Das kleine Einmaleins der Hochzeitsfotografie

Die Fotografie von Hochzeiten wird von Berufsfotografen unterschiedlich gesehen.
Die einen tun sie als Gebrauchsfotografie ab, die anderen machen 80 Prozent ihrer Umsätze damit.

Amateurfotografen sehen häufig die Machwerke der Profis in den Schaufenstern und sagen sich: “Das kann ich auch!”

Was aber auf den Bilder so einfach und nachvollziehbar aussieht, ist häufig das Ergebnis einer schweißtreibenden Arbeit, die viel Erfahrung verlangt.

Der Unterschied zwischen Amateur und Profi ist meistens nicht, dass der Profi deutlich besser fotografiert, sondern dass der Profi absolut zuverlässig und auf den Punkt genau das liefert, was erwartet wird.

Kein Fotograf wird sich das erste mal alleine an eine Hochzeit trauen, sondern erst einmal als zweiter Fotograf oder Assistent Erfahrungen sammeln, um nicht alleine in der Verantwortung zu stehen.
Und diese Verantwortung ist sehr groß: Für das Hochzeitspaar ist es der wichtigste Tag im Leben. Vom beauftragten Fotografen wird erwartet, dass alle wichtigen Ereignisse adäquat im Bild festgehalten werden.

Da wird nicht akzeptiert, das beim Ringtausch oder beim Kuss nach der Trauung gerade die Batterie der Kamera den Geist aufgibt oder die Speicherkarte voll ist.
Insbesondere bei der Hochzeitsfotografie gilt: “You get no second chance.”

Ausrüstung

Kamera

Hier ist eine robuste und zuverlässige Spiegelreflexkamera erforderlich. Man kann eine Hochzeit zwar auch mit einer Amateurkamera machen, ich empfehle aber eine Profikamera. Bei Canon also eine Kamera aus der 1er Reihe. Das muss nicht unbedingt das neueste Modell sein, es tut auch durchaus eine Kamera, die 3 oder 4 Jahre alt ist.

Es werden nämlich nicht 10, 12 oder noch mehr Megapixel erforderlich. Was die Profi-Kameras aber von den Amateurkameras unterscheidet, ist, dass sie robust und spritzwassergeschützt sind. Eine Canon 1D steckt auch einen kleinen Regenguss klaglos weg, während eine Canon 30D oder Canon 5D da passen müssen. Ein Kollege von mir hat das am eigenen Leib zu spüren bekommen und für die Reparatur seiner 5D nach einem kleinen Regen bei einer Hochzeit 1000 Euro bezahlt.

Objektive

Bei Hochzeiten ist keine 150prozentige Bildschärfe gefordert, sondern ein schnelles Reagieren auf aktuelle Motive, die zwei Sekunden später schon wieder weg sein können. Daher kommen vor allem Zoom-Objektive in Frage.

Meine Lieblingsobjektiv bei Hochzeiten ist das CANON EF 24-105 4,0 L IS USM. Ergänzen kann man das durch ein lichtstarkes Objektiv, zum Beispiel das 85 mm / 1:1.8 EF USM oder das EF 135mm 2,0 L USM sowie ein Telezoom, zum Beispiel 70-200 mm / 1:2.8L EF IS USM. . Damit ist man dann schon ganz gut ausgestattet.
(Alle Tipps beziehen sich auf Canon, bei Nikon Objektiven kenne ich mich leider nicht so aus)

Blitz / Reflektor

Ein Systemblitzgerät mit Schwenkmöglichkeit für indirektes Blitzen ist selbstverständlich Pflicht. Sinnvollerweise ergänzt man das durch ein externes Batteriepack, um kürzere Blitzfolgezeiten zu erreichen und nicht so oft die Batterie wechseln zu müssen. Außerdem leistet ein Bouncer gute Dienste.

Bei Hochzeitsfotos im Park sollte ein großer Faltreflektor zur Hand sein. Dafür ist dann aber ein Assistent zum Halten erforderlich. Alternativ hellt man die Schatten mit einem Systemblitz auf.

Einige meiner Kollegen arbeiten bei der Fotografie der Hochzeitsfeier mit Studioblitzgeräten, die vor Ort installiert werden. In diesem Fall ist wichtig, per Funk auszulösen und nicht per Infrarot, da ansonsten die anwesenden Hochzeitsgäste mit ihren Kompaktkameras ständig die Studioblitze auslösen würden.

Stativ

Für Gruppenaufnahmen ist ein Dreibein-Stativ sehr nützlich. Ansonsten benutze ich für Hochzeitsfotos und Reportagefotos während der Feier bei Einsatz eines Teleobjektivs ein Einbeinstativ.

Sonstiges

Ein großer weißer Regenschirm bietet Schutz für das Brautpaar bei leichtem Regen und sieht auf den Fotos deutlich besser aus, als das geblümte Modell, das das Brautpaar selber mitbringt.

Eine Puderdose mit Puderquast und Pinsel bietet die Möglichkeit, Bräutigam und / oder Braut noch einmal abzupudern.

Ganz wichtig: Ersatz

Alles, was kaputt gehen kann und erforderlich ist, MUSS doppelt vorhanden sein. Das gilt insbesondere für Kamera und Blitz. Ein Fotograf, der ohne Ersatzkamera eine Hochzeit bestreiten will, agiert fahrlässig! Und diese Ersatzkamera muss einsatzbereit immer zur Hand sein. Sie hilft nichts, wenn sie im Auto liegt und auf ihren Einsatz wartet.

Mir ist es einmal passiert, dass Sekunden vor dem Ja-Wort die Kamera mit der Fehlermeldung ERR99 den Geist aufgegeben hat. Wenn ich da nicht griffbereit (und richtig eingestellt!) eine zweite Kamera mit eingeschaltetem Blitz zur Hand gehabt hätte, wären mir die wichtigsten Motive entgangen.

Selbstverständlich sollte auch sein, dass die Batterien in Kamera und Blitz aufgeladen sind und die Speicherkarte nicht im entscheidenden Moment voll ist. Eine verzweifelt gerufene Bitte an den Standesbeamten oder Pfarrer: “Warten Sie bitte kurz, ich muss nur noch die Speicherkarte wechseln!” ist absolut untragbar.

Teil 2

Teil 2 behandelt folgende Themen

  • Vorbereitung / Vorgespräch
  • Fotografie der Trauungszeremonie
  • Hochzeitsfotos im Park

Der Autor betreibt ein Fotostudio in Heidelberg und bietet dort auch Hochzeitsfotografie an.



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Kommentare

19 Kommentare zu “Das kleine Einmaleins der Hochzeitsfotografie”
  1. Es gab mal einen Fall, da war der Fotograf nicht in der Lage, gescheite Hochzeitsfotos abzuliefern. Daraufhin hat das (un-) glückliche Paar verklagt. Eregbnis des Gerichtsverfahren: Die Hochzeit mit Trauung, Feier, etc. musste nochmal gefeiert werden auf Kosten des Fotografen, damit das Hochzeitspaar nochmal die Chance hat, anständige Bilder zu bekommen. Aber diesmal von einem anderen Fotografen.
    Dieser Vorfall sollte für alle Fotografen eine Lehre sein (egal ob Hobby oder Profi). Zumindestens in England, da hatte sich das ereignet.

    Liebe Grüße,
    Karsten Socher
    www.ksfoto.djv-bildportal.de

  2. Tim sagt:

    Die Zusammenstellung ist super. Ich in auch eine Hochzeit eingeladen und soll ein paar Fotos machen. ich denke mit den Tipps werden die Fotos einmalig gut!

  3. lukas G. sagt:

    Ganz ehrlich ich lese ab und an in der Chip Foto Video bin auf mehreren Fotoseiten im Netz und suche in Foren usw um mich weiterzubilden aber diese Seite so klein der Inhalt auch ist hat mich bis jetzt am weitesten gebracht und mir Mut gemacht meinen Traum durchzuziehen und mich anch und nach selbständig zu machen!

    (bin übrigens 20Jahre alt und komme aus RLP – Bad Kreuznach wer interesse hat mir was beizubringen darf sich gerne mit mmir in Verbindung setzen ourkindofart@web.de – ich würde mich freuen! gerne würde ich acuh ein Netzwerk im Kreis Kreuznach, Mainz, Kaiserslauten oder so aufbauen!)

  4. Als profesioneller Fotograf höre ich ab und zu Anektoden von verpatzen Hochzeitsfotos. Meine Lieblingsgeschichte ist die eines Hobbyfotografen der eine Sehstörung hatte und dadurch hauptsächlich unscharfe Bilder lieferte – kein Witz! Ein wahres Fiasko für das Brautpaar. So etwas tritt natürlich eher selten auf.

    Ich habe aber schon viel schlechte und herzlose Hochzeitsbilder gesehen – auch von “sogenannten” Profis. Ich empfehle deshalb, das Portfolio des Fotografen genaustens anzuschauen. Ein Fotograf sollte dem interessierten Kunden schon zwei oder mehr komplette Hochzeitsreportagen zeigen können. Sei es übers Web oder bei einem Besuch bei Ihm.

    Beim Betrachten der Referenzen sollte man die Emotionen des Tages spüren können, dann versteht der Hochzeitsfotograf sein Handwerk.

  5. Joerg sagt:

    Wer es nie probiert, wird es nie erlernen.

    Stimmt ich bin dabei aber spiele nur die 2 Geige und dann werden wir sehen wie es weiter geht.

    LG JS

  6. Michael Stange sagt:

    Ob Profi oder Amateur, gerade in der Hochzeitsfotografie ist es wichtig das Gefühl rüber zu bringen. Leider vermisse ich das Gefühl auch bei vielen Kollegen. Da wird im Stadtpark in die Kamera gelacht, als ob das ein Nomalzustand für junge Verliebte ist. Und dann wundern sich diese Kollegen, dass solche Fotos auch von guten Amateuren zustande gebracht werden können. Der Hochzeitstag ist wohl das bedeutenste Ereignis im Leben eines jungen Paares und so besonders sollten dann auch die Bilder sein. Das fängt bei der Besprechung an und endet in der Wahl der Location und dem Zeitpunkt, wann das Shooting stattfinden soll. Viele Paare wissen allerdings auch gar nicht, das man anders als die typischen Stadtparkfotos fotografieren kann.
    Für mich hat der Stadtpark ausgedient. Seit Generationen tummeln sich am Wochenende dort die Fotografen – ob Amateur oder Profi – und machen immer die selben Bilder. So einfach sollte man es sich an so einem Tag nicht machen.
    Michael Stange – Fotograf

  7. nicoen sagt:

    Michael hat prinzipiell recht. Er macht Bilder, die mir persönlich gut gefallen. Dennoch, es geht nicht darum was wir schön finden und wollen, sondern was sich unsere Kunden wünschen. Tolle Motive erreicht man auf einem Shooting. Keine Frage. Da hat man Zeit und kann seiner Kreativität und Fantasie freien Lauf lassen. Bei einer Hochzeitsreportage wird es wohl schwieriger. Dort geht’s mehr um Dokumentation des Events. Alles muss stimmen und bereits im Vorfeld geplant und abgestimmt sein. Es ist auch ein Unterschied, ob der Fotograf eine katholische oder eine Hindu-Trauung dokumentiert. Stadtparkfotos sing grässlich, dass stimmt, aber machmal kommt Ihr gar nicht drumherum, daher verteufle ich sie auch nicht. Die Kundenwünsche respektieren, die Reportage planen, den Eventverlauf abzustimmen, die Feier nicht unnötig stören und trotzdem Fotos liefern, die den Kunden gefallen, das unterscheidet in meinen Augen den Profifotografen vom Amateur oder einen Künstler.

    Nico Nachtigall

  8. Mark sagt:

    vielen Dank für die guten Hinweise zur Hochzeitsfotografie, Ich probiere mich gerade in der Fotografie zur Hochzeits Tischdekoration. was ziemlich schwierig ist wenn man keine Profi ist.

  9. Ich denke, bei der Hochzeitsfotografie (und auch sonst) muss man mit dem Budget und der Zeit auskommen die der Kunde frei gibt. Die Zeit für ein Paarshooting beträgt bei mir meist eine bis eineinhalb Stunden (exklusive Anfahrt). Shootings an einem anderen Tag mit dem Paar im Hochzeitsoutfit habe ich bis jetzt noch keines gemacht – ich denke, die Stimmung ist nicht mehr die gleiche. Insofern mache ich das beste aus diesen Rahmenbedingungen. Das kann im Stadtpark sein, in einer Altstadt, in einer Fabrikhalle u.s.w. u.s.w.

    Ich bin überzeugt, ein guter Fotograf schafft es auch im Stadtpark außergewöhnliches zu machen.

  10. Als Hochzeitsfotograf kann ich alles nur bestätigen!

  11. Ich kann das hier gesagte ebenfalls unterstützen. Insbesondere das Thema ‘Ersatz’. Zudem hat ein Hochzeitsfotograf, der den Druck der unwiederbringbaren Momente kennt und damit zurecht kommt, auch die Fähigkeit unter diesem ein plötzlich aufkommendes technisches Problem zu lösen. Sprich: Er handelt in jeder Situation professionel.

  12. dirk sagt:

    Das Canon 24-105 ist schon wirklich toll für Hochzeiten, wir verwenden für availible light fotografie noch sehr gerne das 35/ 1.4 da es schon bei offener Blende hervorragend arbeitet und trotzdem genügend Tiefenschärfe liefert. Da wir auch mit Nikon fotografieren, empfehlen wir für alle Nikonianer die beiden Klassiker 24-70 2.8 und das 70-200 VRI oder VRII. Eine sehr schöne Festbrennweite für Hochzeiten ist dann noch das 85mm 1.8 von Nikon sowie das 105 2.8 mit Bildstabilisator (VR). Ein kleines Funksystem für kabelloses Blitzen gehört eigentlich auch zum guten Ton ist nicht teuer. Mit einfach Mittenkontaktauslösung gibt es das bereits im Set für 30-35 Euro und bringt sehr viel. Die Kamerainternen Infarotverbindungen bei Canon und Nikon funktionieren leider nicht immer einwandfrei und haben vor allem im Freien keine hohe Reichweite. Gruß aus Köln, Dirk

  13. Michi sagt:

    Hm, Du bist gut…
    Ich werde im August meine erste Hochzeit fotografieren.
    Allein!

    Hab jetzt schon die Hosen voll… :)

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