch.



mave

Hi,
es gibt doch genug Datenbanken im microstockbereich.
Ich würde in einem solchen Fall persönlich DARAUF hinweisen.

VG Marlies

Ich arbeite als Portrait-Fotograf und führe ein Fotostudio in Heidelberg. Außerdem biete ich Coachings und Trainings zu den Themen Fotografen-Marketing und Photobusiness an.

11 comments

  1. Sebastian

    Ich lach mich weg. Ich fotografier ja nur zum Spaß. Trotzdem finde ich es spannend dieses Business mit zu verfolgen.

    Den mit den Gutscheinen für nen Brunch find ich am besten!

  2. Bianca Bender

    @arbeer: DAS schlägt dem Fass wirklich den Boden aus……. Unfassbar!

  3. Stefan Schaal

    Ich sehe das ähnlich. Als Existenzgründer muß man einen Business-Plan machen, der alle für die Gründung notwendigen Posten realistisch berücksichtigt. Das habe ich auch gemacht. Wenn der Posten Marketingaufwände falsch geplant war muss man entweder aus anderen Budgets umschichten oder überlegen sich zunächst mit weniger in dem Fall z.B. 10 Motiven zufrieden geben und die anderen Bilder dann machen lassen, wenn man entsprechende Einnahmen hat.

    Der Dumping-Versuch ist natürlich naheliegend und ich finde es auch fair, wenn ein Student der keine laufenden Kosten für Studio, Abschreibungen etc. hat den Job macht . Wenn wir aber hier mit den Preisen nachgeben, können wir bald alle unsere Geschäfte zumachen. Unsere Kunden tun das ja auch nicht (siehe Omoris Beispiel). Das ist klassisches Ausnutzen und Selbstoptimieren auf Kosten Anderer. Das bringt mich auch auf die Plame.

    VG
    Stefan

  4. Patrick

    Moin,
    wenn der Existenzgründer nicht einmal bereit ist, ein entgegenkommendes Angebot eines Fotografen anzunehmen, wird er – so hoffe ich – auch kenen professionellen Fotografen finden, der den Job erledigt. Jede Arbeit hat ihren Preis. Ich kann aus langjähriger beruflicher Erfahrung nur bestätigen: Wer die Gründungskosten schon nicht aufbringen kann, wird in aller Regel auch kein erfolgreiches Unternehmen führen können. EIn tragfähiges Unternehmenskonzept findet auch Geldgeber.
    Gruß, Patrick

  5. Frank

    Lustig…ich kann hier nur aus dem Webentwicklerbereich sprechen….aber hier gibt es auch gelegentlich solche Anfragen.

    Seit dem ich die Preise unserer Agentur angehoben habe, kommen wesentlich weniger Anfragen auf Nachlass. Seltsam!? :)
    Im Gegenteil..manchmal rufe ich Preise auf die wirklich ordentlich sind und ich mich frage…”ist das wirklich OK?”. Damit meine ich nicht das ich überteuerte Preise mache sondern ich wirklich meinen Aufwand ohne zugedrückte Augen verrechne…und keiner meckert. Das war komplett anders als ich sehr “kundenfreundlich” kalkuliert und gelegentlich zum Sonderpreis gearbeitet habe.

    Da wir uns aktuell auch im Bereich Businessfotos erweitern wollen, bin ich natürlich durch null Erfahrungen zum Preisgefüge totaler Beginner. Aber schön zu sehen das es auch hier versucht wird :)

    Eins sollte man hier aber nicht vergessen…jedes “Sonderangebot” macht unseren Markt kaputt. Wer Qualität will, muss diese auch bezahlen. Wenn das Ergebnis stimmt und der Kunde zufrieden ist wird er dem Geld nicht nachtrauern.

    greetz

  6. Didi Bachmann

    Geiz ist eben geil… ;) Ich reagiere auf solche Anfragen schon gar nicht mehr. Einfach “delete” drücken, wie bei Spam-Mails. Okay, zum Glück werde ich damit nicht allzu oft konfrontiert.
    Schöne Grüsse aus der Schweiz!

  7. Karsten Socher / KS-Fotografie.net

    Wenn ich anonyme Anfragen bekomme, weiß ich bereits im Vorfeld, dass sich das antworten nicht lohnt.

    Beispiel: ich bekomme bestimmt im Monat eine anonyme Anfrage nach Hochzeitsportraits und Hochzeitsreportagen. Wenn ich frei bin soll ich mich melden und die Preise nennen. Manchmal steht auch kein Termin dabei und es heißt, wir planen unsere Hochzeit. Keine Telefonnummer, allgemeine Anrede, vielleicht nicht noch mal ein Name unter der Mail. Für so was habe ich mittlerweile eine Standard-Antwort: “Sorry, Sie haben keine Kontaktdaten angegeben, Frei bin ich, Preise können aber erst nach einigen Rückfragen genau beantwortet werden. Teilen Sie mir ihre Nummer mit, ich melde mich dann bei Ihnen.” (Die Mail ist länger und freundlicher aber schon direkt). Antwort kommt in 99 % aller Fälle keine zurück.

    Ich vermute manchmal, das da irgendwelche Mitbewerber die Preise, die Leistungen checken wollen oder vielleicht Konkurrenten, die irgendwas suchen, um einen anzuschwärzen und loswerden wollen. Böses Mobbing unter Fotografen ist ja bekannt.

  8. Markus

    Sowas passiert täglich in vielen Bereichen. Nach dem Motto: Trag mal für nichts mein Risiko mit. Und weil ich noch nichts verdiene, brauchst du auch nichts verdienen. Beruhigend ist, dass Leute mit dieser Einstellung ohnehin früher oder später mit ihrer “Geschäftsidee” scheitern.

  9. Frank Fischer

    Hallo Zusammen,

    diese Anfragen kennt dioch jeder, sei es bei Fotoaufträgen, der Vermietung des Fotostudios oder was auch immer. Wichtig dabei ist es einfach den eigenen Wert zu kennen. Wenn man sich da Untergrenzen steckt kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

    Auf “Massenanfragen” reagiere ich nur noch mit dankender Ablehnung…

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