Einrichtung eines Fotostudios

Einrichtung eines Fotostudios


In meinem Artikel “Richtige Auswahl einer Fotostudio-Immobilie” habe ich beschrieben, worauf man achten sollte, wenn man sich einen geeigneten Raum für sein Fotostudio sucht. Natürlich sind die Anforderungen je nach Art der Shootings, die man anschließend dort machen möchte und danach, ob das ganze berufsmäßig oder hobbymäßig ausgeübt wird, unterschiedlich, aber es gibt doch viele Gemeinsamkeiten.

Wie geht es aber weiter, wenn man einen geeigneten Raum gefunden hat? Welche Anschaffungen sollten man unbedingt tätigen?

Tageslicht- oder Kunstlicht-Studio?

In aller Regel denkt man bei einem Fotostudio eher daran, mit Studioblitzen zu arbeiten. Aber auch ein Tageslichtstudio ist denkbar. Hat das Studio große Fensterflächen und kann man seine Fotoshootings vornehmlich tagsüber durchführen, ist es durchaus denkbar, das Fotostudio als Tageslichtstudio zu betreiben. Unabhängiger von der Tageszeit und von einfallenden Licht ist man aber in jedem Fall mit einer Lichtführung durch Blitz- oder Dauerlicht.

Tageslicht

Bei einem Tageslicht-Studio benötigt man zur Lichtführung nur ein paar Aufheller, um das von den Fenstern einfallende Licht zu reflektieren. Dabei muss man nicht unbedingt auf die relativ teuren Aufheller von beispielsweise California Sunbounce zurückgreifen. Einfache Styropor-Platten oder ähnliches tun es auch, denn die Platten müssen ja nicht zum Transport platzsparend zusammengelegt werden können.

Dauerlicht

Viele Hobbyfotografen machen ihre ersten Studioerfahrungen mit günstigen Baustrahlern. Aber auch professionelle Fotografen arbeiten gelegentlich in ihrem Studio mit Dauerlicht. Die hochwertigen Dauerlicht-Anlagen beispielsweise von Hedler oder Dedo sind sehr leistungsfähig, bieten die Möglichkeit, unterschiedliche Lichtformer zu verwenden und ermöglichen durch ihre relativ hohe Lichtausbeute in Verbindung mit den heutigen leistungsfähigen Kameras ein professionelles Arbeiten. Bleibt als einziger Nachteil die Hitzeentwicklung. Eine Dauerlichtanlage kann schnell mehrer Tausend Watt Leistung aufnehmen und einen Großteil davon wieder als Wärme abgeben. Was das für die dabei entstehende Temperatur im Studio bedeutet, kann man sich leicht ausmalen.

Blitzanlage

Was man bei der Auswahl einer Blitzanlage beachten sollte, hat Michael Gelfert als Gastautor bereits hier und hier beschrieben.

Hintergrundsystem oder Hohlkehle

Für die typischen Studioaufnahmen vor neutralem oder einfarbigem Hintergrund benutzt man entweder ein Hintergrund-System zur Aufnahme von Papierrollen oder eine gemauerte bzw. gezimmerte Hohlkehle. Die Benutzung von Stoffhintergründen (beispielsweise Molton) ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll, beispielsweise wenn auf Ganzkörperaufnahmen verzichtet werden kann.

Schmink- und Umkleideplatz

Wenn man in seinem Fotostudio nicht nur Sachaufnahmen macht, sondern auch (oder ausschließlich) Menschen fotografiert, braucht man einen Schmink- und Umkleideplatz.

Besprechungsbereich

Für Kundengespräche bzw. Vorbereitungsgespräche mit Models ist ein Besprechungsbereich / Besprechungstisch sinnvoll.

Küche

Wenn man die Möglichkeit hat, in seinem Fotostudio eine kleine Küche einzurichten, ist das natürlich super. Ansonsten reichen aber auch Kaffeemaschine und Kühlschrank für Kaltgetränke.

Requisiten

Ich bin einmal bei einem Besuch eines Studios eines befreundeten Fotografen durch ein Requisitenlager geführt worden, das sicher mehr als 100 qm groß war. Üblicherweise ist aber der Bedarf an Requisiten eher überschaubar und es reichen ein oder zwei Regale oder ein kleiner Nebenraum.

Vollausstattung?

Mein Tipp: Nicht alles mögliche auf Vorrat anschaffen. Lieber erst nach und nach je nach Bedarf “aufrüsten” und, ganz wichtig, nicht benötigte Ausrüstung auch einmal wieder entsorgen. Ansonsten verkommt das Fotostudio über kurz oder lang zu einem Gerümpellager, in dem man sich selber kaum noch zurecht findet.

Mein eigenes Fotostudio

Ich habe viele Jahre in einem 130 qm großen Studio mit 3 anderen Fotografen gemeinsam gearbeitet. Jeder der beteiligten Fotografen hat seine Ausrüstung mitgebracht und auch die Requisiten wurden immer mehr. Allerdings hat man kaum etwas davon tatsächlich benötigt. Nach dem Umzug in mein eigenes, deutlich kleineres Fotostudio in Heidelberg (das ich auch untervermiete) habe ich mich auf das absolut wichtige und wesentliche beschränkt. Und das hat sich bewährt.

Wie ist das bei Euch? Welche Ausrüstung braucht Ihr unbedingt in eurem Fotostudio? Oder was würdet Ihr unbedingt haben wollen, wenn Ihr Euch einmal ein Fotostudio einrichtet?


Oder welchen der oben genannten Punkte möchtet ihr gerne in einem eigenen Artikel vertieft erläutert bekommen?

Ich arbeite als Portrait-Fotograf und führe ein Fotostudio in Heidelberg. Außerdem biete ich Coachings und Trainings zu den Themen Fotografen-Marketing und Photobusiness an.

9 comments

  1. Hendrik Roggemann

    Mein Studio platzte vor einiger Zeit auch aus allen Nähten. Da gab es eindeutig zu viel Gerümpel für “den Fall der Fälle”, der nie eintrat.

    Inzwischen habe ich meine Ausrüstung auf das Nötigste reduziert und dabei darauf geachtet, dass zumindest weite Teile des Equipments auch mobil nutzbar sind (und damit ist gemeint, dass es in einen Kleinwagen passen muss, nicht Lieferwagen).

    Ach ja, wer eine riesige, fast nie benutzte Aurora-Schirmsoftbox haben möchte, kann sich gerne melden. Sie ist noch zu verkaufen. Die konnte ich in meinem kleinen Studio nie aufbauen… :-)

  2. PSI

    @Hendrik: nie benutzte Aurora-Schirmsoftbox …
    wie gross ist die denn und was wolltest Du dafür haben?

    Ja, die Studiogrösse zwingt einen zu einer gewissen Disziplin beim heranschaffen !
    Oder aber man hat nette Studiokollegen, die einen dazu überreden ab und an mal auszumisten :)))

    LG
    Patrik

  3. Jens

    60-70 qm finde ich für ein Fotostudio allerdings immer noch ganz ok. Ich meine ander Leben in Wohnungen die wesentlich kleiner sind. Wenn man allerdings ein doppelt so großes Studio gewohnt ist, kann ich mir gut vorstellen, dass es dann erstmal ein bisschen eng wird.

  4. Holger Reich

    Die Raumhöhe halte ich für elementar wichtig (People!) und letztendlich auch die Raumtiefe, um nicht mit Weitwinkel alle Kunden zu “Fischköppen” zu verwursten. Lichtanlage (Blitz mit Einstellicht) und die üblichen Lichtformer vor neutralem Grund sind hier schon eine gute Basis , um 80% aller Bildidenn umzusetzen. Vieles an “Deko” und Effekten läßt sich auch in der BEA umsetzen, ohne ein Arsenal an Equipment zu haben.
    Unser Studiobereich ist “nur” 40 qm groß, doch damit meist ausreichend. Mit Nebenräumen kommen wir auf ~100qm. Nicht zu unterschätzen ist die Kaffeemaschine und der Kühlschrank ;-)

    Letztendlich muß das Ergebnis gefallen – es geht ums Bild :-)

  5. Daniel Papke

    Hallo zusammen,

    ich möchte mir nun in meinem zarten Alter von 20 Jahren auch ein Studio einrichten. Das freie Zimmer habe ich zur Verfügung! Nun geht es mir um die elementaren Bestandteile des Studios. Von welcher Marke beschafft ihr euch eure Ausrüstung und gibt es Produkte die sich eurer Meinung nach für Einsteiger lohnen (Einsteiger Sets)?

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel

  6. Pingback: Das erste eigene Fotostudio: Was muss beachtet werden? | Photografix Magazin

  7. Nils Bergmann

    ich arbeite meistens mit Studioblitzanlage und neuerdings mit LED-Licht, welches in der Farbtemperatur zwischen 2700 K und 5600 K einstellbar ist. Und dimmbar von 100% bis Null… Das ist wirklich klasse , verbraucht sehr wenig Energie und entwickelt überhaupt keine Hitze. Viele LEDs machen viel hell… Auch toll für Video

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