Referenzen als Fotograf durch kostenlose Fotoshootings?

Referenzen als Fotograf durch kostenlose Fotoshootings?


Das ist ein Beitrag aus der Reihe “Fragen an FOTOGRAFR”:

Jan schreibt mir:

Ich bin ein junger Fotograf und Schwerpunktmäßig im Bereich Portrait/Lifestyle für Privatkunden aktiv.

Jetzt würde ich mich gerne auf Geschäftskunden konzentrieren und zum Beispiel Geschäfte portraitieren, Bilder für PR machen etc.

Für diesen Bereich fehlen mir natürlich Referenzen.
Meine Idee war nun, Betriebe die in mein Konzept passen und neu auf dem Markt sind ein kostenloses Shooting anzubieten,quasi ein TFP, bei dem beide Teilnehmer die entstandenen Bilder zu Werbezwecken nutzen können.

Allerdings habe ich Angst, dass sich herumspricht, dass ich kostenlos/billig zu haben bin. Um genügend Referenzen zu erhalten muss ich sicher eine größere Anzahl Betriebe anschreiben.

Vermindere ich mir dadurch nicht meinen zukünftigen Kundenstamm?
Gibt es eine bessere Möglichkeit Referenzfotos zu bekommen, als sich kostenlos anzubieten?

Danke
Jan

Danke Dir, Jan, für Deine Frage.

Ich sehe das selbe Problem wie Du. Wenn Du einen größere Anzahl Betriebe anschreibst und denen ein kostenloses Fotoshooting anbietest, hast Du bei diesen Firmen in den nächsten Jahren keine Möglichkeit, ein angemessenes Honorar zu verlangen. Wenn also überhaupt ein kostenloses oder preisreduziertes Shooting, dann nur in ganz kleinem Rahmen darüber reden.

Du könntest zum Beispiel bei Deinen Privatkunden nachfragen, ob die nicht für ihr Business ein Foto brauchen. Die weibliche Privat-Kundin arbeitet vielleicht als Fußpflegerin und kann für ihren nächsten Werbeflyer ein Portraitbild von sich gebrauchen.

Ich sehe aber noch ein ganz anderes Problem: Was nichts kostet, ist auch nichts! Nach diesem Motto wirst Du bei erstzunehmenden Firmen gar keinen Auftrag bekommen, wenn Du Dich kostenlos anbietest. Denn oft sind die 500 oder 1.000 Euro gar nicht das Problem. Das bezahlen Firmen aus der Portokasse. Was sie aber wollen, ist einen zuverlässigen Partner der anständige Arbeit abliefert. Und da bekommen sie ernsthafte Zweifel, wenn sie ein Angebot für ein kostenloses Shooting bekommen.

Also mein Tipp: Wenn Du schon kostenlos arbeiten möchtest, dann tu das nicht für Firmen, die Dich genausogut bezahlen könnten. Arbeite lieber an eigenen Projekten oder für ehrenamtliche Aufgaben. Beispiel: Du portraitierst die Handwerker Deiner Stadt in Berufen, die es kaum noch noch gibt: Schuhmacher, Geigenbauer, Müller, ….  und machst anschließend eine Ausstellung in der Stadtbücherei. Über diese Kontakte und Referenzen kommst Du dann Schritt für Schritt zu “richtigen” Aufträgen.

 

Ich arbeite als Portrait-Fotograf und führe ein Fotostudio in Heidelberg. Außerdem biete ich Coachings und Trainings zu den Themen Fotografen-Marketing und Photobusiness an.

12 comments

  1. Oliver Teske

    Hallo,
    ich denke das Thema hatten wir hier schon öfter, wenn auch in ähnlicher Form. Und ich verstehe die Bedenken in beiden Richtungen. Aber wie wäre es denn in deinem Fall mit einer Zeitlich begränzen Sonderaktion in der Du genau das anbietest für umsonst oder wenigsten günstiger wie normal?

    Gruß
    Oli

  2. Beate Knappe

    Guten Tag, den Hinweis auf soziale Projekte oder Aktivitäten in diese Richtung finde ich gut und wichtig, auf keinen Fall würde ich dir raten deine Arbeit kostenlos anzubieten m das geht im geschäftlichen Bereich garnicht und wirkt eher unseriös.


  3. Author
    Michael Omori Kirchner

    @ Oliver: Das ist dann aber genau das Modell, an dem der Praktiker Baumarkt gescheitert ist. Die Leute warten dann immer auf die Sonderaktionen (20 % auf alles ….) und kommen, wenn voll bezahlt werden soll, nicht.

  4. Marco

    Was nix kostet ist auch nichts wert. Mag vieleicht in diesem Fall nicht stimmen, doch gerade bei Firmen ist das Interesse an einen verlässlichen Partner der auch längerfristiv wieder verfügbar ist. z.B. Bilder nachliefert oder Bilder von neuen Mitarbeitern macht.

    Aber der Tipp mit den Handwerkern aus der Region ist Gut. Gerade über eine Ausstellung bekommt man doch einiges an Aufmerksamkeit.

  5. Andreas Bender

    Liest Jan hier eigentlich mit?
    Zu dem Vorschlag mit den aussterbenden Handwerksberufen… Finde ich eine gute Idee. Wenn die Fotos dann erste Klasse geworden sind, würde ich zusehen, eine Ausstellung mit der Handwerkskammer (die all ihre Mitglieder einlädt) zu machen.

  6. Henrik H.

    Hallo,

    oft sind die Privatkunden ja nicht nur einmal zum Fotoshooting und ggf. hat man ja noch die Adresse des ein oder anderen Kunden wo man weiss, das Sie/Er auch im Businessoutfit gut aussehen könnte. Selbst wenn die Person keine Fotos wirklich benötigt kann man zumindest fragen ob Sie/Er nicht kurz Modell stehen mag.

    Darüberhinaus kann man auch auf Messen oder entsprechenden Events mal vorbeischauen und dort Kontakt zum “Business” knüpfen. Viele Wege führen zum Ziel. Enjoy.

  7. Jan

    Ich teile Michaels Meinung ohne zu Zögern. Es macht keinen, absolut keinen Sinn eine Leistung kostenlos oder auf Basis einer zeitlich begrenzten Aktion günstiger anzubieten. Mir ist in all den Jahren nicht ein Kollege untergekommen der damit glücklich und Reich wurde.

    Grad im Geachäftskunden Bereich zählen anderen Dinge deutlich mehr wie z.b. Flexibilität, Zuverlässigkeit, Rockstar behaviour :-)

    Ich glaube es ist schwer nachzuvollziehen für Kollegen die aus dem Privatkunden Bereich kommen weil es einfach ein völlig anderes Geschäft ist. Persönlich würde ich bei so einer Veränderung meines Geschäftes erst mal meinen gewünschten Markt sondieren und darüber nachdenken wie ich mich bei den Entscheidern ins Gespräch bringen kann und was ich dann versuchen möchte zu “verkaufen”.

    Fakt ist das Du in der Regel nicht gebucht wirst weil du so tolle Referenzen in dem Bereich hast… Du wirst eher gebucht weil deine Ansprache passte oder weil du einfach ein toller Typ bist und zum richtigen Zeitpunkt angefragt hast.

    Es ist definitiv besser ein paar freie Arbeiten zu machen in den Phasen in denen du nicht commercial fotografierst. Alleine schon weil das für dich definitiv befreiend wirken wird.

  8. Carsten

    Wenn ich das richtig verstanden habe, geht es auch darum Referenzbilder für das Portfolio zu bekommen.

    Ich würde mir da einige meiner Freunde schnappen, sie in passende Klamotten stecken und mit ihnen typische Businessfotos machen. Dann hast du erstmal einige Bilder fürs Portfolio und kannst mit diesen Bildern an die Firmen herantreten.

  9. Jan

    Danke für eure Antworten!

    Die Idee mit einem freien Projekt an Firmen heranzutreten finde ich wirklich Gut und werde das auch leicht verändert umsetzen.
    Eigentlich eine ziemlich naheliegende Idee, aber irgendwie hate ich dort wohl ein Brett vor dem Kopf.

    @Carsten – Daran habe ich auch Gedacht, allerdings geht es mir weniger um einfache Portraits von “Businessmenschen”, sondern um das ganze drumherum. Die Arbeitsabläufe, echte Mitarbeiter, etc.

    Nocheinmal vielen Dank für eure schnelle Hilfe
    Merci

  10. Jens Hannewald

    Hallo zusammen,

    ich schließe mich dem Tipp von @Michael an. Freie Arbeiten und Portraits von Berufen mit Tradition oder Handwerksbetrieben von denen es nicht mehr viele gibt finde ich sinnvoll. Dabei sollten es nur nicht zu viele werden.

    Ich selbst habe Erfahrungen damit gemacht und Geigenbaumeister portraitiert. Zum einen bekommt man dadurch Übung in der Sache und zum anderen profitieren beide Seiten durch die entstandenen Bilder und deren Werbezweck.

    Nicht zuletzt entsteht ein persönlicher Kontakt auf lockerer Ebene, der widerum zu neuen Kunden im Geschäftsbereich führen kann.

    Also alles in Allem sehr zu empfehlen.

    Von Rabatt-Aktionen al á “Praktiker” täte ich ebenfalls Abstand nehmen.

    Beste Grüße,
    Jens

  11. Gaby

    Der Artikel ist zwar schon älter, aber er verliert ja nicht an Aktualität. Deshalb möchte ich hier kurz meine Erfahrung mitteilen: ich erhielt letzten Monat eine Anfrage für ein Shooting in einer Firma. Es ging nicht um Personen sondern darum, die Austellung für den Katalog ansprechend ins Licht zu setzen. Die Ausstellung zeigte nicht die Produkte auf Regalen, sondern diese waren in Wohnwelten intergriert.

    Als Studiofotografin mit Schwerpunkt People/Portraits schenkte ich dem potentiellen Kunden reinen Wein ein und sagte, dass ich dies noch nie gemacht habe, es aber gerne versuchen würde. Ich spürte die Zurückhaltung am Telefon und machte ihm den Vorschlag, dass ich anstatt den Auftrag einfach mal die Aufgabe annehmen würde und er mir bei Nichtgefallen nichts zu bezahlen hätte. Darauf ging er ein. Ich fotografierte die Ausstellung und schickte ihm anschliessend nicht eine View-CD mit Rohaufnahmen sondern eine Auswahl fertig bearbeiteter Bilder. Er war sehr zufrieden und ich konnte meine Arbeit voll in Rechnung stellen.

    So kann man bestimmt nicht immer vorgehen, aber ich konnte so wertvolle Erfahrung auf einem anderen Gebiet sammeln. Hätte die Arbeit nicht gefallen, hätte ich meine Zeit unter “Forschung und Entwicklung” abgebucht. Für den Kunden risikolos, aber nicht kostenlos.

    Liebe Grüsse
    Gaby

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