Praxis-Tipps zur Konzertfotografie
Gerade Printredaktionen drucken eigentlich nur Fotos von den Hauptpersonen. Die fotografiert man zuerst, macht die üblichen Portraits und Halbportraits im Hoch- und Querformat. Danach kann man sich an die restlichen Bandmitglieder machen und auch ein paar Übersichten fotografieren. Erst wenn diese “sicheren Bilder” im Kasten sind, kann man sich an die Kür machen. Die kann dann auch mal ein paar außergewöhnliche Perspektiven umfassen und ein paar Details aufnehmen. So gibt es bei fast jeder Band irgendeine Spezialität. Seien es fliegende Teddies und BHs bei den Backstreet Boys oder die unzähligen Grimassen von Alice Cooper.

Like Pritchard – The Kooks – Foto: Peter Wafzig
Zeit spart man auch mit der Optimierung der Ausrüstung. Da gilt der alte Spruch: Weniger ist mehr. Eine Kamera und drei Objektive sind vollkommen ausreichend. Sicher, man kann drei Kameras verwenden – muss dann aber auch drei Kameras im Griff haben. Denn oft muss man Einstellungen an der Belichtung oder am Autofokus ändern, vielleicht auch den ISO-Wert – das muss dann an allen Kameras geändert werden. Da ist ein Objektivwechsel die schnellere Alternative.
Vor allem, wenn an die Objektive bei sich trägt. es gibt hervorragende Systeme, die alle Objektive an einem Gürtel aufnehmen und noch Platz für Zubehör lassen. Der Zugriff auf ein Objektiv ist dann deutlich schneller als das mühsame Kramen in der Fototasche. Und man ist deutlich beweglicher, wenn die Ausrüstung an der Hüfte hängt. Eine Fototasche hat im engen Bühnengraben also eigentlich nichts zu suchen.
Viel Einsparpotenzial gibt es auch bei den Kameraeinstellungen. Wer seine Kamera blind bedienen kann, vermeidet Fehler und schafft sich zudem die Möglichkeit, auf Unerwartetes reagieren zu können. Gerade bei der Belichtungsmessung muss man oft korrigieren, denn das Licht wechselt bei anspruchsvollen Lightshows recht häufig. Wer die Zusammenhänge von Blende, Zeit und ISO-Wert sehr gut schätzen kann und sich mit Histogrammen auskennt, ist deutlich im Vorteil. Die Kontrolle des Histogramms am Kameramonitor kostet nur wenige Sekunden, bringt aber schon fast hundertprozentige Sicherheit.
Und auch beim Thema Autofokus kann die richtige Einstellung zu deutlich besseren Bildergebnissen führen. Wer ständig zwischen den Einstellungen für One-Shot und Continuous-AF hin- und herwechseln muss, verliert Zeit. Man kann fast alle Kameras so einstellen, dass der Autofokus nicht am Auslöser sondern an einer separaten Taste aktiviert wird. Bei älteren Canon-Modellen ist es die Sterntaste, bei den neueren Modellen und den Nikon-Kameras gibt es eine separate AF-On-Taste, die man mit dem rechten Daumen sehr gut bedienen kann. Dadurch kann man immer den Continuous-AF einstellt lassen und mit einem Druck auf die Taste den Autofokus ständig mitführen lassen. Will man auf ein Detail scharfstellen und anschließend verschwenken, lässt man die Taste los, verschwenkt und löst dann aus. Da der Auslöser bei dieser Einstellung den Autofokus nicht mehr aktiviert, bleibt die Schärfe dort, wo man sie vorher hingelegt hat.

Katy Perry – Foto: Peter Wafzig
Es ist also möglich, die Probleme mit mangelndem Licht und mangelnder Zeit in den Griff zu bekommen oder sich zumindest so damit zu arrangieren, dass man das optimale Ergebnis herausholen kann.
Bildgestaltung anpassen
Wenn man das Motiv und das Licht nicht beinflussen kann, müssen andere Mittel her, um die Bildgestaltung an das Thema anzupassen. Bei ruhigen Acts, beispielsweise einer Solosängerin wird man mit verschiedenen Perspektiven arbeiten müssen, viel mehr wird da nicht möglich sein. Die Wirkung eines Bilds ergibt sich in so einem Fall meistens aus dem Gesichtsausdruck und der Körperhaltung der Sängerin. Auch wird man auf einen klaren Hintergrund achten, damit der Blick des Betrachters nicht vom Hauptmotiv abgelenkt wird. Da wird oft eine Teleperspektive gewählt, die den Hintergrund aufgrund der geringen Schärfentiefe auflöst.
Anders sieht es bei lauten und schnellen Bands aus. Neben der Perspektive kann man die Bildgestaltung durch eine Änderung der Kameraachse (Kippen) deutlich verbessern. Wenn man die Diagonale richtig ausnutzt, gibt man den Bildern Dynamik und nutzt ganz nebenbei auch das Bildfeld deutlich besser aus. Wenn man ein Weitwinkel benutzt und die Möglichkeit hat, an das Motiv heranzugehen, sollte man auch das nutzen. Die Nähe zum Motiv bringt immer einen deutlichen Gewinn in der Bildwirkung. Je näher, desto besser. Dabei muss man zwar darauf achten, den Musikern nicht zu nahe zu kommen, dennoch kann man schon mal für einen Moment die Kamera vom Auge nehmen und in Richtung Bühne halten um noch einen halben Meter Distanz abzubauen. In solchen Situationen hilft der bei neuen Kameramodellen vorhandene Live-View-Modus, das Motiv trotz fehlendem Suchereinblick noch etwas im Blick zu behalten und den Bildausschnitt nicht erraten zu müssen.

New Kids On The Block – Foto: Peter Wafzig
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Andere Beispiele:
Jürgen von der Lippe und Martin Schneider nur die ersten drei Minuten. Martin Schneider stand dabei im dunkeln und das Licht ging dann nach vier Minuten an.
Viele Konzerte, vor allem Comedy und die ohne Graben, drf man nur von der Seite, also nicht vor der Bühne oder vom Mittelgang fotografiert werden, damit dem zahlenden Publkum nicht die Sicht genommen wird.
Weiterer Tipp:
Spot-Messung