Kaution / Sicherheitsleistung für Online-Modelagentur

Kaution / Sicherheitsleistung für Online-Modelagentur


Dieser Beitrag erscheint im Rahmen von „Fragen an FOTOGRAFR„.

Das männliche Model Marco schreibt mir:
Ich habe mich vor einigen Tagen online bei der Modelagentur *** beworben. Heute habe ich die Zusage von dieser Agentur bekommen, bin mir jetzt aber nicht sicher, ob diese wirklich seriös ist und wollte jetzt Sie dabei um Hilfe bitten.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir sagen könnten, ob ich mich dort beruhigt anmelden kann, oder es lieber lassen sollte.

Dann schickt er mir noch weitere Details zu der angesprochenen Agentur.

Als erstes muss ich zugeben, dass ich die angesprochene Agentur nicht kenne und daher kein abschließendes Urteil abgeben kann. Aber ich habe in den letzten Jahren mit einer ganzen Reihe von Modelagenturen zu tun bekommen und kenne daher einige Kriterien, die darauf hindeuten, ob eine Agentur seriös oder unseriös arbeitet:

1. Es erfolgt keine Auswahl der Bewerbungen, sondern allen Bewerbern wird zugesagt
Das ist für den einzelnen Bewerber natürlich schwierig, festzustellen. Man selber hält sich ja in jedem Fall für geeignet und findet die Zusage auch angemessen. Wenn die Agentur aber offensichtlich sehr unkritisch ist, sollte einem das zu denken geben.

2. Die Agentur ist nicht Mitglied im VELMA
Wenn die Modelagentur Mitglied im VELMA (Verband der lizensierten Modelagenturen) ist, kann man davon ausgehen, dass sie serös arbeitet. Ist sie nicht in diesem Verband, muss das zwar nicht unbedingt etwas schlechtes bedeuten, ist aber ein weiteres Zeichen.

3. Die Agentur hat kein Büro
Wenn man die Mitarbeiter der Agentur nicht persönlich besuchen kann, sollte das stutzig machen.

4. Keine nachprüfbaren Referenzen
Wird von großen Aufträgen und renommierten Kunden gesprochen, klingt das vertrauenserweckend. Diese Referenzen sollten sich aber auch konkret nachprüfen lassen!

5. Es wird eine Kaution verlangt
Die Agentur verlangt eine Sicherheitsleistung von dem angehenden Model. Das sollte alle Alarmglocken schrillen lassen! Begründet wird das häufig damit, dass man sichergehen möchte, ob das Model bei Aufträgen auch zuverlässig erscheint.

Selbstverständlich ist es so, dass eine seriöse Agentur ein großes Problem hat, wenn Models ihre Aufträge nicht zuverlässig wahrnehmen. In aller Regel wird dieses Risiko aber nicht dadurch vermieden, dass eine Sicherheitsleistung verlangt wird, sondern indem man sich das Model vor der Vermittlung von Aufträgen gut anschaut und sich einen Eindruck von der Person macht.

Wird, wie in dem Fall des Fragestellers, eine Kaution in Höhe von 60 Euro verlangt, ist das ohnehin witzlos. Erscheint ein Model zu einem gebuchten Termin nicht zuverlässig, so entstehen schnell Kosten im vierstelligen Bereich. Da helfen die 60 Euro auch nicht viel weiter.

Hier liegt eher die Vermutung nahe, dass mit der relativ geringen Kaution die Hemmschwelle gesenkt werden soll (… sind ja nur 60 Euro …) und das ganze Geschäftsmodel der Agentur darauf abzielt, möglichst häufig diese 60 Euro einzusammeln.

Das alles sind aber nur Anzeichen, die einen dazu veranlassen sollte, näher nachzufragen. Es gibt nämlich auch eine ganze Reihe von kleineren Agenturen, die zwar nicht Mitglied im VELMA sind, aber durchaus seriös arbeiten. Sicherheit, mit einem seriösen Partner zu arbeiten, bekommt man zum Beispiel, wenn die Modelagentur mehrere Models als Referenz benennen kann, die echte Aufträge vermittelt bekommen haben. Aber hier gilt: Nachprüfen und mit dem Models telefonieren! Denn es wird häufig viel heiße Luft geredet, die sich schnell als unwahr herausstellt.

Mein Fazit: Verlangt eine Modelagentur eine Geldzahlung von einem angehenden Model, kann das ein Zeichen dafür sein, dass die Agentur in Wirklichkeit von diesen Kautionen lebt und nicht von der Vermittlung von professionellen Aufträgen.

Ich arbeite als Business- und Industrie-Fotograf in Heidelberg und helfe als Coach kreativen Menschen dabei, etwas in ihrem Leben zu bewegen und von ihrer Arbeit gut leben zu können.
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3 comments

  1. ReplyThierry

    Sehe ich ebenso. Wenn eine Agentur zuerst Geld will, bevor sie vermittelt.
    Kürzlich habe ich einen Anruf eines Models erhalten. Sie ist 19 Jahre alt und aus der Westschweiz. Sie hatte sich bei einer Agentur angemeldet und als es hiess sie müsse bezahlen, wurde ihr das ganze suspekt. Um in der Kartei aufgenommen zu werden und damit auf der Homepage präsent zu sein, müsse sie eine einmalige Gebühr von CHF 240.– (mit dem heutigen €uro eine einfache Rechnung) bezahlen. Ich habe ihr davon abgeraten. Erstens fand ich den Betrag nicht gerechtfertigt. Die Agentur nimmt jede Person in die Kartei ohne Spezialisierung auf. Die Vermittlungsgebühren sollte die Agentur beim Auftraggeber holen und nicht bei einem Model, dass dies als Nebenjob macht um ihr Studium zu finanzieren. Ausserdem ist die Homepage der Agentur auf dem Stand der Technik von 1998, da bringt es nicht viel dort vertreten zu sein.

  2. ReplyStefanie

    Hallo, die Hinweise sind sehr hilfreich. Wie findet man nun aber eine ordentliche Modelagentur? Alle anrufen…. etwas viel, überall hinfahren, zu weit… Man verlässt sich auf das Internet…. und das ist problematisch!?

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