Außergewöhnliche Kundenwünsche erfüllen: Ja oder nein?

Außergewöhnliche Kundenwünsche erfüllen: Ja oder nein?

Das ist ein Beitrag aus der Reihe “Fragen an FOTOGRAFR”:

Sascha Faber schreibt mir:

Mit Begeisterung habe ich Ihren Blog in den letzten Tagen durchstöbert, was ich, als Amateur/Hobbyfotograf, in der Hoffnung tue, irgendetwas rauszufischen was mich in meiner fotografischen Entwicklung weiterbringen könnte.
Hat bis jetzt sehr gut geklappt und ich möchte mich bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie Ihr Wissen auf diese Art mit anderen teilen und diesen sehr infomativen Blog betreiben.

Was ich aber gerne als Frage sehen würde, bzw. was mich interessiert, da ich derzeit selber ein eher spaßiges “Shooting” von meiner Freundin und mir betrieben habe (es ist Karneval, da bietet sich Schminke an), wie sehr Sie bisher schon an Portraits herumgeschraubt haben, oder wie weit sie eine Bearbeitung betreiben würden – rein aus kreativer und beruflicher Motivation heraus?

Als Beispiel nenne ich einfach die zwei Bilder, die ich von mir und meiner Freundin angefertigt habe auf diese Seite: http://www.drull.net/?p=686
Mit Sicherheit treffen die Bilder nicht jeden Geschmack und für Print, o.ä., würde ich noch ein paar feinere Nacharbeiten betreiben, aber ich muss gestehen dass ich ein wenig stolz darauf bin – gerade da mir People Fotografie so gar nicht zusagt, geschweige denn liegt.

Würden Sie als Profi derartige Kundenwünsche erfüllen, oder nur in ihrer privaten Funktion als begeisterter Fotograf? Würden Sie solche Bilder in Ihrem Portfolio aufzeigen?

Es interessiert mich, weil ich selten derartige (oder auch anders gestylte) Fotos vor die Augen bekomme – meistens sind es die selben Kombinationen von Bildelementen, die man in der Fachpresse zu sehen bekommt; Farbe um die Augen, die noble Blässe krampfhaft angeschminkt und mit höchster Angst auch mal ein wenig abblätternde Farbe im Gesicht.

Über Ihre Antwort (oder auch gerne Verwendung im Blog – hiermit stimme ich auch der Veröffentlichug dieser E-Mail, samt Darstellung der genannten Bilder, plus Links zu) würde ich mich sehr freuen, sofern Sie die Zeit dazu finden.

Mit freundlichen Grüßen
Sascha Faber

Danke, Sascha, für Deine / Ihre Frage.

Eine Antwort hängt sicher davon ab, wie man sich selber in der Öffentlichkeit positioniert bzw. welche Bildsprache man normalerweise vertritt. Ich versuche einmal, die Fragen einzeln zu beantworten:

Würde ich ein solches Bild für mich selber machen

Ich würde selber wahrscheinlich nicht auf die Idee kommen, ein solches Bild zu machen. Zu düster und negativ ist mir die Aussage, auch wenn alles natürlich nur eine Kostümierung ist. Aber es geht ja nicht nur um das reine Bild, sondern um die Bildaussage, und die passt nicht zu meiner Art von Fotografie.

Würde ich so für einen Kunden fotografieren?

Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass ein Kunde zu mir kommt, und genau solche Bilder von mir wünscht. Kunden kommen in aller Regel, weil ist mein Portfolio gesehen haben. Bilder in einem ähnlichen Stil wünschen sie dann auch. Diese Art Fotos habe ich nicht im Portfolio, also fragt auch keiner danach.

Wenn aber doch einer käme, müsste ich überlegen, ob ich überhaupt dazu in der Lage bin, dem Kundenwunsch entsprechend zu fotografieren. Ich habe aber durchaus auch schon eine ganze Reihe Kundenanforderungen erfüllt, die nicht in mein Portfolio passen und auch niemals dort auftauchen.

Warum passt ein solches Bild nicht in mein Portfolio?

Einfach, weil ich der Meinung bin, dass man nach außen einen gewissen Stil vertreten sollte. Eine Stil, für den man steht und wegen dem einen die Kunden in aller Regel buchen. Das hat nichts mit einer Abwertung dieser Art von Fotos zu tun, sondern ist einfach eine andere Art Fotografie, als meine Kunden normalerweise von mir gewohnt sind.

Was ist Eure Meinung: Sollte man als Fotograf auch einmal über den eigenen Schatten springen und in seinem Portfolio ungewöhnliche Arbeiten zeigen, die nicht zum sonstigen Stil seiner eigenen Arbeit passen? Ist das ein Zeichen von Kreativität oder eher von fehlender Fokussierung? Ich bin gespannt auf Eure Meinungen.

Ich arbeite als Fotograf und führe ein Fotostudio in Heidelberg. Mein Schwerpunkt ist die Portraitfotografie.
Außerdem biete ich Coachings und Trainings zu den Themen Orientierung, Marketing, Kundengewinnung und Betriebswirtschaft für Fotografen an.

6 comments

  1. Dan

    Es ist im Grunde einfach. Ein Kunde hat besondere Wünsche und fragt nach, ob Du sie ihm verwirklichen kannst. Bist Du in der Bildbearbeitung nicht so kreativ, wie es sich der Kunde gewünscht, dann lass es. Zu groß ist die Gefahr, dass Du den Kunden enttäuschst. Und negative Propaganda ist ja nicht gerade förderlich..

    Aus einem anderen Blickwinkel gesehen: Du bist ein “Dark Art”-Bildbearbeiter und man fragt dich, ob Du mal nicht eine Hochzeit fotografieren könntest. hier sind die Anforderungen anders und wenn er die Technik der Hochzeitsfotografie nicht beherrscht, sollte er es ebenso sein lassen.

  2. Sven

    Ein solcher Auftrag kann ja durchaus den eigenen Horizont erweitern. Ich müsste mich im Vorfeld erst einmal sehr intensiv mit der Thematik beschäftigen, habe also auch eine. Lerneffekt davon. Ob es dann wiederum ins eigene Portfolio passt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

  3. Sven Christoph

    Wenn ein Kunde eine außergewöhnliche Idee hat und ich weiß, dass ich es für ihn aus so gut umsetzen kann, dass ich meinen Namen drunter schreiben kann mach ich auch Sachen außerhalb meines Portfolios. Nach außen hin damit werben oder es in die Refrenzgallerien stellen wahrscheinlich eher nicht. Eventluell, mit der entsprechenden Freigabe, ein Blogartikel.

  4. Gaby

    Aussergewöhnlich ja oder nein? Prinzipiell schliesse ich mich meinen Vorrednern an, wenn ich es kann und will, warum nicht? Im Portfolio zeigen muss ich es ja nicht, wenn es nicht hinein passt.

    In erster Linie muss ich mich aber mit dem Kundenwunsch identifizieren können, den Wunsch für mich selber also entweder ansprechend, interessant, horizonterweiternd oder wie auch immer motivierend finden. Ein Gefühl wie: “o.k. mache ich halt, kann ich wenigstens eine Rechnung schreiben” darf nicht aufkommen, da ich damit kaum die Motivation aufbringen könnte, alles zu geben um diesen Wunsch zu erfüllen.

    Beispiel: Ich hatte mal einen Kunden, der Aktfotos von sich haben wollte, etwas provokativ, wie er sagte. Ich fragte ihn dann, was er unter provokativ verstehe. Er meinte damit nur, dass der Akt nicht verdeckt sein sollte. Damit konnte ich mich identifizieren, da ich Männerakt sehr ansprechend finde, wenn er ästhetisch fotografiert wird. Hätte er auch nur annähernd etwas in Richtung Pornografie gewollt, hätte ich diesen Kunden abgelehnt. Mit den Aufnahmen war er sehr zufrieden.

  5. Oliver Teske

    Ich bin sicher nicht ganz der richtige antwortende weil es für mich kein Beruf ist sondern nur Hobby. Aber ich denke ich würde das Thema nicht so verbissen angehen. Wenn mir etwas Spaß macht dann fotografiere ich es wenn nicht lasse ich es sein. Wenn man nicht von leben muss geht das so. Müsste ich davon leben würde ich versuchen es genauso zu machen, soweit ich mir das leisten könnte. Evtl. entsteht daraus eine neue Interesse, etwas neues worauf man selbst nie gekommen wäre. Wenn die Bilder gut geworden sind würde ich sie auch in mein Portfolio aufnehmen, alleine schon um zu zeigen dass ich auch flexibel sein kann und auf Kundenwünsche reagieren kann.Ich denke egal ob Hobby oder Beruf es sollte Spaß machen denn nur dann sind die Ergebnisse auch gut.

    Von der Einschränkung das die Bilder moralisch vertretbar sein müssen ist sicher klar!

    Gruß
    Oli

  6. TASPP

    Was der Kunde sich wünscht, sollte er bekommen dürfen, lieber bei mir als bei jemand anderem (da ist mir das Hemd näher als die Hose).
    Die Kunden, die mich im Normalfall anfragen, sind eher nicht so versessen darauf, sich in dieser Art darstellen zu lassen, aber wie jetzt hier bei den Antworten öfter gelesen, sollte man das machen, was man auch kann.
    Und wenn der Kunde so etwas wünscht und ich kann es, dann mache ich das auch. Oder ich bringe mir das bei, was sich der Kunde wünscht. Und kann es eben dann. Dann wäre die Technik meine einzige Einschränkung!? Und die Moral …

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