Die Illusion mit dem Folgeauftrag

Die Illusion mit dem Folgeauftrag

Einige Fotografen, insbesondere Einsteiger in die professionelle Fotografie, versuchen, Aufträge zu generieren, indem sie drastisch preisreduzierte Angebote schreiben.

Die meisten Auftraggeber gehen darauf nicht ein, denn sie wissen: „You get what you pay for“, oder auch: Wer zu wenig bezahlt, muss sich am Ende über eine zu schlechte Qualität nicht wundern.

Es gibt aber auch den gegenteiligen Fall: Einige Auftraggeber versuchen, die Konkurrenzsituation unter Fotografen über Gebühr auszunutzen. Gerade erst wieder habe ich einen potentiellen Kunden erlebt, der innerhalb eines Jahres vier (!) Fotografen „verschlissen“ hat. Alle hat er damit geködert, lukrative Folgeaufträge zu bekommen, wenn man diesen ersten Auftrag sehr kostengünstig oder gar kostenlos erledigt. („Denken Sie doch an Ihre Referenzen, ich empfehle Sie gerne weiter!“)

Durch meinen Erfahrungsaustausch mit befreundeten Fotografen habe ich in diesem Fall die Masche schnell durchschaut und eine Preisreduzierung meines Angebots abgelehnt.

Anderen Fotografen kann ich nur raten:

  • Bei aller Konkurrenzsituation: Vernetzt Euch mit Berufskollegen und Mitbewerbern und lasst Euch nicht von Kunden gegeneinander ausspielen.
  • Lasst Euch nicht durch eine Aussicht auf Folgeaufträge davon abhalten, eine seriöse und kostendeckende Kalkulation für einen Fotoauftrag zu erstellen.

Weiter empfohlen werden vor allem Fotografen, die einwandfreie Arbeit zu einem vernünftigen Preis anbieten. Nicht aber Auftragnehmer, die sich abzocken lassen. Oder willst Du in der Szene den Ruf bekommen „Da ist ein Depp, mit dem kann man es machen“ ?

Ich arbeite als Porträt- und Unternehmens-Fotograf und führe ein Fotostudio in Heidelberg. Außerdem biete ich Coachings und Trainings zu den Themen Fotografen-Marketing und Photobusiness an. Mehr

15 comments

  1. ReplyP.Ther

    RICHTIG!!!
    Hier kann ich in allen Punkten uneingeschränkt zustimmen!
    Nur leider gibt es immer noch sehr viele, die „keinen Arsch in der Hose haben“ und sich nach jedem Strohhalm recken.
    Aber das gilt für alle Branchen.

  2. ReplyThomas Lippmann

    Auch ich stimme den Kollegen zu und Leute laßt Euch nicht auf sowas ein!
    Ich drehe in solchen Fällen den Spieß um und sage ok, wenn ich den Folgeauftrag erhalte dann gibts darauf Prozente.
    Oder im Folgeauftrag sind dann soundso viele Bilder frei.
    Oder wenn Sie mich empfehlen und daraus ein Auftrag erwächst, dann gibts eine Gutschrift auf künftige Aufträge von Ihnen…
    So hat man nichts abgelehnt und der Kunde ist selbst am Zug um was zu sparen.

  3. ReplyFlorian Schott

    Hallo an alle kollegen,

    Diese Situation kennt ja leider fast wirklich jeder. Bei mir wars sogar vor kurzem so, dass ich mich bei einer Agentur vorgestellt habe und die dann meinten: „Wir haben schon eine Fotografin für diese Aufträge, aber wenn sie den Auftrag XYZ für uns umsonst bzw. zu selbstkosten machen, dann nehmen wir in Zukunft vielleicht Sie anstatt ‚unserer‘ Fotografin…“

    Ich habe dann die Kollegin ausfindig gemacht und sie mal über das Vorgehen Ihrer Kunden Informaiert.. Eine Hand wäscht schließlich die andere.

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  6. ReplyMichael C. Geiss

    Kann dem nur zustimmen, wer mit „Kampfpreisen“ auf den Markt will, wird nicht lange bestehen. Ich habe auch schon erlebt, daß Kunden, nach abgeschlossenem Auftrag, die Preise drücken wollten, indem sie von meinen „Kollegen“ Kostenvoranschläge haben erstellen lassen, welche weit unter meinem berechneten Honorar lagen, nach Vorgabe des Betrages! Es sind genau diese Kunden welche mit Folgeaufträgen locken um Tiefstpreise zu erhalten. Wie schön dass diese immer wieder auf die Nase fallen mit diesen Aufträgen und dann doch noch vor der Studiotür stehen …

  7. ReplyOkashiQueen

    Heißt also auch heute noch, nicht auf Schwätzer reinfallen… und mit Kollegen vernetzen. Kollegen sind Freunde, keine Feinde. Das ziehe ich aus diesem Artikel… Danke!

  8. Replyuli kose

    seltsamerweise scheint so etwas nur im kreativen Gewerbe angefragt zu werden. Ich habe noch nie von einem Restaurant oder einem Tischler gehört, dem ähnlich dreiste Anfragen zugemutet werden. Anscheinend ist dort die Schamgrenze höher, weil man dort was „Richtiges“ und nicht „nur“ ein paar Bilder als Gegenleistung bekommt (?)

  9. ReplyMarkus Gauß -> EMQI

    Und dann gibt es da noch die Kunden die ein kostenloses Probeshooting haben wollen, da sie ja nicht wissen wie ich arbeite. Die bekommen dann eine Proberechnung, denn weiss ich ob sie auch bezahlen ? 😉

  10. ReplyTom! Striewisch

    Ich bin damals in der Startphase auch einmal darauf reingefallen.
    Seit der Zeit gibt es in solchen aus dem Ruder gelaufenen Verhandlungen das Angebot, dass nach 10 Tagesätzen einer umsonst zu haben ist.

  11. ReplyJens Braune del Angel

    Michael, du hast natürlich vollkommen Recht. Ja es gibt Sie diese Angebote mit dem Hinweis, dass es noch viele Folgeaufträge geben könnte. Interessant dann auch von wem diese Aussagen kommen, oft von Leuten, die in gehobenen Positionen sind, sogar Leitungsfunktionen für Firmen haben, die auch Umsatz generieren. Dennoch ganz klar der „Rat“ an alle, Leistung muss bezahlt werden und hat seinen Preis. Ich bin auch einmal darauf eingegangen und habe mein Angebot reduziert, aber dies war ein Fehler, den ich heute nicht mehr wiederhole. Daher ist es umso wichtiger auch im Vorfeld herauszufinden, was will der Kunden, mit wem hat er schon zusammengearbeitet , denn eins ist doch klar, es gab vorher schon Fotos und Fotografen, also was ist die Motivation jetzt einen anderen Fotografen „auszuprobieren“. Ein seriöser Kunde feilscht nicht um einige 100 Euros und er bezahlt auch die Rechnungen innerhalb von einigen Wochen. Ja es gibt diese Kunden und diesen Kundenstamm sollte man ausbauen. In dem Sinne – billiger geht immer, aber ihr kommt nur weiter, wenn Ihr Euren Wert und Eure Dienstleistung auch entsprechend verkauft – Viel Erfolg !

  12. ReplyHelge Petets

    Ja wer kennt das Spiel nicht. ABER nicht nur im Businessbereich. Man sollte sich immer auf sein Bauchgefühl verlassen. Wenn ein Kunde nicht so grün ist, merkt man das meist im ersten Drittel des Gesprächs. Nun darf man dieses ungute Gefühl nicht sich selbst oder eigenen fachlichen Mängeln zuordnen, sondern seiner Menschenkenntniss. Wer das nicht hat, ist entweder in diesem Beruf nicht bestens aufgehoben oder braucht dafür einen Mitarbeiter. Wenn mir ein Kunde komisch vorkommt, lege ich mittlerweile noch eine Schippe auf den Preis drauf, damit ich den Job mache.

  13. ReplyChristian Rohweder

    So eine Anfrage für einen Nachlass wegen möglicher Folgeaufträge hatte ich auch. Ich habe den Spieß umgedreht und gesagt, der Erstauftrag wird bei mir genrell nicht rabattiert. Bei Folgeaufträgen kann man über einen Nachlass reden – wobei sich der auch im gesunden Spielraum befindet. Ergebnis: Auftrag bekommen und nach Rechnungsstellung umgehend bezahlt.

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