Ist es als Fotograf unseriös, auch Akt- und Fetisch-Fotos zu machen?

Ist es als Fotograf unseriös, auch Akt- und Fetisch-Fotos zu machen?


Das ist ein Beitrag aus der Reihe “Fragen an FOTOGRAFR”.

Tom fragt mich:

Hallo fotografr Team,

ich stelle mir seit geraumer Zeit folgende Frage und wäre Euch super dankbar, wenn Ihr das im Forum aufgreifen würdet:

Wenn ich die Aufnahmebereiche von Porträt bis Akt und Fetisch bearbeite, falle ich bei manchen Kunden wirklich durch den Rost weil ich das komplette Spektrum mache? Auch wenn ich zudem noch Arbeiten in Objektfotografie vorweisen Kann?

LG
Tom

Danke für Deine Frage, Tom.

In meinen Augen gibt es da zwei unterschiedliche Punkte, über die Du nachdenken kannst:

Fokussierung als Fotograf

In einem Gastartikel für die fc habe ich bereits einmal das Thema “Fokussierung” ausführlich erläutert. Ich bin der Meinung, dass man auf dem Markt bessere Chancen hat, wenn man für einen ganz bestimmten Bildstil und einen ganz klar definierten Themenbereich bekannt ist. Je breiter das eigene Angebotsspektrum wird, desto beliebiger und austauschbarer wird das eigene Angebot.

Seriösität als Fotograf

Manch ein (Business)-Kunde wird unter Umständen zurückzucken, wenn er sieht, dass der Fotograf, der die hochwertigen Werbefotos für die angesehene eigene Firma fotografieren soll, für Fotos bekannt ist, hinter denen er als seriöser Geschäftsmann gar nicht stehen kann. Vielleicht ist es sogar so, dass er selber gar kein Problem damit hätte, aber er macht sich Gedanken, was seine Kunden sagen könnten.

Und die Lösung?

Das ist ein schmaler Grat. Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Es wird aber immer so sein, dass Du bestimmte Kunden mit einer solchen Vorgehensweise verlieren wirst. Ob es Dir das wert ist, musst Du selber entscheiden.

Ich kenne einen Fotografen, der unter zwei verschiedenen Namen arbeitet. Den einen führt er für seine Werbefotografie, die er etablierten Firmen anbietet, den anderen benutzt er, wenn er Aktfotografie betreibt.

Ich selber halte von einer solchen Vorgehensweise nicht sehr viel. Wenn dieser “Trick” dann doch einmal auffliegt, wirkt das Verhalten des Fotografen umso seltsamer.

Ich bin der Meinung, wenn man sich unbedingt auf verschiedenen Gebieten der Fotografie betätigen möchte, sollte man auch dazu stehen.

Ich selber habe das für mich so gelöst, dass ich unterschiedliche Webseiten habe. Eine Website für die Firmenkunden, auf der ich Porträt- und Werbefotografie anbiete, und eine für Privatkunden, auf der Beauty-Fotografie und auch das eine oder andere Aktfoto zu sehen ist. So verhindere ich, dass der Firmenkunde zufällig mit Fotos konfrontiert wird, die “not safe for work” sind. Beide Webseiten betreibe ich aber unter dem selben Namen und sie sind auch untereinander verlinkt.

Dass ich mit dieser Vorgehensweise unter Umständen den einen oder anderen Kunden verliere, ist mir bewusst. Ich denke aber, das ist das kleinere Übel. Ich möchte mich nämlich nicht mit meiner Fotografie verstecken müssen oder mich so verhalten, als wenn ich nicht voll und ganz dahinter stehe. Beide Seiten gehören zu mir als Fotograf und mein bisheriger Erfolg auch im geschäftlichen Umfeld zeigt mir, dass man durchaus beide Genres gleichzeitig betreiben kann, ohne dass man gleich unseriös wirkt.

Was ist Eure Meinung zu diesem sicher nicht leicht zu beantwortenden Thema? Ich bin gespannt!

Ich arbeite als Fotograf und führe ein Fotostudio in Heidelberg. Mein Schwerpunkt ist die Portraitfotografie.
Außerdem biete ich Coachings und Trainings zu den Themen Orientierung, Marketing, Kundengewinnung und Betriebswirtschaft für Fotografen an.

12 comments

  1. Rainer Kohl

    Ich habe schon Seiten gesehen, die “plump” die Portfolioalben POTRAIT – BABYBAUCH – KINDER – AKT usw. so präsentierten.
    Hier wurde auch fetisch genannt. Eltern oder Großeltern die Fotos ihrer Kleinen erstellen lassen möchten, werden bei solch direkter Darstellungsweise bestimmt eher Vorbehalte haben. Babyschuhe kauft man ja auch nicht im Laden, der noch weitere “Spezialangebote” führt.
    Von daher kann man sicherlich mit wenigen dezenten Bildern auf sein weiteres Angebot hinweisen und gerne im persönlichen Gespräch das komplette Portfolio besprechen. Das läßt sich ganz seriös und glaubhaft umsetzen.
    Die Frage nach dem fotografischen Schwerpunkt ist sicherlich eine ganz andere, aber dennoch sehr wichtig zu beantworten.
    Ich fotografiere Pferde (Veranstaltungen) und Hochzeiten (auchPortrait usw.). Dafür betreibe ich 2 getrennte Seiten.

  2. S. Wickenkamp

    @Michael:
    Ich glaube, ein “seriöser” Akt wird von allen Leuten einigermaßen gleich bewerten. Vielleicht nicht gerade gemocht, aber auch nicht abgelehnt. Und wenn Du die Kunst schon erwähnst: Nimm als Beispiel die Venus von Botticelli – die ist auch unbekleidet, aber niemand würde das als “Schmuddelkram” abtun. Als bekennender Kunstbanause begeistern mich solche Werke zwar nicht (vielleicht, weil ich sie damals im Kunstunterricht auseinandernehmen mußte), aber deswegen sind sie ja nichts “Schlimmes”…


  3. Author
    Michael Omori Kirchner

    Ich habe einmal mit einem weiblichen Aktmodel gearbeitet, das Jura studiert hat. Und das die Meinung vertreten hat, wenn ein späterer Arbeitgeber mit ihren Fotos ein Problem hat, wäre es der falsche Arbeitgeber für sie. Das hat mich beeindruckt.

  4. Julian von Tiedemann

    @Michael: Was für eine starke, junge Dame!

    @Tom: Wie Sven schon sagte, kommt es wohl tatsächlich auch darauf an, wie weit die Bilder gehen. Ich bin jetzt nicht gerade der Fetisch-Experte, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass das für Business Kunden ein Problem werden könnte. Da kommt es aber wahrscheinlich auch auf die Kommunikation an. Ich für meinen Teil würde versuchen mich mit dem Statement aus der Affäre zu ziehen, dass ich doch ein Menschenfotograf bin und im Normalfall steckt doch auch unter der buntesten Fetischklamotte solch einer.

  5. ben

    Ich glaube professionelle Kunden können bei professionellen Fotografen unterschieden. Die Frage ist eher ob jemand, der gute Business-Portraits macht, auch guten Akt-Fotografiert ;)

  6. ben

    PS: Das ist die richtige Einstellung: Ich habe einmal mit einem weiblichen Aktmodel gearbeitet, das Jura studiert hat. Und das die Meinung vertreten hat, wenn ein späterer Arbeitgeber mit ihren Fotos ein Problem hat, wäre es der falsche Arbeitgeber für sie. Das hat mich beeindruckt.

    wir müssen mal aus diesem “Präsentationsdenken” entweichen. Was bringt es mir jeden Tag etwas darzustellen, was ich nicht bin? Dazu führt diese Angst nämlich.

    Gute Arbeit liefert man schließlich nicht nur deswegen ab, weil man einen Anzug trägt oder nie etwas trinkt oder der eigene Wortschatz das Wort “Arschloch” nicht beherbergt.

  7. Marion Hassold

    habs gar nicht weiter durchgelesen weil ich die Frage schon seltsam fand…hab als Azubi schon im ersten Lehrjahr nackte Menschen fotografiert, später auch Prostituierte deren Zuhälter Bilder für die Websites brauchte…Na und? Hat noch nie jemanden interessiert.

    Ich würde aber Objekt- bzw. Sachfotografie in meinem Portfolio nicht mit Portraits mischen. Weil das 2 ganz unterschiedliche Zielgruppen sind. Und wenn ich einen Fotograf für Businessfotos oder Sachaufnahmen suche, will ich keine nackten Frauen sehen die mit ner Peitsche um sich schlagen. Umgekehrt wahrscheinlicher weniger das Problem.

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