Yongnuo YN560: Neuer Blitz für Strobisten

Die chinesischen Hersteller kämpfen gegen den Ruf an, Billig-Ware herzustellen bzw. Produkte etablierter Hersteller zu kopieren. Dieser Ruf besteht nicht ganz zu Unrecht, auch ich musste schon diverse Ausrüstungsgegenstände chinesischer Hersteller in die Rundablage entsorgen, weil sie einfach den Ansprüchen an den harten Fotografenalltag nicht genügt haben.

Die Firma Yongnuo hat sich mit verschiedenen Kompakt-Blitzen und Blitzauslösern in den letzten Jahren auf dem deutschen Markt einen Namen gemacht. Und mit speziellen Blitzen für Strobisten decken sie ein Marktsegment ab, das etablierte Hersteller nur wenig beachten.

Kompaktblitze für Strobisten zeichnen sich dadurch aus, dass sie über keinerlei Automatik wie E-TTL oder ähnliches verfügen und sich nur manuell einstellen lassen. Die Bedienung ist daher ähnlich wie bei einem Studioblitz. Durch den Verzicht auf automatische Belichtungsfunktionen entfällt ein Großteil der Elektronik, was natürlich dazu führt, dass diese Geräte zu einem interessanten Preis angeboten werden können.

Beliebt ist seit einiger Zeit der Yongnuo-Blitz YN460 bzw. YN-460II.

Als Nachfolger ist nun der YN-560 auf den Markt gekommen (Kosten: ca. 70 Euro). In der letzten Woche ist das erste Exemplar bei mir eingetroffen.

Und der erste Eindruck ist positiv. Gegenüber dem YN-460 gibt es folgende Verbesserungen:

  • Die Abstrahlfläche ist deutlich vergrößert, was ein weicheres Licht erzeugt. Allerdings ist damit auch das Gehäuse insgesamt größer geworden.
  • Der Abstrahlwinkel des Lichts kann nun eingestellt werden.
  • Die Leistungseinstellung lässt sich in feineren Abstufungen vornehmen.
  • Es gibt eine Buchse für ein externes Battery-Pack
  • Es gibt einen (abschaltbaren) Bereitschaftton

Und, kleine Sache, aber große Wirkung, der doch etwas hakelige Batteriefachdeckel ist gegenüber dem Vorgängermodell verbessert worden und macht nun einen deutlich stabileren Eindruck.

Auch insgesamt macht der Blitz einen sehr wertigen Eindruck. Ob er allerdings dem harten Fotografen-Alltag standhält, wird sich zeigen. Ein YN-460II hat mir beispielsweise beim Fotoshooting ganz ohne äußere Einwirkung unter Abgabe besorgniserregender Geräusche plötzlich versagt.

Mein Fazit: Ein sehr interessantes Gerät, das für kleines Geld viel Spaß machen kann.

Die Ergebnisse eines kurzes Praxistests des Yongnuo YN560 habe ich hier veröffentlicht.


Ich arbeite als Business- und Industrie-Fotograf in Heidelberg und helfe als Coach kreativen Menschen dabei, etwas in ihrem Leben zu bewegen und von ihrer Arbeit gut leben zu können. Mehr

25 comments

  1. ReplyUwe

    Jau, das Ding sieht wirklich spannend aus. Zwei Features, die ich aber immer noch vermisse:

    – Der Schnellverschluß des Fußes, wie Canon ihn baut.
    – Warum hat immer noch kein Hersteller, der speziell auf die Strobisten ausgerichtet ist, nen Blitz mit Einsteckmöglichkeit für die Filterfolien im Programm?

    Gerade Letzteres wäre ein echtes Killerfeature gegenüber allen Bastel- und Aufsteck-/Klettlösungen.

  2. ReplyherrMartin

    das mit den Filterfolien haben die Nikon sb800 / 900 Blitze. Aber billig sind die nicht.

    Eigentlich wundert mich eher, das die bei der Form bleiben, für den Zweck könnte man die ja auch mit runden Reflektor bauen, größere Batteriefächer damit das nachladen schneller geht, etc

  3. ReplyAndre

    Der Blitz klingt sehr interessant. Vor allem den Bereitschaftston finde ich höchst interessant. Die Funkauslöser sind ja schon sehr wertig und funktionieren gut. Sind die Blitze ähnlich gut verarbeitet?
    Kann man die Blitzleistung mit einem Canon 550EX oder 580EXII vergleichen?
    Ein Schnellverschluss wäre ebenfalls sehr praktisch, aber ich vermute, hier hat Canon sicher ein Patent…

  4. ReplyCarsten

    Oh, ein Bereitschaftston! Wie viele Schüsse habe ich schon gemacht ohne das der Blitz gezündet hat, echt sinnvoll. Für mich ein echtes Alleinstellungsmerkmal.


  5. Author
    ReplyOmori

    @ Uwe: Ja, da stimme ich Dir zu.
    @Andre: Ja, die Qualität ist vergleichbar mit den Blitzauslösern. Ob die Blitzleistung mit den Canon Blitzen mithalten können, kann ich Dir nicht sagen, das habe ich noch nicht ausprobiert.

    Gruß Michael

  6. Pingback: Viele Dinge - die Homepage von Uwe » Neuer Strobisten-Blitz von Yongnuo: YN560

  7. Replyweit-winkliger

    Hm, ich war ja schon kurz davor den YN460II zu bestellen. Gut, dass ich gewartet habe!
    Schaut man sich nur den Blitzkopf an, hätte es auch ein 580EX sein können! Nein nein, die kopieren nichts… 😉

  8. ReplyDaniel

    Ganz ehrlich? Mir egal, ob die kopieren. Canon lässt auch in China (günstig) fertigen, da müssen sie sich nicht wundern wenn die Teile nachgebaut werden. Aber der YN ist ja ein reiner Strobistenblitz ohne jegliche Automatiken, also keine „richtige“ Konkurrenz für die Canon Blitzen
    Und bei dem Preis, was der 580er kostet, könnte man den auch in D von Ingenieuren in Handarbeit fertigen lassen. Nur ist dann der Gewinn nicht mehr so hoch 😉

  9. ReplySam

    @Uwe, Folieneinschub hat den Nachteil, dass die Folien zu dicht am Blitzkopf sind, und bei höherer Blitzleistung oder -Folge anfangen zu kokeln.
    So ein Blitz wird heißer als man glaubt, und die Folien sind nicht so hitzebeständig, wie man hofft.

    Würd mich interessieren, wie konsistent der in der Praxis ist (du weißt, x Fotos nacheinander machen und prüfen ob Helligkeit und Lichtfarbe gleichbleibend sind).

  10. ReplyUwe

    @Sam: Die Folie muss ja nicht direkt am Blitzkopf anliegen. Ich könnte mir da auch ausziehbare Lösungen vorstellen, die die Folie einige mm vorm Blitzkopf halten.

  11. Replyphotovitality

    Wirklich eine preiswerte und interessante Alternative.

    Nur zu schade, daß der Blitz kein TTL unterstützt, aber bei dem Preis auch kein Wunder. 🙂

    – Does not support E-TTL or i-TTL
    – Does not support wireless TTL / AWL

    Seit ich mir den Canon Trigger ST-E2 zugelegt habe, bin ich von der Ratio und Master/Slave Funktion mehr als begeistert. Und gerade hier macht eben TTL (aus meiner Sicht) wieder Sinn.

  12. ReplyMichael

    Also ich habe meine drei YN560 gestern bekommen und bin begeistert. Hatte bisher nur den YN460 und meinen 580EX II. Hab sie natürlich gleich getestet. Bin total begeistert.

    Auch der Ton ist prima und weil ich drei davon habe, kann ich nun so richtigt pipsen am Set.
    Spaß bei Seite, das ist echt hilfreich, wenn die alle verstreut stehen, kann man sie ja schließlich nicht immer von hinten angucken.
    Hab den Chinadinger noch nie so richtig vertraut, aber YN460 hat mich echt überzeugt. Der hat jetzt bestimmt schon 3500 Auslösungen On-Location hinter sich und lebt noch immer.
    Bei diesen Dingern kann ich es nur sehr wenig verstehen, das Leute sich Porties kaufen und schleppen.

    @Sam. Mir ist noch nie ne Folie selbst bei 1/1 manuell auf meinen 580EX II gekokelt und habe die immer mit einem Gummi direkt befestigt. Bin mal gespannt ob die YN560-Dinger bei richtiger Beanspruchung heißer werden.

    Wenn ich mein Canon und die YN560 neben einander auf einem Stativ aufbaue und bei gleicher Blende (Bl 8, 1/125 ) abwechselt ein Bild mache, ist es ganz geringfügig dunkler beim YN580. Das sieht man auch auf dem Graf der dann 1-2 Punkte weiter nach rechts geht. Aber Hallo?
    460 Glocken gegen 82 inkl. Nachversteuerung. Ich bitte Euch, worüber reden wir hier?

    Im übrigen gibt es auch den YN468 für alle E-TTL-Fetischisten. Der hat zwar nur ne 33 Lz aber das hat mein YN460 auch und reicht schon oft hin.
    …und wenn den jetzt noch bald als YN568 rausbringen, können sich die andern Hersteller alle warm anziehen.

  13. ReplySam

    @Michael, ich hab schon ein paar Folien verschmort, und das sogar bei halber Leistung. War entweder mit einem Pentax AF540FGZ oder einem Nikon SB-900, wollte ich irgendwann nochmal testen.

    Mich würde bei dem YongNuo nicht der Vergleich mit dem Canon interessieren, sondern vor allem, ob der YongNuo gleichbleibende Ergebnisse erzielt. Also, wenn man mehrere Bilder in Folge macht, ob die wirklich alle gleich hell sind und die Farbe identisch ist.
    Denn hier ist meist das Problem von billigen Blitzen, dass die Leistung zwar stimmt, aber nicht gleichbleibend von Blitz zu Blitz konstant ist, man Abweichungen hat.

  14. ReplyMichael Gelfert

    „Bei diesen Dingern kann ich es nur sehr wenig verstehen, das Leute sich Porties kaufen und schleppen.“

    Bitte nicht immer diese Vergleiche! Das hinkt bis zum Umfallen. Nur ein paar Stichworte:
    – Lichtformung
    – Leistung
    – Blitzwiederholzeit
    – Funkfernsteuerung


  15. Author
    ReplyOmori

    @ Sam: Das werde ich heute testen und dann berichten.

    @ Michael Gelfert: Ja, klar sind das Äpfel und Birnen. Dennoch gibt es Fälle, wo es wirklich keinen Sinn macht, den Porty mitzuschleppen, sondern nur das „kleine Besteck“.

    Gruß Michael

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  17. ReplyR. Jannke

    Erst jetzt gelesen! Ein Exemplar wird nach dem Urlaub sofort geordert. Nicht nur für eBay lichte ich den zu verkaufenden Kram gerne per Hohlkehle ab. Von vorn gewöhnlich der Minigehäuseblitz der Nikon D300, von rechts ein SB-800 drahtlos per TTL. Gerne hätte ich noch was von links. Und das wird jetzt für wnig Geld möglich. Mit den Leistungsstufen sollte das ja auch ohne TTL und ohne stundenlanges Probieren gehen. Danke fürs Finden und Vorstellen!

    Ralf

  18. ReplyMichael

    @Omori
    Vielen Dank für den Test.

    Ich habe die Blitze nunmehr seit 6 Wochen und hatte jeden Woche ein bis zwei On-Location Shootings.
    Habe also ca. 3000 Auslösungen damit gemacht. Muss sagen, dass die mich bisher nie im Stich gelassen haben. Die besten Ergebnisse, wie zu erwarten, hatte ich mit 2850 Akkus. Die Wiederaufladezeit beträgt i.d.R. nicht mehr als 1-2 Sek.

    @Sam
    Habe auch hier noch keine Folie verschmort, vielleicht leigt es aber auch an den Folien, die ich benutze.
    Ich nutze das Musterheft mit unzähligen Folien von dem Chinesischen „Meier“ um nicht den Herstellernamen zu nennen.
    On-Location und gleichbleibend wiederspricht sich mit Ausnahme von Kellern oder Bunkern schon in sich. Du hast doch durch Sonne und Wolken wechsel ohnehin immerwieder mit gravierenden Unterschieden zu tun. Aber den Labortest hat Omori ja schon gemacht und beantwortet.

    @ Michael Gelfert
    Das einzige Argument das ich geringfügig gelten lasse ist die Leistung. (Sodann man sie wirklich auch braucht); Noch nie vorgekommen, aber bitte, Punkt für die Porties.
    Ich habe Adapter und Halter für Aufsteckblitze mit denen ich alle gängigen Lichtformer aus dem Studio nutzen kann, wenn ich muss und schleppen will. Habe mir einen 210×80 cm Tuch auf eine Rohr gezogen und kann es am Stativarm oben herab hängen lassen. Am Stativ sind dann zwei Blitze übereinander mit Klemmen befestigt. Größer braucht kein Mensch On-Location.
    Und die Blitze füllen sogar meinen 160 cm Schirm voll aus, wenn man den Winkel anpasst.
    Blitzwiederholzeit ist kein Argument, 1-2 Sek. reichen voll aus, es kommt nur auf die Akkus an.
    Na und Funkies 5 Stck. an der Zahl sind ehh immer dabei.

    Also 99 von 100 möglichen Punkten erreicht!

    LG
    Micha

  19. ReplyFrank

    ich wollte mal fragen ob der Blitz ein AF – Hilfslicht hat das auch ordentlich funktioniert?!
    Würde ihn mit einer canon eos 550d benutzen.. vllt weiss jmd was?

  20. Replygomes

    Dieses tolle Blitzgerät ist mit allem ausgestattet, was der Profi des entfesselten Blitzens braucht. Er ist fernsteuerbar und slavefähig, blitzt also mit, wenn der Master blitzt. Dazu hat er dank der Größe des Blitzkopfes eine beachtliche Leistung, die nur etwa eine Blendenstufe unter der des Originalblitzes von Canon liegt. Ich habe mich nach einigen Wochen Nutzung gut mit dem Yongnuo YN560 zurechtgefunden. Dass er nur manuell funktioniert, stört mich keineswegs, jedenfalls dann nicht, wenn er so günstig ist.

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