Bilderklau und unberechtigte Bildnutzung feststellen

Das ist ein Gastartikel von Karsten Socher, Fotograf und Bildjournalist aus Kassel.

Wenn Bilder unerlaubt verwenden werden

anwaltNiemand ist begeistert, wenn er morgens vor die Tür tritt und feststellen muss, da wo eine leere Parklücke jetzt ist, da stand gestern abend noch sein Wagen.

Genauso ist kein Fotograf begeistert, wenn er entdeckt, dass seine Aufnahmen ungefragt benutzt wurden. Aber was machen, welche Rechte hat ein Fotograf? Soll man das tolerieren und sich geschmeichelt fühlen oder gleich die Rechtsanwälte anrufen? Oder was noch schlimmer ist, wie kann ich die Benutzung mitbekommen?

Im folgenden Artikel will die Möglichkeiten und Vorgehensweisen beschreiben, weise aber im Vorfeld daraufhin, dass dies keine Rechtsbelehrung ist. Ich bin kein Fachanwalt, sondern nur Fotograf, der seine Ansprüche geltend macht und seine eigene Vorgehensweise hat. Deshalb im Zweifel bitte immer einen Fachanwalt oder die Rechtsberater von Fotografenvertretungen wie Freelens oder vom DJV (Deutscher Journalistenverband) um Rat fragen.

Für eventuelle Fehler, die mir beim Erstellen des Artikels entstanden sind, kann ich also keine Haftung übernehmen. Das sollte man auch immer beachten, wenn man in Foren seine Rechtsfragen veröffentlicht.

Meine Rechte als Fotograf

Als Fotograf bin ich immer Urheber meiner Aufnahmen. Und als Urheber habe ich das Recht zu bestimmen, wer und wie oder ob überhaupt meine Aufnahmen verwenden darf. Dabei spricht man von Nutzungsrecht. Werden Aufnahmen unberechtigt Benutzt, stellt das somit eine Verletzung meiner Urheberrechte dar.
Wird ein Bild gefunden, für das keine Nutzungserlaubnis erteilt wurde, kommt es zur Schadens- und Unterlassungsforderung gemäß § 97 UrhG, die dem Verletzer, egal ob vorsätzlich oder fahrlässig, zur Last fällt und an den Urheber zu zahlen sind.

Wie kann ich feststellen, ob Bilder verwendet wurden?

Dies ist in der Tat nicht so einfach. Es gibt einige Methoden:

  1. Suchmaschinen wie Google, wenn man die Suche auf Bilder beschränkt. Das ist allerdings aufwändig, denn man muss einen schlagkräftigen Suchbegriff eingeben und viele Seiten mit Bildergebnissen sichten, ohne sicher zu sein, seine Aufnahmen unter den Suchbegriff zu finden.
  2. Google Alert: Man richtet sich eine automatische Suchmeldung zu bestimmten Begriffen ein, wie zum Beispiel seinen eigenen Namen. Dies setzt aber voraus, das derjenige, der ein Bild verwendet, auch unter das Bild den Namen schreibt. Das ist in der Praxis aber sehr unwahrscheinlich. Es sei denn, er kopiert einen Presseartikel mit Pressebild und Urheberhinweis 1:1 von einer Nachrichtenseite. Dann würde es Google finden und über den Dienst Alert eine E-Mail verschicken.
  3. Als Fotograf hat man besseres zu tun, als das ganze Internet nach unerlaubten Bilderverwendungen zu durchsuchen. Also engagiert man einen Mitarbeiter, der das für einen übernimmt. Ich habe in der Tat schon von Profi-Fotografen gehört, die das so gemacht haben. Diese Mitarbeiter suchen zum Beispiel gezielt bei Ebay. Nachteil: Personalkosten.
  4. Die einfachste Möglichkeit ist, man wendet sich an einen Dienstleister, der eine spezielle Suchsoftware einsetzt. Man hinterlegt hier die eigenen Aufnahmen in einer Datenbank. Die Software vergleicht dann alle Bilder im Internet mit den hinterlegten und erkennt auch, ob das Bilder verändert oder ob nur Teile der Aufnahme verwendet wurden. Das Prinzip dieser Software stammt aus der Polizeiarbeit.  Der Nachteil: Monatliche Kosten, die sich nach der Menge der Bilder richtet. Vorteil: Im Gegensatz zu den anderen Möglichkeiten investiert man hier wenig Arbeitszeit bzw. Personalkosten. Und man kann sicher sein, das früher oder später alle ungefragten Bildverwendungen gefunden werden. Weitere Informationen findet man zum Beispiel auf den Webseiten von: www.tineye.com oder www.photopatrol.eu.
  5. Kommissar Zufall hilft und man stößt auf die Aufnahmen.

Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, herauszufinden, ob Bilder unerlaubt verwendet werden. Welcher Weg für einen der richtige ist, muss man austesten. Ich verwende eine Kombinationen aus allen Möglichkeiten und werde die verschiedenen Softwarelösungen noch testen.

Im zweiten Teil des Artikels geht Karsten Socher darauf ein, wie man als Fotograf auf eine unberechtigte Bildnutzung reagieren kann.



Informationen für Gastautoren

12 comments

  1. ReplyTeezeit

    Die ganze Sache hat aber einen weiteren Haken. Hat man erst mal ein oder mehrere Bilder gefunden, dann beginnt die Recherche, ob der Nutzer das Bild wirklich unberechtigt veröffentlicht. Insbesondere, wenn man seine Bilder über Bildagenturen vermarktet ist das manchmal nicht so einfach. Denn wenn z.B. eine Werbeagentur ein Bild kauft, weiss man noch lange nicht, für welchen Kunden das Foto benötigt wird.
    Auch findet man so natürlich auch keine Bilder, die unberechtigt in Printmedien veröffentlicht wurden. Da hilft in der Regel wirklich nur der Kollege Zufall.

    Allerdings sollte man sich von Zeit zu Zeit wirklich die Mühe machen und ein wenig im Netz zu forschen. Manchmal lohnt es sich und man findet ein schwarzes Schaf.

    Übrigens: für http://www.tineye.com gibt es ein Firefox-Plugin, mit dem man auf Knopfdruck suchen lassen kann.

  2. ReplyKarsten Socher

    @Teezeit: Das ist richtig. Wenn ich aber meine Bilder komplett über eine Bildagentur vermarkte, kümmern die sich um alles. Also wenn man ein Bild entdeckt, einfach in der Bildredaktion anrufen und Bescheid geben. Die wollen schließlich auch ihren Anteil mit dem Erlös des Bildes erwirtschaften. Also werden die sich auch um die Verfolgung kümmern. Eine Werbeagentur, die über die klassischen Agenturen kauft, die kommuniziert das auch. Das Problem wird ehr bei den Microplattformen bestehen. Aber das steht im nächsten Teil 🙂

    Danke für den Tipp. Ich habe kein Firefox, werde das aber mal bei Gelegenheit testen.

  3. ReplyNovin

    „…kümmern die sich um alles“ !!!

    Weit gefehlt, denn dafür haben die Agenturen bei der Bilderflut gar keine Zeit (und auch keine Lust).

    Letztendlich bleibt es (wie auch im Falle der fehlenden MR und PR) immer beim Fotografen hängen und die Recherchen, ob der Nutzer das Bild wirklich unberechtigt benutzt hat, kosten so viel Zeit und Mühe, dass ich persönlich davor zurückschrecke.

    Ich denke, eine Suchsoftware (für den, der es braucht) ist hier die optimale Lösung.

    Aber auch dann fängt die Recherche, die Klage, die Mahnung usw. an, so dass sich immer die Frage stellt, ob dies in Relation zum Preis steht (insbesondere beim Verkauf bei Microstock-Agenturen).

    Und machen wir uns mal nichts vor, die überwiegende Zahl der Hobby-Fotografen bietet bei den Microstocks an, zümal die ja auch so langsam den Markt übernommen haben.

    Bin aber auch auf Teil 2 gespannt.

    Gruß

  4. Pingback: Bilderklau / Abmahnung: Wie reagiere ich als Fotograf? » Magazin für Fotografie

  5. ReplyGerhard

    Das einzige, was ich bisher von all den vielen Möglichkeiten, die es angeblich gibt, um Bilder im Internet ausfindig zu machen, noch nicht getestet habe, sind die kommerziellen Angebote mit der Einbettung eines Codes in das Bild, den darauf spezialisierte Suchmaschinen wieder entdecken sollen. Doch auch dazu habe ich wenig Vertrauen. Ganz einfach deshalb, dazu müssten sämtliche Grafiken im Web in der Datenbank der Suchmaschine hinterlegt sein. Darüber hinaus selbstständig nach weiteren Grafiken durchsucht werden, meines Wissens kann das noch nicht einmal Google mit seinem riesigen Serverpark gewährleisten. Selbst wenn nur Fotos und Grafiken, die den Codeschnipsel enthalten, in der Datenbank abgelegt werden, muss dennoch zunächst einmal eine sehr leistungsfähige Suchmaschine das gesamte Web durchsucht haben. Auch dazu müssen zunächst einmal sämtliche in den verfügbaren Grafiken indiziert worden seien. Um genau das glaube ich den Betreibern dieser Dienste einfach nicht.

    Denn Bilder, die nicht in der Datenbank der Suchmaschine sind, werden natürlich auch nicht entdeckt.

    Alles andere habe ich bereits ausprobiert. Am liebsten nehme ich zum Test ein Foto vom Heidelberger Schloss, das von Heidelberg Marketing kostenlos für Webseitenbetreiber zur Verfügung gestellt wird. Dieses Foto habe ich auch auf meiner Webseite http://www.heidelberg-photo.com eingebunden, übrigens das einzige Foto auf der Webseite, das nicht von mir ist.

    Mit diesem Foto durchsuche ich das Web nach Duplikaten. Noch nicht einmal das Duplikat auf meiner Webseite wird üblicherweise entdeckt. Geschweige denn die Dutzende anderer Webseiten, auf denen dieses Foto ist. Dann testweise noch mit einigen anderen Bildern, von denen ich ebenfalls sicher weiß, dass sie auf anderen Webseiten sind. Ergebnisse bei allen bis jetzt angewendeten Methoden: null!

    Digimarc setzt zwar ein Wasserzeichen in das Bild, das nützt jedoch überhaupt nichts, um das Bild irgendwo im Web wieder zu finden. Es ist bestenfalls ein Nachweis der eigenen Urheberschaft. Den habe ich jedoch ohnehin durch die Rohdatendatei meiner Kamera. Rohdatendateien gebe ich niemals heraus. Im übrigen, wie öfter ein JPEG neu bearbeitet wird, umso schwächer wird das Wasserzeichen bis zu seinem vollständigen verschwinden.

    Auch die bei vielen Fotografen beliebten Flash Webseiten, die zugleich bei Suchmaschinen denkbar unbeliebt sind, schützen keine Bilder. Zumindest nicht gegenüber denjenigen, die diese Bilder unbedingt haben wollen. Seit es Flash gibt, gibt es auch schon überwiegend kostenlose Tools, mit denen der Schutz einer Flashwebseite aufgehoben werden kann und der Flash Film in seine einzelnen Bestandteile (Fotos) zerlegt werden kann. Dann hat man wieder die ursprünglichen Bilddateien.

    Doch warum sollten Fotografen im Bereich der unerlaubten Kopie besser gestellt sein als die Musikindustrie oder Filmindustrie? Das einzige was Suchmaschinen garantiert entdecken, sind Textzitate mit einer Zitatsuche. Auch die oft genannte Suche über Hashwerte würde nur dann Sinn machen, wenn das Foto eins zu eins übernommen wird, also nicht in der Größe angepasst oder sonstig bearbeitet wird. Jede noch so kleine Bearbeitung, sogar jedes neue abspeichern als JPEG ohne vorangegangene Bearbeitung verändert den Hashwert.

  6. Pingback: Meine Bilder im Auktionshaus : Seite 2 : Nicht wenn da Details sichbar sind, z.B. Kratzer usw., die ein...

  7. ReplyKarsten Socher / KS-Fotografie.net

    Eine Anmerkung zu Novins Kommentar:

    “…kümmern die sich um alles” !!!

    Damit meine ich keine Microstock-Agenturen sondern Agenturen im klassischen Sinne, wo eine Art Bildredaktion sitzt und noch mit dem Kunden Kontakt hat. Die Mircostock-Agenturen sind ja ehr sehr automatisch ablaufende Dinger (Kunde meldet sich an, bezieht Bilder, bezahlt, alles ohne persönlichen Kontakt), die haben dafür keine Nerven.

  8. ReplyCarsten

    Die neue Bildsuche von Google ermöglicht das Suchen nach Bilder, Bildausschnitten, in Chrome mit Drag and Drop, sonst über die URL. Einfach in der Bildsuche auf das Kamerasymbol klicken.

  9. ReplyGerhard

    Danke für diesen Hinweis.

    Mir war klar, das hatte ich in meinem langen Posting schließlich auch schon zum Ausdruck gebracht, dass, sobald Google einen solchen Dienst anbietet, höchstwahrscheinlich alles gefunden wird.

    100 % zuverlässig ist es zwar noch nicht, insbesondere dann, wenn ein bekanntes Bildmotiv tausendfach im Web ist, dann sind die Unterschiede oft so geringfügig, dass Google es nicht mehr eindeutig unterscheiden kann. Das kann man jedoch hinnehmen.

    Andererseits habe ich zu meiner Überraschung festgestellt, dass Fotos selbst innerhalb von Montagen entdeckt werden. Ein Beispiel, mit dem ich es ausprobiert habe, ist
    http://www.digitaler-fotokurs.de/Grafik/Portrait_Akt/Portrait-47.jpg
    dieses Foto habe ich auch in einer Montage auf derselben Website verwendet, was Google sofort erkannt hat.

    Ich musste feststellen, dass eine ganze Reihe Fotos von meinen Webseiten und den Webseiten meiner Auftraggeber geklaut worden sind. Soweit die Betreiber feststellbar waren und eine Adresse in Europa haben, habe ich auch gleich eine Abmahnung und Schadensersatzforderungen hin geschickt. Mal sehen, was dabei herauskommt.

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