Fotostudio planen und einrichten – Worauf soll man achten?

Fotostudio planen und einrichten – Worauf soll man achten?


Fotografen, die sich ein Fotostudio einrichten möchten, sind erst einmal auf der Suche nach einer passenden Immobilie. Aber welche Räumlichkeiten sind für die Einrichtung eines Fotostudios geeignet? Und wie sollte die technische Ausstattung aussehen?

Natürlich sind die Anforderungen je nach Art der Shootings, die man anschließend dort machen möchte und danach, ob das ganze berufsmäßig oder hobbymäßig ausgeübt wird, unterschiedlich, aber es gibt doch viele Gemeinsamkeiten.

Lage

Jeder Makler kennt den Spruch von den drei wichtigsten Kriterien für die Bewertung einer Immobilie („Lage, Lage, Lage“). Auch bei einem Fotostudio spielt die Lage eine große Rolle.

Grundsätzlich sollte man unterscheiden zwischen Fotostudios, die Laufkundschaft haben und solchen, bei denen Kunden nur mit festem Termin kommen.

Bei ersteren ist eine Lage möglichst in einer Fußgängerzone o.ä. sinnvoll, bei der viele potentielle Kunden am Schaufenster vorbei kommen.

Kommen Kunden nur auf Bestellung oder werden vor allem Industrie- oder Werbekunden bedient, ist eine Lage in einem Gewerbegebiet mit guter Verkehrsanbindung und ausreichenden Parkplätzen eher sinnvoll.

Auch die Entferung vom eigenen Wohnort ist zu beachten, ist diese Entfernung doch bei jeder Fahrt zum Studio zurückzulegen.

Abmessungen des Raums

Für Fotostudios, in denen Personen (Ganzkörper) fotografiert werden sollen, ist ein Mindestraumhöhe von 3 Metern anzuraten, ansonsten bekommt man zu viele Probleme bei dem Aufhängen der Hintergrundsysteme.

Hintergrundpappen haben eine Breite von 2,70 oder mehr. Damit daneben noch ausreichend Platz für die Blitzstative bleibt, benötigt man mindestens eine Raumbreite von 5 Metern.

Die Länge des Raum sollte mindestens 6 – 8 Metern betragen, damit man eine ausreichende Aufnahmeentfernung realisieren kann.

Die vorgenannten Maße gelten für People-Fotografie. Werden Autos oder andere Dinge fotografiert, sehen die Empfehlungen natürlich wieder ganz anders aus.

Fenster

Manche Fotografen arbeiten gerne in Tageslicht-Fotostudios, dann sind großflächige Fenster natürlich hilfreich. In aller Regel wird Tageslicht aber vermieden, daher sind Fenster eher hinderlich oder werden abgeklebt.

Decke

Welche Farbe und welche Beschaffenheit hat die Decke? Kann man Decken-Aufhängungen für Studioblitze anbringen?

Wände

In aller Regel werden in Fotostudios die Wände weiß gestrichen, teilweise wird auch schwarz oder grau gewählt. Eine wie auch immer geartete Farbigkeit ist nicht sinnvoll, weil man unerwünschte Farbstiche durch Lichtreflektionen in die Fotos bekommt.

Bei weißen Wänden muss man immer mit reflektierendem Streulicht rechnen. Will man das vermeiden, hängt man die weißen Wände mit schwarzem Molton ab oder streicht sie gleich schwarz. Ehrlich gesagt würde ich mich aber in einem schwarz gestrichenen Studio unwohl fühlen, daher sind die Wände in meinen Studios bisher immer weiß gewesen.

Heizung

Die Räume sollten gut heizbar sein. Insbesondere bei leicht oder gar nicht bekleideten Models ist eine angenehme Raumtemperatur notwendig.

Mein Tipp: Nicht nur danach schauen, ob Heizkörper vorhanden sind, sondern sich auch vergewissern, dass die Räumlichkeiten gut gedämmt sind. Mir hat man einmal ein ehemaliges Lager als Fotostudio angeboten, dass zwar über Heizkörper verfügte, dessen Wände und Fußboden aber absolut ungedämmt waren. In diesem Fall wird man im Winter auch mit gut funktionierenden Heizkörpern keine ausreichende Raumtemperatur erreichen können.

Klimaanlage

Für manche Fotografen ist eine Klimaanlage im Studio dringend erforderlich. Die meisten Fotostudios verfügen aber ohnehin über wenig Fensterflächen, sodass auch im Sommer wenig Wärme in den Raum dringt.

Zugang

Ein großer Zugang im Erdgeschoß ist hilfreich, wenn ein Kunden zum Beispiel mit seinem Motorrad im Studio fotografiert werden möchte. Auch der Transport von sperrigen Dinge wird so deutlich erleichtert. Befindet sich das Studio dagegen im 3. Stock, ist ein geräumiger (Lasten)-Aufzug sehr wertvoll.

Sanitäreinrichtungen

Absolute Mindestausstattung sind Waschbecken und Toilette. Eine Dusche ist hilfreich, aber aus meiner Sicht nicht unbedingt erforderlich.

Kosten

Nicht ganz unwichtig sind natürlich auch die Kosten. Dazu zählen Miete, Nebenkosten und die Mehrwertsteuer. Wird eine Immobilien ohne Ausweis der Mehrwertsteuer vermietet, ist dass für einen Berufsfotografen natürlich ein Nachteil, weil er die Mehrwertsteuer steuerlich nicht geltend machen kann.

Tageslicht- oder Kunstlicht-Studio?

In aller Regel denkt man bei einem Fotostudio eher daran, mit Studioblitzen zu arbeiten. Aber auch ein Tageslichtstudio ist denkbar. Hat das Studio große Fensterflächen und kann man seine Fotoshootings vornehmlich tagsüber durchführen, ist es durchaus denkbar, das Fotostudio als Tageslichtstudio zu betreiben. Unabhängiger von der Tageszeit und von einfallenden Licht ist man aber in jedem Fall mit einer Lichtführung durch Blitz- oder Dauerlicht.

Tageslicht

Bei einem Tageslicht-Studio benötigt man zur Lichtführung nur ein paar Aufheller, um das von den Fenstern einfallende Licht zu reflektieren. Dabei muss man nicht unbedingt auf die relativ teuren Aufheller von beispielsweise California Sunbounce zurückgreifen. Einfache Styropor-Platten oder ähnliches tun es auch, denn die Platten müssen ja nicht zum Transport platzsparend zusammengelegt werden können.

Dauerlicht

Noch vor einigen Jahren hatten Dauerlicht-Anlagen den großen Nachteil, dass sie sehr viel Wärme produziert haben und von der Lichtausbeuter sehr eingeschränkt waren.

Heute dagegen sind LED-Panels und Dauerlicht-Lampen verfügbar, die kaum warm werden und ausreichend hell sind. Nur mit der Wahl der Lichtformer ist man gegenüber Blitzen noch etwas eingeschränkt.

Blitzanlage

Eine Blitzanlage lebt in der Regel deutlich länger als die Digitalkamera. Daher lohnt es sich, hier ein paar Euro mehr auszugeben und auf Qualität zu setzen.

Folgende Qualitätsaspekte sind wichtig:

  • Mechanische Stabilität (ist der Blitzkopf wertig und stabil gebaut oder fallen nach wenigen Monaten die Bedienknöpfe ab?)
  • Wiederholgenauigkeit (gibt des Blitzkopf konstant dieselbe Lichtleistung ab oder schwankt die Helligkeit von Bild zu Bild?)
  • Farbstabilität bei Leistungsänderungen (Bleibt die Farbtemperatur stabil, auch wenn die Leistung verändert wird?)
  • Regelbereich (Wieviele Blendenstufen umfasst der Regelbereich?)
  • Bajonett (Welches Bajonett ist verbaut und gibt es dafür auch von Fremdfirmen Lichtformer?)
  • Abbrenndauer (Wie lang bzw. kurz ist die Abbrenndauer? Können beispielsweise Sprungbewegungen eingefroren werden?)
  • Wiederaufladezeit (Wie lange dauert es, bis der Blitz nach dem Auslösen wieder einsatzbereit ist?)
  • Gewicht (Wie schwer ist das Gerät?)
  • Service (Lassen sich die Blitze reparieren und sind Ersatzteile verfügbar?)

Hintergrundsystem oder Hohlkehle

Für die typischen Studioaufnahmen vor neutralem oder einfarbigem Hintergrund benutzt man entweder ein Hintergrund-System zur Aufnahme von Papierrollen oder eine gemauerte bzw. gezimmerte Hohlkehle.

Die Benutzung von Stoffhintergründen (beispielsweise Molton) ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll, beispielsweise wenn auf Ganzkörperaufnahmen verzichtet werden kann. Denn Molton bekommt man nie ganz faltenfrei, muss also die Falten durch Wahl einer offenen Blende oder durch gezielte Lichtführung eliminieren. Das funktioniert allerdings bei Ganzkörper-Aufnahmen nicht, weil die Person ja auf dem Hintergrund steht.

Schmink- und Umkleideplatz

Wenn man in seinem Fotostudio nicht nur Sachaufnahmen macht, sondern auch (oder ausschließlich) Menschen fotografiert, braucht man einen Schmink- und Umkleideplatz.

Besprechungsbereich

Für Kundengespräche bzw. Vorbereitungsgespräche mit Models ist ein Besprechungsbereich / Besprechungstisch sinnvoll.

Küche

Wenn man die Möglichkeit hat, in seinem Fotostudio eine kleine Küche einzurichten, ist das natürlich super. Ansonsten reichen aber auch Kaffeemaschine und Kühlschrank für Kaltgetränke.

Requisiten

Manche Fotografen haben ein Requisitenlager, das größer ist, als das restliche Studio. Meistens wird man aber mit einem größeren Schrank oder einem kleinen Nebenraum auskommen.

Vollausstattung?

Mein Tipp: Nicht alles mögliche auf Vorrat anschaffen. Lieber erst nach und nach je nach Bedarf „aufrüsten“ und, ganz wichtig, nicht benötigte Ausrüstung auch einmal wieder entsorgen. Ansonsten verkommt das Fotostudio über kurz oder lang zu einem Gerümpellager, in dem man sich selber kaum noch zurecht findet.

Mein eigenes Fotostudio

Fotostudio Einrichtung

Mein eigenes Fotostudio ist 55 qm groß, was für meine Zwecke (Porträtfotografie) ausreicht. Es ist folgendermaßen ausgestattet

  • Raumgröße: 5 Meter breit und 11 Meter lang
  • Raumhöhe: 3 Meter
  • Abgetrennter Umkleide- und Schminkbereich
  • Besprechungstisch (ausziehbar) mit bis zu 10 Sitzplätzen
  • Set 1: Hintergrundrollensystem
  • Set 2: Moderne Sitzecke mit verschiedenen Hintergründen
  • Material- und Requisiten-Lager
  • Musikanlage
  • Grafik-Monitor für Tethered Shooting
  • Waschbecken im Studio und Toiletten im Haus
  • Gute Heizmöglichkeiten sowie Klimaanlage
  • Drei eigene Parkplätze direkt vor dem Fotostudio

Die Studioblitzanlage besteht aus folgenden Teilen

  • 4 Hensel Expert Pro Plus 500 Ws
  • 2 Hensel Expert Pro Plus 250 Ws
  • 1 Softbox Hensel 80 x 100 cm
  • 1 Softbox Aurora 90 x 120 cm
  • 1 Oktabox 120 cm mit Wabe
  • 1 Striplight Aurora 40 x 120 cm mit Wabe
  • 1 Striplight Aurora 40 x 180 cm mit Wabe
  • 1 Beauty-Dish
  • Diverse Normalreflektoren, Schirmreflektoren, Wabeneinsätze, Flügeltore

Und Dein Fotostudio?

Alles, was ich geschrieben habe, beruht auf meinen persönlichen Anforderungen. Je nachdem, was Du in dem Studio machen möchtest, kann das bei Dir ganz anders aussehen.

Schreib mir doch mal mal, worauf Du bei der Einrichtung Deines Fotostudios geachtet hast oder achten wirst. Ich bin gespannt!

Ich arbeite als Porträt- und Unternehmens-Fotograf und führe ein Fotostudio in Heidelberg. Außerdem biete ich Coachings und Trainings zu den Themen Fotografen-Marketing und Photobusiness an. Mehr

7 comments

  1. ReplySascha

    Hi, genau so ein Raum habe ich jetzt endlich nach längerem Suchen gefunden. 6x7m mit 6m Fensterfront. Einzig das Requisitenlager ist nicht so groß :), nur eine abgeteilte Ecke mit zwei Schränken. Aber genau das was du hier beschreibst habe ich für mich genau so definiert. Min. 5m breit und min. 6. lang und 3m Höhe. Ich freu mich schon riesig drauf darin zu arbeiten.

  2. ReplyMüller Hanspeter

    Hallo Michael
    Ein sehr guter Beitrag. Da werden sich viele darüber freuen. Mein jetziges Studio ist knapp 70m2 gross und hat eine Höhe von sagenhaften 4,65m. Für die People- und Sachfotografie einwandfrei. Es ist auch mit fast allem was Du erwähnt hast ausgerüstet. Ich möchte noch einen Tipp abgeben. Mein erstes Studio vor 38 Jahren war nur 4.08 x 5.2m gross, da hatte ich links und rechts Wandarme für die seitlichen Blitze montiert, so kamen nie Stative in den Weg.
    Gruss Hanspeter

  3. ReplyTobias Bugala

    Ich habe umlaufend an drei Seiten massive Vorhangschienen aus dem Krankenhausbedarf an der Decke angebracht und aus weißem und schwarem Mollton Vorhänge nähen lassen. So kann ich spontan von „highkey“ auf „lowkey“ umstellen und kann den Platz zwischen Wand und Vorhang als Lagerfläche nutzen.

    Natürlich lässt sich der Vorhang auch komplett zur Seite schieben, so dass ich eine Wand auch als ‚echten Hintergrund zum anlehnen‘ nutzen kann.

    Du könntest Deine Deckenlampen auf farbechte Tageslicht-Röhren umstellen, dann hättest Du keinen Farbstich mehr. Und man bleibt in einem Raum, der bei 5600K beleuchtet wird, länger fit :-)

    Gruß aus Stuttgart

    Tobias

  4. ReplyMarkus Thoma

    Ich glaube du hast keinen Punkt ausgelassen! Guter Beitrag. Ich selbst würde, wenn ich ein eigenes Studio angehen würde, auf Available Light gehen. Also von Grund auf schauen, dass man auch gut Projekte mit natürlichem Licht umsetzen kann. Blitzen kann man immernoch, sofern dann auch Möglichkeiten der Abdunkelung vorhanden wären.
    Gruß,
    Markus

  5. ReplyIvo

    Der Artikel kommt irgendwie gerade passend.
    Mir wurde eine Räumlichkeit angeboten und ich bin am überlegen ob es sich rechnet. Im Moment shoote ich im 4x4m ehemaligen Schlafzimmer. Und das nur Nebenberuflich. Daher kämpfe ich schon noch mit mir. Reizvoll ist es aber schon, das ganze aus der Wohnung zu verbannen. Aber diesen Schritt zu wagen, ist schon eine Hausnummer.
    Die Angabe der Größe die man braucht ist auf jeden Fall sehr hilfreich.
    Danke für den Beitrag!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Kostenlos: eBook Marketing für Fotografen
Anregungen für Dein Marketing direkt aus meiner eigenen Praxis als Fotograf
Kostenlos: eBook Marketing für Fotografen
Anregungen für Dein Marketing direkt aus meiner eigenen Praxis als Fotograf

Als Ergänzung erhältst Du alle 10 Tage kostenlose Creativebiz Quicktipps.
Ich respektiere Deine Privatsphäre und versende keinen Spam.
Eine Abmeldung ist jederzeit möglich.