Muss ein Porträtfotograf ein guter Psychologe sein?

Muss ein Porträtfotograf ein guter Psychologe sein?

Ein Fotograf, der mit Menschen vor der Kamera arbeitet, muss andere Fähigkeiten besitzen, als jemand, der Blumen oder Landschaften fotografiert. Aber welche psychologischen Eigenschaften braucht ein Porträtfotograf tatsächlich?

Leute, die selten vor der Kamera stehen, sind oft aufgeregt oder verunsichert, wenn sie zu einem Fotografen kommen. Was soll ich vor der Kamera tun? Wie soll ich schauen? Wohin soll ich gucken? Was mache ich mit meinen Händen? Wie sehe ich überhaupt aus? …..

Aufgabe des Fotografen ist, seinen Kunden Sicherheit und Selbstvertrauen zu vermitteln, damit die Ausstrahlung der Person optimal zur Geltung kommt. Daher sind in meinen Augen psychologische Fähigkeiten sehr wichtig, um ein guter Porträtfotograf zu sein.

Als ich vor einiger Zeit den Diplom-Psychologen Roland Kopp-Wichmann vor der Videokamera hatte, habe ich die Chance genutzt, ihn nach seiner Sichtweise zu fragen.

Er selber lässt in regelmäßigen Abständen Porträtfotos von sich machen und kann uns Fotografen gute Tipps geben, wie wir mit unseren Kunden umgehen sollten, damit sie sich wohlfühlen und uns nach dem Fotoshooting weiterempfehlen.

Viel Spaß bei dem Video:

Mehr über Roland Kopp-Wichmann findet Ihr auf dem Persönlichkeits-Blog.

Wie sind Deine Erfahrungen?

  • Welche Beobachtungen hast Du als Fotograf gemacht?
  • Welche Eigenschaften schätzen Deine Kunden an Dir?
  • Wie erreichst Du, dass sich die Kunden bei Dir wohlfühlen?

Oder bist Du eher Kunde eines Fotografen und hast daher ganz bestimmte Vorstellungen und Anforderungen, wie das Shooting ablaufen soll?

Ich freue mich auf Eure Kommentare!

Ich arbeite als Porträt- und Unternehmens-Fotograf und führe ein Fotostudio in Heidelberg. Außerdem biete ich Coachings und Trainings zu den Themen Fotografen-Marketing und Photobusiness an. Mehr

9 comments

  1. ReplyElla Wetli

    Vielen Dank für diesen aufschlussreichen Beitrag, ich fand ihn sehr interessant! 🙂
    Meine Erfahrung ist, dass ich wohl irgendetwas habe oder ausstrahle, das meine Kunden mögen. Was genau es ist weiss ich nicht und ich kann daher auch nicht sagen, dass ich es bewusst einsetze. Ich freue mich aber immer, wenn mir meine Kunden mitteilen, dass sie sich wohlgefühlt haben.
    Ich hatte letztes Jahr ein spezielles Erlebnis: Eine Familie kam zu einem Shooting zu mir, bei der Begrüssung merkte ich sofort, dass der Vater so gar nicht motiviert war, er kam wirklich griesgrämig rüber, stampfte fast in mein Studio, wich meinem Blickkontakt aus und war sehr kurz angebunden. Ich sagte dann spontan zu ihm: „Aha, der Papa wurde wohl zu einem Shooting verdonnert?“ Das bestätigte er mit einem Lächeln, und von da an lief es wie geschmiert und das Shooting wurde ein voller Erfolg. Der Vater taute auf und die ganze Familie hatte Spass. Habe ich das bewusst zu dem Vater gesagt? Nein.
    Wenn ich etwas bewusst mache, dann ist es mein Interesse an der Person des Kunden, seinem Umfeld, seinem Beruf etc. Ich suche in der Regel Kontakt mit ihm/ihr in dem ich offene Fragen stelle wie zum Beispiel nach dem Beruf oder Hobby, Familie, Urlaub etc. und von da an weiter. Scheue/nervöse Personen frage ich oft auch direkt ob sie denn aufgeregt oder nervös seien und mein Verständnis für ihr Gefühl und mein Versprechen, dass sich diese Nervosität spätestens nach den ersten 10 Aufnahmen legen würde hilft schon viel. Ich erzähle bewusst nicht von mir sondern lasse den Kunden reden. Wenn gefragt oder wenn angebracht, erzähle ich kurz aus meinem Leben zum Beispiel zur Bestätigung, dass ich eine bestimmte Erfahrung, ein spezielles Gefühl oder was auch immer auch schon erlebt habe oder an einem Ort auch schon gewesen bin. Das hilft nach meiner Erfahrung ebenfalls, Ängste und Verspannungen abzubauen. Wichtig ist einfach, dass man dies so kurz wie möglich macht und direkt wieder den Kunden anspricht. Er/Sie ist Hauptperson und soll dies auch spüren. Dazu bin ich eigentlich von Natur aus eine Ulknudel und das hilft dann vielleicht auch noch. 🙂
    Liebe Grüsse
    Ella

  2. ReplyRalf Schmidt

    Wie es scheint, eine sehr gute Porträtfotografin.
    Entsprich auch unserer Erfahrung und Arbeitsweise.
    Besonders der Tanz-Vergleich hat mir sehr gefallen.
    LG, Ralf

  3. ReplyDirk Beichert BusinessPhoto

    1/3 Fotograf, 1/3 Gesprächspartner, 1/3 Psychologe – das ist die m.E. richtige Kombination. Das erste für Technik und Posing, das zweite um die Leute locker zu bekommen, das letzte um zu erkennen, wann der Fotografierte an seine Grenzen kommt, bzw. wo dessen Komfortzone beginnt und endet.

    Mehr noch – ich muss meinen Gegenüber lesen können und erahnen. Z.B. wann ich bei einem Shooting mit 2 unterschiedlich großen Personen, problemlos einen davon auf eine Kiste stellen kann oder wann das überhaupt nicht geht, weil der kleinere dann tödlich beleidigt wäre. Oder wann ich, bei besonders nervösen Personen, lieber auf die letzten zwei Anweisungen für die Handhaltung verzichte, aber dafür einen entspannteren Gesichtsausdruck bekomme. Ich muss erfühlen, wie ich mit meinem Gegenüber kommunizieren soll – mancher mag es eher formal, mancher geht gleich zum „Du“ über. Und dergleichen mehr.

    My 2 cents

    Dirk Beichert, Business-Fotograf

  4. ReplyMikaSixLima

    Hallo,
    vielem lieben Dank für diese Beitrag. Ich bin auch der Meinung, dass ein Fotograf in gewisser Weise psychologisch veranlagt sein sollte. Es sind aber nicht nur Fotografen, die diese Eigenschaften mit sich bringen sollten. Es mag seltsam klingen aber beispielsweise im IT Support wird einem auch ein gewisses Maß an Empathie abverlangt. Dieser muss sich in die Situatuation des Benutzers einfinden und immer wieder mal versuchen die Wogen zu glätten wenn der Böse Rechner nicht so arbeitet wie er soll. Man muss sich einfach verstanden Fühlen. Beim Fotografen ist dies noch viel stärker. Wenn man nicht gerade mit einem Profi Model arbeitet spiegelt sich alles in den Aufnahmen wider. Man sollte als Fotograf emphatisch veranlagt sein und gerne mit Menschen arbeiten. Es ist wichtig sich für sich sein Gegenüber zu interessieren.
    Cheers, Mika

  5. ReplyLulu

    Schöner Beitrag. Mir ist es wichtig, dass ich meine Kunden vorher kennenlerne, entspannt ohne Kamera, denn die meisten haben Angst vor dieser und das ist häufig der Grund warum sie zu mir kommen. Sie hoffen, dass ich ihnen die Angst nehmen kann. Mir ist es wichtig rauszufinden warum sie Angst haben, meistens ist der Grund der gleiche, den ich auch habe, denn auch ich habe lange zeit Angst vor der Kamera gehabt. Aber letztendlich nicht vor der Kamera, sondern vor schlechten Ergebnissen. Wobei das natürlich Ansichtssache sein kann. Ich sage immer, dass mir die Fremdwahrnehmung egal ist, meine eigene Wahrnehmung auf meine Person ist mir wichtiger. Meistens mögen die Kunden etwas bestimmtes an sich nicht und ich kenne das von mir und ich hasse es, wenn man mich dann nicht ernst nimmt. Wenn ich mein Doppelkinn nunmal nicht mag, dann will ich nicht hören, ach Quatsch, du hast doch keins. Klar, ich will natürlich auch nicht hören, dass man verstehen kann, dass ich mein Doppelkinn nicht mag. Ich möchte einfach nur hören, dass man darauf Rücksicht nimmt beim fotografieren. Allein schon das entspannt mich und ist eine bessere Basis für gute Bilder. Ungünstige Bilder können Komplexe verursachen und schöne Bilder können einem Selbstbewusstsein schenken. Danke für deine vielen Tipps. LG von Lu

  6. ReplyPatrick

    Wow. Jetzt wird aus einem Fotografen plötzlich ein Psychologe. Das halte ich doch für ausgemachten Käse. Wenn überhaupt, dann bedarf es gewisse Fähigkeiten, die Menschen vor der Kamera beruhigen zu können. Allerdings hat das mit Psychologie herzlich wenig zu tun und wenn dann Portaitfotografen beginnen von sich zu behaupten, sie wäre zu einem drittel Psychologen, dann kann ich das nicht ernst nehmen. Entschuldigung.
    Es gibt schon genug ausgebildete Psychologen, die dem falschen Beruf nachgehen und mehr schaden anrichten, als helfen. Die Hilfestellung den Menschen vor der Kamera die Angst vor der Situation zu nehmen, ist eher ein Coaching als eine psychologische Herangehensweise.

    Das Feingefühl mit Menschen umgehen zu können ist gewiss eine Voraussetzung und macht es für alle Seiten einfacher. Für Krankenschwestern gilt das jedoch auch, daher reagiere ich mit Frustration, wenn man hier plötzlich eine Eigenschaft für sich beansprucht, für deren Ausübung ein langjähriges Studium nötig ist. Entschuldigt, dass ich euch das streitig machen muss.

    Dennoch, liebe Grüße.
    Patrick

  7. ReplyChristof Luckas

    Wieder so ein unterhaltsamer Beitrag! Herzlichen Dank Michael.
    Ja, für das Fotografieren von Menschen braucht es Empathie, Einfühlungsvermögen und eine Handvoll Spiegelneuronen. Natürlich wird dadurch ein Shooting nicht zur Therapie und der Fotograf nicht zum Therapeut.
    Jedoch … wenn mal wieder ein „gaaaanz unfotogener Mensch“ erkennt, wie attraktiv er auf Fotos wirken kann, kann ein Shooting durchaus heilsame Wirkung haben.

  8. ReplyAlexander Behrens

    Moin,

    Danke für deinen Beitrag.

    Ich verwende gerne eine Transcend 32GB Wifi Karte im zweiten SD Slot. Der Kunde bekommt dann mein IPAd mit Shuttersnitch in die Hand. So kann der Kunde sofort beurteilen, wie die Fotos werden und seine Wünsche äußern.
    In diesem Fall hatte der zukünftige Vater ein paar Bilder auf der Kamera. Die Posen die gewünscht waren, konnten wir dann nach stellen. Klar hätte man auch sagen können, mach das so und so. Ich glaube aber das der Kunde glücklich mit den Bildern ist. Er konnte die Bilder mit gestalten.

    http://blog.alexanderbehrens.com/anne-und-eduard-babybauch-fotos-vom-30-11-2014

    Ich werde diese Art zu fotografieren in Zukunft weiter einsetzen.

    Viele Grüße
    Alexander Behrens

  9. Pingback: Linktipp - Blog von Hauke Jürgens

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