Sam Jost: Manuell belichten mit der Digitalkamera


Die Belichtungsautomatiken der heutigen Kameras werden immer “intelligenter” und erledigen ihre Aufgabe oft so gut, dass der Gelegenheitsfotograf oft die Mühe scheut, sich mit den Techniken einer manuellen Belichtung herumzuschlagen.

Sam Jost benennt in seinem Buch “Manuell belichten mit der Digitalkamera” aber die wichtigsten Nachteile der Belichtungsautomatik: Sie ist nicht konsistent, sich ist nicht kreativ und sie versagt in manchen Situationen ganz kläglich. Ausgehend von diesen Unzulänglichkeiten zeigt Sam den Lesern, wie sie den Umgang mit der manuellen Belichtung Schritt für Schritt erlernen und ausprobieren können.

Er warnt beispielsweise davor, der Lichtwaage zu vertrauen, denn die ist selbstverständlich genauso fehleranfällig wie die Belichtungsautomatik. Und er zeigt, wie man sinnvoll mit dem Histogramm der Kamera arbeitet und die Überbelichtungswarnung der Kamera einsetzt. Auf die Arbeit mit einem externen Belichtungsmesser geht der Autor leider nicht ein.

Für meinen Begriff hätte Sam gerne noch deutlicher darauf hinweisen können, dass es nicht nur Vorteile hat, die Belichtung manuell zu wählen, sondern auch den Weißabgleich. Aber vielleicht setzt er die Arbeit mit einem fest eingestellten Weißabgleich bereits als selbstverständlich voraus. Denn der automatische Weißabgleich hat denselben gravierenden Nachteil wie die Belichtungsautomatik: Er ist nicht konsistent.

In weiteren Kapiteln geht der Autor auf die Bildwirkung der Blende ein und beschreibt die Arbeit mit der Tiefenschärfe und der Variation der Belichtungszeit. Nur wenn man die Wirkung dieser Einstellungen richtig verstanden hat, macht es Sinn, mit Wahl der richtigen Blenden-/Belichtungszeit-Kombination manuell in die Arbeit der Kamera einzugreifen. Dabei zeigt Sam viele Bildbeispiele, anhand derer er seine Erklärungen visualisiert. Die Bilder sind zwar nur in Schwarz-Weiß, aber das stört nicht wirklich.

Das Büchlein hat 94 Seiten und kostet erfreulicherweise nur 9,90 Euro. Damit muss der Leser über eine Anschaffung nicht lange nachdenken und freut sich anschließend, wenn er merkt, dass sich der Kauf gelohnt hat.


Mein Fazit: Wer sich als Fotograf bisher noch nicht mit der manuellen Belichtungseinstellung beschäftigt hat, sollte das spätestens jetzt nachholen. Das vorliegende Buch bietet die ideale Grundlage dafür.

Gutes Fotografie Fachbuch

Manuell belichten mit der Digitalkamera
Taschenbuch: 96 Seiten
Verlag: Sam Jost; Auflage: 1. (25. April 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3000378980

Mehr Informationen bei Sam Jost sowie bei Amazon.

Buchverlosung

Bitte beschreibt in einem Kommentar (oder in einem Blogbeitrag auf eurem eigenen Blog mit Trackback hierher), welche Erfahrungen ihr bisher mit der manuellen Belichtungssteuerung gemacht habt. Unter allen Kommentaren und Trackbacks, die hier bis zum 5. Juli 2012 eingehen, verlose ich ein Exemplar des Buchs von Sam Jost (kostenloser Versand nur in Deutschland).

Ich arbeite als Fotograf und führe ein Fotostudio in Heidelberg. Mein Schwerpunkt ist die Portraitfotografie.
Außerdem biete ich Coachings und Trainings zu den Themen Fotografen-Marketing und Photobusiness an.

19 comments

  1. Milcantro

    Ich nutze z.B. bei Outdoorshootings meistens die Blendenautomatik um das Motiv anzumessen und stelle die Werte dann im manuellen Modus ein um immer eine konstante Belichtung zu erreichen. Das ist gerade bei Motiven mit tief stehender Sonne sehr von Vorteil.

  2. Sam

    Vielen Dank für die ehrliche Rezension!

    Den Weißabgleich hatte ich weggelassen, weil ich das ohne Farbe auf dem Kindle nicht vernünftig erklären kann. Da ist aber was in Planung, in Richtung Jahresende.

  3. Stefan

    Manuelle Belichtung und manueller Weissabgleich ist zu Vergleichen mit Leuten, die perfekt Deutsch schreiben können. In Zeiten einer Rechtschreibkorrektur und Grammatikhinweisen in Textverarbeitungsprogrammen ist viel Schulwissen unnötig geworden. Schneller geht es trotzdem mit dem Wissen und der Erfahrung es richtig anzuwenden.
    Mit einem Sportfotografenfreund stelle ich mich vor dem Spiel oft gemeinsam an den Spielfeldrand und wir schätzen Belichtungszeit, Blende und ISO: wer das korrektere Bildergebnis bekommt, holt dem anderen ein Eis.

  4. S. Wickenkamp

    Oh – das finde ich sehr interessant. Damit will und muß ich mich eh beschäftigen. Ich habe nämlich festgestellt, daß man im manuellen Modus “langsamer” und gezielter fotografiert, was ich als zusätzlichen Vorteil empfinde. Trotzdem fotografiere ich überwiegend im AV-Modus. Also muß ich da mal gegenwirken – evtl. mit diesem Buch… :-)

  5. the_b3ast

    Da ich in letzter Zeit vor allem analog fotografiere, gehört die Arbeit mit dem Handbelichtungsmesser zu den Routineaufgaben. Wenn ich dann mal wieder zur DSLR greife, versuche ich meine “analogen” Techniken auf den digitalen Arbeitsprozess zu übertragen, falle jedoch oftmals in alte Angewohnheiten zurück und lasse die Belichtungsautomatik für mich arbeiten… Ich finde es aber auf jeden Fall wichtig, sich der Schwächen der Automatik bewusst zu werden.

  6. Ben

    Hallo,

    den manuellen Modus nutze ich v.a. bei Parties. Dort möchte man das Discolicht möglichst effektiv einfangen, wofür mindestens 1/13s belichtet werden muss. Der Automatikmodus geht aber üblicherweise nie über 1/60s hinaus.
    Dazu braucht man eine möglichst offene Blende, damit die Lichter nicht zu scharf erscheinen. ISO steht je nach Grundbeleichtung im Bereich 640 – 1250. Feinanpassung gibt es hauptsächlich über die Belichtungszeit (1/8, 1/10, 1/13, 1/15 etc.).

    Der (halb-)automatische Modus macht das Bild durch zu geringe Belichtungszeiten kaputt: Das Licht wird starr festgehalten, das Motiv wirkt langweilig.

    Bei Außenaufnahmen nutze ich den manuellen Modus, wenn die Blenden- oder Zeitautomatik durch starken Schattenwurf versagt und den falschen Motivbereich (scheinbar) korrekt belichtet. Für dunkle Bereiche gibt es dann eventuell einen Aufhellblitz, auch trotz strahlendem Sonnenschein!

    Ich nutze eine D5100, der manuelle Modus ist hier wunderbar zu bedienen. Tipp: Auf die Funktionstaste (unterhalb der Blitztaste) scheint die ISO-Schnellverstellung am sinnvollsten.

  7. Ivan

    Ich versuche so oft es geht manuell in die Belichtung einzugreifen. Letztendlich verlasse ich mich dann aber doch auf die kamerainterne Belichtungsmessung, da ich keinen externen Belichtungsmesser zum Vergleich verwende. Wobei die jeweiligen Kamera Hersteller mit Sicherheit ihre eigenen Stärken und Schwächen haben. Meine Fuji S5 erzielt mit der Matrix Messung ein recht homogenes Ergebnis, was aber meistens eher langweilig wirkt. Daher verwende ich die fast gar nicht, sondern eher die Spottmessung. Das Histogramm verwende ich gar nicht, da mir das einfach zu abstrakt ist. Ich bin da eher pragmatisch veranlagt. Ich nutze die Halbautomatik und wähle meistens die Blende vor, um die Schärfentiefe kontrollieren zu können und dann teste ich einfach aus. Je nachdem welches Ergebnis ich erzielen möchte setze ich den Messpunkt der Kamera im Sucher auf eine hellere oder dunklere Stelle, speichere diesen Messwert mit dem gedrückt halten der AE-L/AF-L Taste und fokussiere dann erneut kurz vor dem Auslösen. Und wenn das Ergebnis mir auf dem Display gefällt ist das OK und wenn nicht, korrigiere ich dementsprechend.

  8. Marvin

    Von Anfang an habe ich nur Manuel belichtet, auch wenn es länger dauert, das klappt ganz gut soweit, glaube ich :)

  9. Ralf

    Manuell belichten mit der Digitalkamera

    Und?

    Mich würde interessieren, ob man mit dem Thema auch „die i/Smart-Phone- Generation“ erreicht ;-) Ich glaube eher nicht :-(

    Ich halte es einfach so (an anderer Stelle schon mal geschrieben):

    (…) dass ich viele Jahre mit Nikon F/F2 ausschließlich manuell messen/belichten musste. Und das „nur“ mit Festbrennweiten ;-) Was mich aber heute nicht daran hindert das Suppenzoom auf die Higend-DSLRS zu stecken und die P-Automatik drinzulassen. Oder alternativ und etwas gezielter für Schnappschüsse bei „A“-Automatik die „förderliche“ Blende f/8-11 einzustellen, einfach die ISO-Automatik zu aktivieren und eine längste Belichtungszeit auf – sagen wir – 1/500 s vorzugeben. So brauche ich im Zweifel nur noch abzudrücken, wenn keine Zeit für was anderes mehr war. Denn was nützt es in geglaubter Überlegenheit nur manuell zu „arbeiten“, wenn ich das nicht wiederholbare Foto anschließend sofort löschen kann. Natürlich spricht überhaupt nichts dagegen, von Motiv zu Motiv zu entscheiden, ob nicht gar „M“ besser/passender ist… Schön wenn man dann noch weiß, wie die Sonne auch ohne Filter zum „Stern“ wird und wenn man bei gewollter Unterbelichtung = satten Farben einfach mal den winzigen Gehäuseblitz „mitmachen“ lässt. Wirkt Wunder.

    Habe das eBook schon im April runtergeladen. Schon aus Sympathie und Solidarität für derartige Autoren und Projekte!

    Ralf

  10. Manuel Hefti

    Für mich ist die manuelle Belichtung vor allem in der Studiofotografie wichtig. Natürlich funktioniert die Automatik erst mal gar nicht in Zusammenhang mit Studioblitzen. Aber auch beim Arbeiten mit dem Systemblitz oder Dauerleuchten belichte ich manuell. Da ich das Licht genauestens kontrollieren kann, möchte ich nicht eine Belichtungsautomatik haben die mir immer rein funkt. Auch beim Fotografieren bei gleichbleibenden Lichtverhältnissen kommt einem die manuelle Belichtung sehr entgegen. Für die Mühe des Erlernens wird man mit der konsistenz gleichbleibender Belichtung belohnt. Und wenn diese dann mal nicht genau auf den Punkt stimmt, kann man die Bilder z.B. in LR mittels syncronisieren in Nullkommanichts aufeinander abstimmen.
    Der dritte Punkt sind dann meine analogen Schätzchen welche ich mit SW-Film füttere und sich nicht mit solchen Albernheiten wie Belichtungsmesser schmücken. Schliesslich macht ja der Fotograf das Foto und nicht die Kamera ;) Dazu gehört eben auch die Belichtung ;)

  11. Sven

    Also manuelles Belichten gehört sollte ja beim Fotografieren zu den Basics gehören! Also eben das was ich können muss bevor ich jedwede Automatik benutze. Insofern ist das Buch durchaus begrüßenswert. Wenn ich aber so die Kommentare durchlese, sollte man vielleicht gleich über ein zweites Buch nachdenken. Nämlich eines, dass einem die Automatiken so erklärt, dass sie man sie auch sinnvoll benutzen kann (das geht tatsächlich). Das Problem ist doch, das die Belichtungswerte der Automatik oft unreflektiert übernommen werden, statt mal darüber nach zu denke was mir die Werte sagen wollen, wo ist es sinnvoll einzugreifen, wo nicht (das nennt man dann Erfahrung). Denn über eines sollten wir uns im Klaren sein egal welchen Beli wir benutzen, wir sind belichtungtechnisch immer dem Geschmack der Industrie unterworfen, der die effektiven Werte mittels K-Werten anpasst, um uns zu gefallen.

    Gruss Sven.

  12. S. Wickenkamp

    Du setzt voraus, daß alle Menschen, die eine Kamera haben, auch Fotografen sind bzw. sein wollen. Viele möchten ‘einfach nur ein Foto machen’. Für diejenigen gehören das manuelle Belichten und die damit einhergehenden Überlegungen sich nicht zu den Basics…

  13. Jan

    Ich nutze überwiegend, das heißt zu ~90% die manuelle Belichtungssteuerung, da die Kamera so genau das macht, was ich möchte. Wer richtig fotografieren möchte sollte meiner Meinung nach die Belichtungssteuerung auch mal selbst in die Hand genommen haben um zu begreifen, was eigentlich bei der Belichtung alles passiert, wie Blende und Belichtungszeit etc. miteinander zusammen hängen bzw. voneinander abhängen. Natürlich, und das sehe ich als positiv an, macht man so auch Fehler, aus denen man direkt lernt. Man sieht direkt, welche Parameter man nicht richtig gewählt hat. Andersherum kann man aber auch bewusst unter bzw. überbelichten und diese „Fehler“ als Effekt einsetzen, was im Automatik-Modus nicht geht. In Situationen, wo ich besonders schnell reagieren muss, stelle ich auch schon mal auf Zeit- oder Blendenautomatik um, Weißabgleich und ISO wähle ich hingegen IMMER manuell aus.

  14. Knut

    Ich arbeite immer dann mit Automatik, wenn es schnell gehen muss oder ich keine konstanten Lichtverhältnisse habe. Sonst immer manuell, da ich mich dann auf das wesentliche (Das Bild selbst ) besser kOnzentrieren kann u. nicht noch die von der Automatik eingestellten Werte checken muss :)

    LG
    Knut

  15. Martin Pi

    Ich bediene mich oft und gerne der Belichtungskorrektur, um sattere farben zu erzielen, oder der Programmkorrektur auf meiner Nikon D 40. Erst mal sehen was die KAmera sagt und dann schnell am Rad gedreht.
    Denn meist ist für die Schnappschüsse, die manchmal auch aus der Hüfte geschossen werden, nicht viel Zeit.

  16. Wolfgang

    Es gibt ohne Zweifel viele Aufnahmesituationen, welche unbedingt den manuellen Modus erfordern. Aber sind wir doch mal ehrlich, ist ein manuell belichtetes Foto wirklich besser als ein semiautomatisch belichtetes (Zeitautomatik)? Klar steht in den Exifs Modus: manuell und die Blenden- und ISO-Werte sind keine Drittel- oder Halb-Werte. Daraus schließt ein unerfahrener Betrachter: das Foto muss ein Profi aufgenommen haben. Und Profis wollen wir doch alle sein, oder? Aber ich würde mich von Sam Jost’s Lektüre gerne belehren lassen.
    Gruß
    Wolfgang

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