Erhalten Fotoshooting-Kunden automatisch die Nutzungsrechte an den Fotos?

Erhalten Fotoshooting-Kunden automatisch die Nutzungsrechte an den Fotos?

Ich bin immer wieder überrascht: Viele Geschäftskunden fragen vor einem Shooting danach, ob sie auch eine DVD mit den Bildern des Shootings in hoher Auflösung bekommen. Das ist ein nachvollziehbarer Wunsch, keine Frage.

Allerdings: Sehr viele Kunden fragen nicht nicht nach Nutzungsrechten.

Häufig wird das einfach gleich gesetzt und es herrscht die Meinung: Wenn ich die DVD mit den Bildern in hoher Auflösung habe, kann ich auch damit machen, was ich möchte. Schließlich habe ich ja für das Shooting bezahlt! Dass die tatsächliche Rechtslage ganz anders aussieht, wissen vielen Menschen nicht.

Daher finde ich es ganz wichtig, schon vor Angebotsabgabe genau den Verwendungszweck der Fotos zu erfragen und darauf abgestimmt das Angebot abzugeben.

Im Angebot steht dann: “Erstellung von … Fotos für die Verwendung in ….”.

Wenn die Fotos so gut werden, dass der Kunde sie auch noch Jahre später in ganz anderen Publikationen verwendet, dann muss klar sein, dass das durch das ursprüngliche Angebot nicht mehr abgedeckt ist und der Fotograf eine zusätzliche Rechung schreiben kann.

Kunden, die häufig mit Fotografen zu tun haben, kennen das Thema. Aber andere Kunden, die nicht so erfahren sind, fühlen sich schnell “abgezockt”, wenn der Fotograf für sie überraschend noch einmal kommt und eine Rechung stellen möchte, mit der sie nicht gerechnet haben.

Und (negativ) überraschen sollte eigentlich kein Fotograf seinen Kunden. Wenn er es versäumt hat, vor dem Auftrag in angemessener Form (schriftlich) darauf hinzuweisen, was genau er angeboten hat, sollte er es unterlassen, nach dem Auftrag nachzukarten.

Dann ist es schon besser, sich auf die Lippe zu beissen, selbst wenn man sich im Recht fühlt, und beim nächsten Mal ein eindeutig formuliertes Angebot vorzulegen.

Wer der ganzen Diskussion aus dem Weg gehen möchte, bietet gleich ein sogenanntes “Buy Out” an, viele Kunden fordern das sogar. Damit ist gemeint, dass der Fotograf auch bei weitergehender Nutzung auf zusätzliche Nutzungshonorare verzichtet. Egal, wofür der Kunde die Fotos verwendet, der Fotograf ist daran nicht mehr beteiligt.

Viele Fotografen-Organisationen (wie zum Beispiel freelens oder freischreiber) lehnen dieses Buy Out aus verständlichen Gründen ab. Aber auch für die Kunden ist ein Buy Out nicht in jedem Fall so interessant, wie es auf den ersten Blick aussieht: Wenn unbeschränkte Verwertungsrechte gefordert werden, muss der Fotograf das in sein Angebot einpreisen, auch wenn die Bilder nach dem Shooting nicht oder nur wenig verwendet werden.

Es ist also in beiderseitigem Interesse, dass nur das abgerechnet wird, was geleistet bzw. genutzt wird.

Wenn es aber so läuft, dass für das selbe Honorar, für das früher einmalige Nutzungsrechte eingräumt wurden, nun unbeschränkte Nutzungsrechte vergeben werden, dann ist das ein schlechtes Geschäft für alle Kreativen. Und dass dagegen die Organisationen der Kreativen Sturm laufen, ist verständlich.

Wie sind Eure Erfahrungen bzw. welche Nutzungsrechte bietet Ihr Euren Firmenkunden an?

Ich arbeite als Portrait-Fotograf und führe ein Fotostudio in Heidelberg. Außerdem biete ich Coachings und Trainings zu den Themen Fotografen-Marketing und Photobusiness an.

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