Welches Honorar ist für Businessfotos angemessen?
Aus dem Fotografr-Forum (2009 / 2010). Die Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der FOTOGRAFR-Redaktion wieder.
anpe61
Hallo,
bin noch nicht lange “im Geschäft”, habe bisher hauptsächlich in einem kleinen Studio normale Portraits für Endkunden etc. fotografiert. Habe jetzt eine Anfrage für Fotoaufnahmen von einer Firma erhalten. In meinem Studio, evtl. aber auch vor Ort sollen einzelne Personen für deren Interseite und Werbeflyer fotografiert werden. Wie berechnet ihr solche Aufnahmen, das normale Honorar z.B. wie für Bewerbungsfotos ist ja wohl etwas wenig?
Danke und lieben Gruß!
Andrea
Omori
Hallo Andrea,
ich schätze ab, wie viel Aufwand das insgesamt für mich bedeutet und setze dann meinen Tagessatz an. Ausführlich habe ich das hier beschrieben
http://www.fotografr.de/foto-business/auftragskalkulation-fur-fotografen/
Allgemein kann man sagen, dass man Aufträge für Business-Kunden höher kalkulieren muss als Aufträge für Privat-Kunden. Das liegt daran, dass Business-Kunden höhere Anforderungen haben.
Beispiele:
1. Business-Kunden erwarten im Normalfall, dass hochauflösende Originale mit ausgeliefert werden. Das ist bei Privat-Kunden nicht der Fall, dort kann man unter Umständen mit weiteren Abzügen zusätzliche Umsätze machen.
2. Business-Kunden erwarten häufig Briefing-Gespräche vor dem eigentlichen Shooting ohne zusätzliche Berechung. Auch diesen Aufwand muss man berücksichtigen.
3. Bei Business-Kunden ist eine Terminabsprache in der Regel schwieriger und es kommt häufiger zu kurzfristigen Terminverschiebungen. Auch das muss berücksichtigt werden.
4. Bei Business-Kunden gibt es oft mehrere Ansprechpartner, deren Wünsche berücksichtigt werden müssen.
Usw. usw.
Wenn Du einige Business-Kunden gehabt hast, wirst Du merken, dass dort der Aufwand und die Anforderungen höher sind. Aber das wird dann auch honoriert. Dort werden, wenn entsprechende Leistung geboten wird, Preise als normal angesehen, die bei Privatkunden nicht durchsetzbar wären.
Viel Erfolg
Omori
anpe61
Hallo Omori,
vielen Dank für die ausführliche Antwort! In meinem konkreten Fall würden die Mitarbeiter zu mir in mein Studio kommen, da die Firma in der Nachbarschaft angesiedelt ist. Vom Zeitaufwand her würde ich vielleicht pro Person ca. 30 Minuten einplanen. Im Unterschied dazu wünscht der Auftraggeber die digitalen Feindaten, u.a. für den Offsetdruck. Vielleicht kann mir ja doch jemand mit einer ca. Angabe in EUR weiterhelfen?
Alle guten Wünsche für das neue Jahr an das gesamte Forum!
MT
Hallo Andrea,
sind in den 30 Min. die Bildaufbereitung enthalten? Dann würde ich ca. 40 Euro netto pro Person ansetzen.
Gruß, Martin
Christian Ahrens
Hallo Andreo,
ich würde erst kalkulieren, wie hoch der Zeitaufwand insgesamt schätzungsweise ist. Wenn Du davon ausgehst, dass Du einen ganzen Tag beschäftigt sein wirst, würde ich auf Tagessatzbasis anbieten. Und das hieße: Nicht unter 1000 EUR + MWSt. Prinzipiell ist nach oben hin Luft, das hängt dann eben vom Verhandlungsgeschick / Standing usw. ab. Ich persönlich würde dem Kunden anbieten, das shooting vor Ort zu machen und mit einem mobilen Hintergrundsystem oder einem speziell eingerichteten Hintergrund o.ä. arbeiten. Das “kommt dem Kunden entgegen”, minimiert die Störungen im Betriebsablauf und ist einfach service-orientierter. Und interessanter. Aber das ist auch Geschmackssache.
VG
Christian
http://www.christianahrens.de
anpe61
Das ist doch mal eine Ansage
…
@ Martin: 40 EUR sind aber sehr eng kalkuliert, oder? Das nehme ich schon für normale Bewerbungsfotos.
Grüße und Danke für den Input!
Tunnelrat
Business Portraits für 40 EUR das Stück? Komisch das der Markt den Bach runter geht.
Für Standard-Portraits im Studio (oder Studio on-location) nehme ich 100,00 EUR und für jedes weitere Outfit der gleichen Person 50,00 EUR. Portraits on-location sind je nach Aufwand teurer. Maske ist immer optional gegen Aufpreis.
Zu meinem Standard-Paket gehört eine Nutzungsdauer von 3 Jahren für PR-Zwecke (keine Werbung) und die freie Weitergabe an die Presse zur aktuellen Berichterstattung.
Piertuch
Die Anfänger unter uns vergessen gerne, dass Steur, Steuerberater, Krankenversicherung, Rentenversichereung, sonstige Versicherungen wie Arbeitsunfähigkeit- Hafpflicht- etc zu zahlen sind. Dazu kommen noch Miete, Rücklagen für neue Ausrüstung, Fahr- und Vebrauchsmaterialkosten und und und….
Ich konnte am Anfang auch nicht glauben, dass nicht nur ich von meinen Kunden sondern vor allem “die Anderen” von mir Geld… jede Menge Geld haben wollen.
Gruß
peter
Tunnelrat
Piertuch, was berechnest Du denn für solche Business-Portraits?
Michi
Preisfindung …. extrem schwierig.
Business-Portraits habe ich schon für 600 Euro angeboten und den Zuschlag bekommen.
In einem anderen Fall habe ich für 50 Euro pro Person (bei 50 Personen) angeboten, und der Zuschlag bei meinem Mitbewerber fiel bei 18 Euro … und das inkl. Veröffentlichungsrechten!!
Christian R
Ich glaube auch nicht, dass man das so pauschal festlegen kann. Denn es macht auch einen Unterschied, in welcher Region man tätig ist. Hier im Rendsburger Raum, der ja eher ländlich geprägt ist, kann ich nicht solche Preise erzielen wie z.B. in Hamburg, Frankfurt, Berlin oder München, um mal einige Metropolen zu nennen. 50 Euro pro Person als einzelnes Portrait – das würde ich so nicht durchsetzen können.
Neulich fragte eine Dame telefonisch an, was Bewerbungsfotos kosten. Sie war bei einem Geschäft hier vor Ort und mit dem Ergebnis nicht wirklich zufrieden. Sie hatte da 10 Euro bezahlt, ich habe mal eben 30 angesetzt und hörte dann das Schlucken am anderen Ende der Leitung. Und ich fand das nicht wirklich überzogen, wenn ich mir überlege, was man auch in Hamburg für eine “Nicht-Serienproduktion” ausgeben muss.
Michi
Wobei man sich auch durchaus überlegen kann, ob man die Kunden, denen 30 Euro für ein Bewerbungsfoto zu viel sind, als Zielgruppe überhaupt ansprechen möchte …
Christian R
Nein, möchte man eigentlich nicht, ich weiß auch nicht, wie die Dame auf mich gekommen ist, da grübel ich immer noch drüber. Denn Bewerbungsfotos u.ä. biete ich nirgends an. Aber ich glaube, die Leute sehen dann nur “Foto” und rufen an
.
Tunnelrat
Spezialisierung ist der Schlüssel. Ich bediene überhaupt keine Privatkunden mehr. Zuviel Arbeit für zu wenig Geld. Ich mache ziemlich aggressives Marketing bei Unternehmenskunden, wo ich klar herausarbeite, dass ein Ich-Fotografiere-Alles Fotograf nicht die Leistung bringt, die ein Spezialist bringt.
Es gibt auch Low-Budget Unternehmenskunden. Davon lasse ich ebenfalls die Finger. Zu viel Theater (erfahrungsgemäßg) für wenig Geld. Und Christian, es geht hier ja auch um Fotos für Unternehmen. Private Kunden sind überall vergleichsweise billig.
Ich habe mir auch abgewöhnt, über meine Preise mit Kunden zu diskutieren. Das Angebot bleibt so, wie es ist. Das finden Firmen professionell – denn wenn der Fotograf plötzlich noch 400 EUR Rabatt gibt, weil danach gefragt wurde, fragt sich der Kunde (berechtigt), ob er da nicht über den Tisch gezogen werden sollte.
Wichtig sind auch krumme Preise. Also nicht 1.000 EUR pro Tag, sondern vielleicht 1024 EUR, oder so. Der Kunde erkennt, das die Preise modular sind und der Fotograf sich wirklich individuell Gedanken über das Shooting gemacht hat. Das schafft Vertrauen, denn die Unternehmen arbeiten selbst genauso.
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