Bilder, die ins Herz treffen (Dieter Georg Herbst)


Prof. Dr. Dieter Georg Herbst ist einer der anerkanntesten PR- und Bildexperten im deutschsprachigen Raum, so steht es auf der Rückseite seines Buchs “Bilder, die ins Herz treffen”. Das sorgt dafür, dass der Leser mit recht hohen Erwartungen an die Lektüre des Buchs geht.

Im Untertitel “Pressefotos gestalten, PR-Bilder auswählen” ist das Thema des Buchs zusammengefasst. Der Autor befasst sich vor allem damit, WARUM bestimmte Bilder wirken, WAS man dazu tun kann, dass sie wirken, und NACH WELCHEN KRITERIEN man wirkungsvolle Bilder für die PR auswählen sollte.

Dabei holt Herbst relativ weit aus. Er beschreibt beispielsweise das limbische System des Gehirns als ein Netz von Nervenbündeln, zu denen neben der Amygdala und dem Mandelkern weitere Zellgruppen im Zwischenhirn gehören und dessen Kommunikation über Neurotransmitter wie Dopamin erfolgt. Das ist interessant, hilft dem Leser aber wenig bei seiner praktischen Arbeit.

Als praktische Hilfestellung gibt es im Buch dagegen eine ganze Reihe von Checklisten und Praxistipps. Leider sind auch diese nicht immer auf den Punkt gebracht. Als Praxistipps zum Thema “Bilder sollen Geschichten erzählen” schreibt der Autor beispielsweise: “Der Aufbau scheint eine universelle Struktur zu haben: Er besteht aus einer Bühne, auf der Handelnde agieren. Die Handlung ist konfliktreich, bedeutend und außergewöhnlich und danach ist die Welt anders als zuvor.” Mich jedenfalls lassen solche “Praxistipps” eher ratlos zurück.

Kommen wir zum eigentlichen Kern des Buch: Bilder, die ins Herz treffen. Es sind sehr viele Beispielbilder in den Text eingefügt, die die Aussagen des Autors illustrieren. Leider haben diese Bilder oft eine eher unterdurchschnittliche Qualität. Tatsächlich ins Herz treffen sie nur selten. Und wenn einmal ein wirklich starkes Bild dabei ist (wie beispielsweise das Foto eines Greenpeace-Aktivisten, der sich gegen einen starken Wasserstrahl wehrt, der ihn von einer Ankerkette eines großen Schiffs blasen soll), dann verpufft die Bildwirkung, weil das Foto mit schlechter Druckqualität in verwaschenem Schwarzweiß wiedergegeben wird.

Mein Fazit: Für Sozialwissenschaftler sicher ein fundiertes Buch. PR-Fachleute, Bildredakteure und Fotografen werden es dagegen eher enttäuscht zur Seite legen.

Akzeptables Fotografie Fachbuch

Bilder, die ins Herz treffen
Pressefotos gestalten, PR-Bilder auswählen
208 Seiten, Hardcover
April 2012, 26,90 Euro (D)
43 sw-/12 Farbfotos
ISBN 978-3-937822-49-5


Mehr Informationen beim Falkenberg-Verlag sowie bei Amazon.

Dass man bei der Einschätzung des Buchs auch zu einem völlig anderen Ergebnis kommen kann, zeigt Leonie Walter in ihrer Rezension.

Ich arbeite als Fotograf und führe ein Fotostudio in Heidelberg. Mein Schwerpunkt ist die Portraitfotografie.
Außerdem biete ich Coachings und Trainings zu den Themen Fotografen-Marketing und Photobusiness an.

13 comments

  1. Leonie Walter

    Danke für die Erwähnung meiner Rezension.

    Die Abbildungen im Buch sind tatsächlich längst nicht so emotional, wie sie sein könnten. Das ist durchaus ein Manko. Ich stelle mir vor, dass da der Verlag sicher abwägen musste: Wie qualitativ hochwertig darf ein Fachbuch aufgemacht sein (und dementsprechend auch teuer), dass es überhaupt noch gekauft wird. Auch das Thema Bildrechte mag hier eine Rolle spielen.

    Die Auswahl der BIlder ist zudem echt eine Herausforderung (zumindest meiner Meinung nach): Es gibt leider nach wie vor kaum Unternehmen, die in der PR auf eine wirklich durchgängige Bildsprache setzen. Das fällt uns immer wieder auf, wenn wir nach guten Beispielen suchen, um sie beispielsweise in Seminaren vorzustellen.

    Viele Grüße, Leonie Walter

  2. Henrik H.

    Hallo Michael,

    Danke für die Rezension. Sie spiegelt genau das wieder was ich beim lesen von “Sie haben keine Zeit oder Lust, Fotografie, Bildgestaltung und -wirkung zu studieren, möchten aber trotzdem wissen, woran Sie gute PR-Fotos erkennen und wie Sie diese gezielt einsetzen? Dann ist dieses Buch für Sie! ” (Quelle amazon) vermutet hatte.

  3. Beate Knappe

    Das Thema finde ich sehr interessant, vielelicht sollten wir hier eien galerei eröffnen von Fotos die unser meinung nach emotional ansprechen?


  4. Author
    Michael Omori Kirchner

    Danke Euch.

    @ Leonie: Ja, das kann gut sein. Aber: Dass gute Bilder Geld kosten, ist aber kein Grund, keine zu verwenden ;-)

    @ Henrik: Ja, über diese ungeschickte Formulierung bin ich auch gestolpert.

    @ Beate: Gerne. Wenn Du eigene beisteuern möchtest oder Fotos anderer Fotografen vorschlagen möchtest. Ich habe auch schon einige in entsprechenden Artikeln vorgestellt, beispielsweise hier
    http://www.fotografr.de/9961/industrious-portrait-eines-industriekonzerns/
    http://www.fotografr.de/3418/interview-mit-martin-rohrmann-fotojournalist/
    http://www.fotografr.de/4387/buchverlosung-lumix-festival-fuer-den-jungen-fotojournalismus/
    auch wenn natürlich Fotojournalismus und PR zwei verschiedene Paar Stiefel sind.

    Oder vielleicht darf ich auf meine eigene Arbeit zum Thema “Kompetenz” hinweisen
    http://www.omori.de/wp-content/uploads/2012/01/Markus-Merk-Anzeige-9602.jpg
    die doch auch recht glaubhaft wirkt.

    Gruß Michael

  5. Beate Knappe

    Mir fällt gerade auf, dass es keine Norm dafür gibt was emotional ansprechend ist, oder? Ich glaube, es ist nicht zu generalisieren was wen wann emotional anspricht, bzw. fällt es schwer zuzugeben das etwas emotional anspricht, weil wir doch immer so cool sein müssen. Dabei sind Emotionen in der Werbung selbstverständlich, ohne das wir es beeinflussen können.
    Hochzeitsfotografie soll Emotionen zeigen, ohne in Kitsch abzugleiten, doch bitte, wer zieht da wo die Grenzlinie?
    Ich mache Fotos, die meiner Meinung nach “das Leben feiern”, ohne Emotionen geht das nicht . Ich habe mich dazu entschieden nach dem ich viel Jahre lang Reportagen über den Rand der Gesellschaft und politische oder soziale Konflikte fotografiert habe. Ich will mich in den letzten 20 Berufsjahren nicht mehr mit negativen Themen beschäftigen müssen, sondern mit glücklichen Momenten im Leben meiner Kunden. Da geht nur mit Emotionen, ich versche dabei ganz klar den Kitsch, oder das was ich darunter verstehe, auszuschliessen, doch ab und zu erlaube hoch mir das überschreiten dieser Grenze, weil mir danach ist.

  6. Polichronis Moutevelidis

    Habe gar nicht gedacht, dass dieses Buch so schlecht abschneidet, ich habe den Titel des Artikels gelesen und dachte, dass ich mich auf etwas emotionales bereitmachen müsse. Ich werde mir das Buch dennoch mal anschauen, da ich ohnehin in der nächsten Woche in der Bücherei bin. Vielen Dank für die ausführliche Bewertung !!

  7. Viola Falkenberg

    Lieber Polichronis Moutevelidis,

    Sie fragten, wie lange das Buch “Bilder, die ins Herz treffen” im Handel ist: Diese Neuerscheinung gibt es seit Anfang April diesen Jahres, hat 208 Seiten und enthält 43 schwarz-weiß sowie 12 Farbfotos. Sie richtet sich insbesondere an diejenigen, die mit PR- oder Pressefotos arbeiten. Wenn Sie einen Eindruck vom Original möchten: Eine Leseprobe mit Inhalts- und Stichwortverzeichnis steht als pdf sowie ePaper unter http://www.falkenberg-verlag.de/49-start.html bereit.

    Das Buch sollte, wie der Autor dort schreibt, keine Bildschule sein. Es sollte auch kein Bildband mit schönen Presse- und PR-Fotos werden oder den Kriterien für Werbefotos entsprechen. Eher ein Arbeitsbuch, das die Prinzipien wirkungsvoller PR- und Pressefotos darstellt.

    Dennoch hat die Einschätzung natürlich Gewicht, es würden Fotos verschwaschen in schwarz-weiß gedruckt in unterdurchschnittlicher Qualität. Als Verlegerin wollte ich Kritik an der Druckqualität im Vorfeld vermeiden, entschied deshalb für das teurere weiße Papier und ging den Proof Bild für Bild mit der Druckvorstufe durch, manche auch zweimal. Bei einer auf Buchdruck spezialisierten Druckerei.

    Dennoch gibt es unzweideutig verwaschene Bildstellen. Denn: “Auch Unschärfe lässt sich wirkungsvoll einsetzen”, schreibt der Autor und begründet dies auf Seite 140 mit einem Bezug auf das Buch von Martin Schuster”Fotos sehen, verstehen, gestalten”: “Da das Auge eher auf Scharfes als auf Unscharfes sieht, wird der Blickverlauf gelenkt und Motive hervorgehoben.” Bei einem Teil der PR-Fotos wurde daher gezielt mit Unschärfen gearbeitet und Wichtiges hervorgehoben.

    Viola Falkenberg
    Viola Falkenberg Verlag, Bremen

  8. Polichronis Moutevelidis

    Hallo Frau Falkenberg,

    ich danke Ihnen sehr für Ihre ausführliche Antwort.
    Das Buch war in unserer Bücherei bislang entliehen und ich werde es voraussichtlich Mitte September bekommen, aber einige Kollegen von mir haben mir schon davon berichtet und halten es für einen Pressefotografen für ein Standardwerk !! Ich bin gespannt, schätze aber, dass es mir gefallen dürfte…auch, wenn ich kein Pressefotograf bin.

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