Foto Index Places von Jim Krause
Dies ist eine Gast-Rezension von Jakob Adler, 28 Jahre, der sich selbst als “ambitionierten Hobbyfotografen” bezeichnet. Er ist erst Mitte 2009 auf den Zug der DSLR-Fotografie aufgesprungen. Über seine Erfahrungen erzählt er in seinem Blog, eine Auswahl seiner Bilder sind auf flickr zu finden. Zwischendurch twittert er unter http://twitter.com/jakuuub. Sein bisheriger Schwerpunkt ist die Landschaftsfotografie, in Zukunft soll die Portraitfotografie aber weiter in den Vordergrund rücken.
Ja, mit der Kreativität ist das so eine Sache. Jeder, der in irgendeiner Weise kreativ tätig ist, kennt das Problem: Fehlende Inspiration. Es trifft jeden früher oder später. Eine Zeit lang läuft es gut, die Ideen sprudeln, alles klappt, man findet überall neue Motive, neue Themen. Vor allem wenn man sich erst seit kurzem mit der Fotografie beschäftigt. Aber dann ist auf einmal Schluss. In der Umgebung scheint alles schon fotografiert. Jede Idee ist ausprobiert. Manche Experimente vielleicht sogar gescheitert. Totale Leere. Was dem Schriftsteller als leeres Blatt bekannt vorkommt (die gefürchtete Schreibblockade), kann auch einen Fotografen treffen.
Hier soll das Buch places von Jim Krause helfen. Jim Krause hat bereits mehrere Bücher in der so genannten index-Reihe veröffentlicht. Diese Bücher sollen “den Leser mit Bildern bombardieren” (Zitat Klappentext) um seine Kreativität anzuregen. places ist das neueste Buch und es trägt den vielversprechenden Untertitel “Ideen und Inspirationen für kreative und eindrucksvolle Bilder”. Ob es diesen hohen Anspruch erfüllen kann?
Eines fällt schon auf, sobald man das Buch in die Hand nimmt. Es ist im Querformat gebunden, etwas größer als A5. Das macht es zum einen trotz der über 350 Seiten recht handlich, zum anderen eignet es sich sehr gut zur Darstellung querformatiger Bilder. Dank weichem Einband kann man bequem drin blättern.
Doch zum Inhalt: Krause hat das Buch in 25 Kapitel unterteilt, die verschiedene Motive umfassen; zum Beispiel “Verlassene Orte, leere Plätze” oder “Außerhalb der Saison”. In einer kurzen Einleitung beschreibt der Autor, wie das Buch funktioniert. Er bezeichnet es als ein “Was-wäre-wenn-Buch”. Das heißt, er will den Leser zum Nachdenken und Ausprobieren anregen. Ich finde, das gelingt ihm recht gut, aber dazu später mehr. Jedes Kapitel beginnt mit einem kurzen Text, einer Hinführung zum Thema, welche bereits ein paar erste Tipps enthält.
Und dann das wichtigste, die Fotos. Sehr unterschiedliche, häufig sehr interessante Aufnahmen zeigen Motive, die von alltäglich bis völlig fremd reichen. Der Schwerpunkt liegt dabei ganz klar bei Landschafts-, Natur-, und Architekturaufnahmen, Personen findet man selten. Aber schließlich heißt das Buch auch places und nicht persons…
Ein kleiner Negativpunkt ist, dass manche nur sehr klein abgebildet sind. Somit wird es teilweise schwierig, Details zu sehen. Aber das ist eher die Ausnahme. Auch unterschiedliche Versionen ein und des selben Bildes werden gezeigt. Denn auch in der digitalen Nachbearbeitung liegt jede Menge Raum, um sich kreativ auszutoben. Viele der Fotos begeistern mich und ich bekomme Lust, mit der Kamera loszuziehen, und ähnliche Aufnahmen zu machen. Dabei geht es nicht so sehr darum, das Bild 1:1 nachzumachen, sondern Jim Krauses Ideen mit in meinen Kreativprozess einfließen zu lassen. Die Beschreibungen regen dazu an, Neues zu probieren.
Denn zu jedem Foto findet sich am Ende der Kapitel eine kleine Erklärung zur Entstehung. In drei, vier Sätzen beschreibt der Autor die Besonderheiten oder gibt Tipps zum Nachmachen. Diese Trennung von Text und Bild ist für manche vielleicht umständlich. Der Leser aber hat somit die Möglichkeit, erstmal das Foto auf sich wirken zu lassen, und für sich selber Überlegungen anzustellen, wie er das Motiv einfangen würde, wie es nachbearbeitet worden es und was es aussagen soll. Die eigenen Überlegungen und die Anmerkungen des Autors vermischen sich dann zu neuen Ideen.
places ist eher ein Buch zum Stöbern; kein Buch, welches man von vorne bis hinten durchliest. Bei mir liegt es meistens auf dem Couchtisch. Immer, wenn mal einen kleinen Schubs brauche, um wieder die Kamera in die Hand zu nehmen, blättere ich ein wenig darin. Oder ich suche mir gezielt ein Kapitel raus, das mich interessiert.
Das Ziel, Ideen und Inspiration für kreative und eindrucksvoll Bilder zu liefern, erfüllt das Buch. Es regt dazu an, mit offeneren Augen durch die Welt zu laufen. Denn es findet sich immer etwas, das es wert ist, fotografiert zu werden. Meine anfängliche Sorge, das Buch könne zu trivial sein hat sich nicht bestätigt. Nach dem Lesen des Buches ist mein Kopf eher übervoll mit Ideen. Die Angst vor der fotografischen Schreibblockade ist auf jeden Fall geringer geworden. Dass die Inspiration mal ausbleibt und nichts so richtig klappen will, das wird in Zukunft natürlich auch vorkommen. Aber zumindest in den meisten Fällen wird das Buch einen kleinen Denkanstoß geben können.
1. Auflage 2009, Softcover, 360 Seiten, ISBN 978-3-8266-5066-6, € 29,95
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