Kameras

Hasselblad X1D

Von 12. Juli 2016 Kein Kommentar

Hasselblad X1D – Ein erster Eindruck (Hands on)

Der Hamburger Fotograf und Autor MiGel war für uns bei einer Produktpräsentation der spiegellosen Mittelformatkamera Hasselblad X1D. Hier sein Bericht.

2015 war kein leichtes Jahr für Hasselblad. Das zumindest gestand CEO Perry Oosting überraschend beim Vorstellungstermin der X1D in Hamburg. Man habe deshalb alle Mittel in das gesteckt, was zähle: die Produkte.

2016 nun meldet sich Hasselblad also zurück. Mit einer neuen Kamera, neuem Konzept, neuem System. Das stieß beim Fachpublikum durchaus auf Anerkennung und Gegenliebe. Eine so kompakte, leichte Mittelformatkamera (725g inkl. Akku) haben sich anscheinend viele gewünscht.

Kamera im Vergleichsbild: Panasonic Lumix GM5 (kaum größer als eine normale Kompaktkamera)

Kamera im Vergleichsbild: Panasonic Lumix GM5 (kaum größer als eine normale Kompaktkamera)

Technische Ausstattung

Die Ausstattung glänzt für die oft eher etwas anachronistisch wirkende MF-Welt mit beeindruckenden Daten. Touchscreen, spiegelloser elektronischer Sucher, Dual-SD-Slot, USB3, Videoaufnahme in FullHD/25p, WLAN (2.4 und 5GHz), GPS – das klingt ziemlich up-to-date. Gepaart mit dem selben 50MP-CMOS-Sensor von Sony, der sich auch in der H6D findet und hier erstmals ISO 100-25600 erlaubt, ist die X1D eine Kamera die aufhorchen lässt.

Das will Hasselblad, fast Marken-untypisch, nicht mit dem Preisschild wieder verderben: 7900€ (netto) sind eine Ansage.

Ein optional erhältlicher Adapter erlaubt den Einsatz aller H-Objektive, einige ältere werden aber nur ohne Autofokus arbeiten – weitere Einschränkungen gibt es nicht.

Die kompakten Ausmaße der X1D erreicht der schwedische Hersteller auch dadurch, dass sich kein Verschluss in der Kamera findet. Belichtet wird mit dem Zentralverschluss der Objektive. Deren Auslösegeräusche (erfahren zumindest am 45mm) sind übrigens nicht eben dezent, auch ist der klang recht metallisch und hoch – gewöhnungsbedürftig.
Beim Handgriff hat Hasselblad trotz der extremen Gehäuse-Diät nicht gespart, der fällt angenehm voluminös und griffig aus – daran sind andere schon gescheitert.

Mir persönlich fehlt ein Klapp- oder Schwenkmonitor, der den fehlenden Lichtschachtsucher und das damit vermisste “waist-level-shooting” kompensiert hätte. Damit war ich aber bei den Anwesenden eher in der Minderheit.

Hasselblad X1D

Elektronischer Sucher

Ein elektronischer Suche ist bei Mittelformatkameras Neuland. Er konnte mich nicht so recht überzeugen (allerdings bin ich bisher auch kein großer Freund dieser Technik). Er wirkte etwas blass und der Augenabstand für Brillenträger nicht optimal. Auch hatte er mit etlichen Problemen zu kämpfen, doch dazu mehr unter „Firmware“.

Die Akkuaufzeit der Kamera wurde von den Mitarbeitern vor Ort mit 3 Stunden bzw. 500-600 Bilder angegeben. Ob sich das in der Realität erreichen lässt, wird die Praxis zeigen. Ein so großer Sensor, der die ganze Zeit in Betrieb ist, dürfte einiges an Strom schlucken – das war schon an dem merklich aufgeheizten Gehäuse spürbar. Dafür scheint der 3200mAh-Akku eher klein dimensioniert. Die speziellen Hasselblad-Akkus wird es für 95€ plus MwSt. zu erwerben geben.

Zubehör

Tasche, Objektive, Zusatzakku oder den Adapter für H-System-Objektive gibt es extra zu kaufen.

An Objektiven stellt Hasselblad dann auch gleich 2 passende vor und verspricht ein drittes zur Photokina. Ein 45mm (1900€ netto), ein 90mm (2290€) und das 30mm bilden den Systemauftakt. Ein ebenfalls kommendes Zoom-Objektiv ist ein offenes Geheimnis.

Hasselblad X1D

Bedienung

Was mir ebenfalls sehr gut gefiel war das schlicht aber elegant wirkende Bedienmenü auf dem 3 Zoll-Bildschirm, das in einfachem schwarz-weiß gehalten und angenehm groß gestaltet war – wichtig für Touch.
Die angezeigten Piktogramme ließen sich auch schnell und intuitiv ausblenden (ähnlich wie bei der App-Deinstallation bei iOS) und das Menü so personalisieren und entschlacken.

Separate Bedienelemente am Body gibt es darüber hinaus für ISO/WB, AF/MF-Umschaltung, sowie Belichtungs- und AF-Speicherung. 2 Einstellräder erlauben schnelles Verstellen von Werten, das Moduswahlrad wird mit einem Druck ins Gehäuse arretiert und ist so auch nicht mehr im Weg. Der oben sitzende Blitzschuh ist voll kompatibel zum Nikon-System. Eine zusätzliche Synchronbuchse gibt es allerdings nicht.

Firmware

Große Sorgen bereitete mir während des Tests allerdings weniger die Hardware, als die (nicht finale) Firmware. Hier waren noch viele Funktionen fehlerhaft oder nicht vorhanden. Für eine Kamera, die bereits Ende August an Kunden ausgeliefert werden soll, erscheint mir persönlich das doch bedenklich. Da es sich hier also um Vorserienmodelle handelte, kann ich keine abschließenden Aussagen zum praktischen Umgang mit der Kamera machen.

Aktuell fehlte die Möglichkeit, einen anderen als den mittleren AF-Punkt zu nutzen, der Sucher zeigte extreme Rolling-Shutter und Unschärfeeffekte bei Bewegung sowie Streifenbildung, der AF war (nicht mittelformatuntypisch) eher langsam und zögerlich. Die Auslöseverzögerung und Dunkelbildzeit war ebenfalls erheblich. All das soll noch per Software nachgebessert werden bis zur Auslieferung.

Bildqualität und Sensor

Um die Bildqualität muß man sich aller Voraussicht nach aber keine Gedanken machen, der Sensor aus der H6-Serie beeindruckt mit 14 Blenden Dynamikumfang und -selbst im Vorserienmodell- sehr gutem Rauschverhalten.

Fazit

Mir gefällt das neue Konzept der Hasselbald X1D sehr und auch das Datenblatt ist überzeugend. Allerdings ist der Praxiseindruck derzeit noch von den aktuellen Fehlern und Schwächen der Firmware getrübt. Das Objektivprogramm ist bisher noch klein.

 
 

migel

Der Autor dieses Gastbeitrags, MiGel, arbeitet als Fotograf in Hamburg und ist freier Autor für Fachmagazine wie digit! und FotoMagazin sowie seines eigenen Blogs „Licht(in)former“.

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