Preise für Fotoshootings: Bin ich als Fotograf zu teuer (oder zu billig)?

Preise für Fotoshootings: Bin ich als Fotograf zu teuer (oder zu billig)?


Gerade Neueinsteiger in die professionelle Fotografie sind oft sehr unsicher, wenn es um die Kalkulation eines Fotoshootings für eine Kundenanfrage geht. Ich habe hier bereits einmal eine mögliche Vorgehensweise erläutert (die aufgrund des gewählten Beispiels erbittert diskutiert wurde), ich habe auf drei reale Kostenvoranschläge verlinkt und auch im ehemaligen FOTOGRAFR-Forum wurde das Thema diskutiert.

Heute möchte ich aber auf etwas anderes hinaus:

Die Unsicherheit bei der Kalkulation kommt oft aus der Überlegung: Jetzt bekomme ich schon einmal eine Anfrage, da darf ich aber auf keinen Fall zu teuer sein, denn den Auftrag will ich in jedem Fall haben. Den schlechtesten Spruch in diesem Zusammenhang habe ich auch bereits einmal hier diskutiert.

Zu billig darf man aber auch nicht sein, weil man sonst eventuell als professioneller Fotograf nicht ernst genommen wird.

Also werden Honorartabellen bzw. die MfM Liste gewälzt, im Internet nach Informationen gesucht und versucht herauszubekommen, was vielleicht andere Fotografen, die ebenfalls angefragt wurden, in ihr Angebot schreiben. Trotzdem ist die Unsicherheit, dass man mit seiner Kalkulation doch daneben liegt, groß.

Ich bin der Meinung:

Man sollte als Fotograf seinen festen Satz (Tagessatz oder Stundensatz) haben. Wie man auf diesen Tagessatz kommt, habe ich ja bereits erklärt. Auf Basis der geschätzen Aufwände lässt sich ein Angebot recht einfach kalkulieren (und auch dem Kunden erklären).

Natürlich geht man dann immer das Risiko ein, dass dem Kunden der Endpreis zu hoch (oder zu niedrig) ist, aber dieses Risiko ist eigentlich gar keines. Denn man sollte sich bei einer Kundenanfrage mit seinen Preisen nicht zu sehr nach den Erwartungen der Kunden richten. Das würde nämlich dazu führen, dass man unglaubwürdig wird und verschiedenen Kunden unterschiedliche Preise macht.

Stattdessen kann man das auch so sehen, dass der verlorene Auftrag ohnehin nicht zu einem gepasst hätte. Wenn der eigene Tagessatz unter den Erwartungen des Kunden liegt, wäre einem wahrscheinlich der Schuh zu groß gewesen, weil man die Erwartungen des Kunden nicht hätte erfüllen können. Wenn das eigene Angebot zu teuer war, hätte man vielleicht bei einem Zuschlag nicht einmal seine eigenen Unkosten decken können. In beiden Fälle ist es besser, den entsprechenden Auftrag nicht abzuwickeln.

Natürlich sollten die eigenen Angebote gelegentlich auch einmal die Erwartungen des Kunden treffen. Wenn das nie (oder sehr selten) der Fall ist, kann auch irgendetwas nicht stimmen.

Man sollte aber als Fotograf nie so verzweifelt sein und jeden Auftrag annehmen, egal wie schlecht bezahlt er ist oder egal, wie wenig er zum eigenen Profil passt.

Ich arbeite als Portrait-Fotograf und führe ein Fotostudio in Heidelberg. Außerdem biete ich Coachings und Trainings zu den Themen Fotografen-Marketing und Photobusiness an.

19 comments

  1. Juergen

    die grosse Preisfrage ist letztendlich, welche (End)kundenpreise lassen sich aktuell und in Zukunft durchsetzen, wenn das Angebot an Dienstleistern zunehmend die Nachfrage übersteigt, werden auch die Margen mehr und mehr unter Druck stehen, für Newcomer keine guten Startbedingungen, denn der Wettbewerb untereinander ist gnadenlos…

    denke, wer als Newcomer von Anfang an nur den Massenmarkt bedienen will, wird sich wohl in der langen Schlangen der Auftragssuchenden ganz hinten anstellen müssen, mit der Gefahr, dass er nicht mehr beachtet wird, nur Qualität und fotografisches Können reicht imho in Zukunft nicht mehr aus;-)

  2. Florian

    Hallo Michael,

    dies ist sicher eines der beliebtesten aber zeitgleich “geheimsten” Themen unserer Branche. Danke dafür!

    In anderen Bereichen (Vermesser, Architekten, …, z.T. auch Mediendesigner) gibt es reguläre Honorartabellen, an die sich mehr oder weniger gehalten wird.
    Aber bei den Fotografen (und erst recht bei denen, die sich dafür halten) gibt es unglaubliche Spielräume bedingt durch:
    – regionale Unterschiede [Bayern vs. MeckPom],
    – Geschäftsfelder [Werbefotografie vs. Portraitsbude]
    – Auftraggeber [Directbooking vs. Agenturen]
    – Zielmarkt [Privatkunde, Gewerbekunde, Microstock, …]
    – Erfahrungen
    – Selbstbewusstsein ;)
    – …

    Über eine saubere Kalkulation kann sich ein erfahrener Fotograf (wie Du zum Beispiel) sicher sein, bei welchen Preisen er Gewinne erwirtschaftet und bei welchen nicht.

    Aber Anfänger haben da so Ihre Schwierigkeiten. Es können zwar Aufwände, Abschreibungen, Mieten, … ermittelt werden. Jedoch fehlt es an belastbaren Erfahrungen, welchen Divisor man in der Kalkulation ansetzen soll (d.h., wieviele Aufträge man im Jahr hat und so weiter). Nach der Rechnung müsste man als Anfänger oft sogar teurer sein …

    Somit orientiert man sich erstmal am Markt (siehe aktuelle MFM-Tabelle: http://photoinc.de/2340). Da der Auftraggeber m.E. instinktiv schon berücksichtigt, ob Erfahrungen und Technik vorhanden sind, wird man als Anfänger sicher oft “auf die Fresse fliegen” und hinten runter fallen.

    Also muss man zwangsläufig ZUNÄCHST günstiger sein … auch auf die Gefahr bei diesem Kunden zukünftig keine höheren Margen durchdrücken zu können. Sofern man sich mit zunehmender Erfahrung und Referenzenliste dann nach oben bewegt, kann man diesen Minderertrag getrost als Investition verbuchen … und nicht als entgangenen Gewinn.

    Also als denn …
    liebe Grüße aus dem arm-sexy Berlin ;)
    Florian

  3. Jens

    Ich kann diese ganze Fragen nach dem “Preis” in Foren usw. nicht mehr lesen und ich habe auch gar kein Verständnis dafür, dass Leute sich unter Wert verkaufen. Die pure Wahrheit ist, als Berufsfotograf muß ich davon Leben können was ich einnehme. Kann ich das nicht, weil ich zu wenig Aufträge habe oder mich zu günstig anbiete, sollte ich lieber Pizza ausfahren oder bei einem Discounter an der Kasse sitzen. Ganz einfach !

    Und alle Möchtegernprofis, die ihr Hobby mal hin und wieder nebenbei anbieten, sollten sich mit Tipps und Empfehlungen besser zurückhalten.

  4. Hendrik Roggemann

    Gut beschrieben. Ich finde auch, dass man seine eigenen Preise haben, halten und vertreten sollte.
    Das wichtigste, um einen Auftrag zu bekommen ist nicht der Preis, sondern die Beziehung zum Kunden. Wenn die stimmt, wird man sich über den Rest auf angenehme Weise einig werden.

  5. Florian

    Meine Nase, was geht denn hier ab?
    Lieber Jens, dann lies doch die Artikel, die sich um dieses Thema drehen einfach nicht!

    Akzeptiere es bitte, das es neben “echten” Profis (Du???) auch Einsteiger gibt. Das war so und wird immer so sein. Nur dass es heutzutage dank Technik und einer gewissen Marktschwemme schwieriger ist reinzukommen.
    Es gibt nunmal Von-Preise und Bis-Preise. Einsteiger (hui, ich wage es ja kaum zu sagen …Anfänger oder noch mehr Pfui AMATEURE) werden sich zwangsläufig im Bereich der Von-Preise bewegen.
    Von bewussten”unter Wert” hat hier keiner was geschrieben! Die untere Grenze kennt am Anfang keine Sau … man muss sich AUSTESTEN.

    Vielleicht zu mir Hobbyknipser:
    Ich bin 36, bin als Berater und Fotograf selbständig und stehe kurz vor dem Abschluss meiner Fotografenausbildung, damit ich solchen pauschalisierenden Kollegen sagen kann … dann machs doch einfach besser!

    Peace over and out

  6. Frank

    Es geht nichts über Qualität.
    Jeder Anfang ist schwer und wird durch den Dumpingmarkt nicht leichter. Aber überlegt doch einmal, wer mit Schnäppchenpreisen Kunden heran holt, wird auch nur Schnäppchenjäger als Kunden haben. Nur wer sein Handwerk mit Begeisterung und Herzblut ausführt , dieses seinem Kunden vermitteln kann, kann auch den entsprechenden Preis verlangen. Und bekommt diesen auch ohne murren vom Kunden. Wo DER Preis liegt muss jeder für sich ausrechnen. Jeder der ein wenig rechnen kann hat das schnell heraus. Das hat Michael Omori Kirchner mehrfach schon erklärt.

  7. Jens

    “Die untere Grenze kennt am Anfang keine Sau … man muss sich AUSTESTEN.”

    Die untere Grenze ist sehr leicht zu ermitteln, nur lügen es sich die meisten “Anfänger / Einsteiger” einfach schön. Fakt ist, die meisten Berufsfotografen, die Steuern, Krankenversicherung, Haftpflicht- und Fotoversicherungen, Altersvorsorge, Arbeitslosigkeit, Berufsgenossenschaft bezahlen und noch was für Investitionen zur Seite legt, sind am Ende. Auch deshalb weil so Neunmalkluge meinen mit realitätsfernen niedrigen Preise, irgendwie “einsteigen” zu können.
    Das ist der Anfang, von dem sich die Preisspirale noch in eine Richtung dreht, nämlich nach unten.
    Und was meinst Du, wo potentielle Kunden ihre komischen Preisvorstellungen mittlerweile her bekommen !?

    Hochzeitsreportagen unter 2.000€, als Bildjournalist einen Tagessatz von unter 250€, Headshots für vielleicht 50-100€ oder der Etat für eine Promotionkampagne im unteren vierstelligen Bereich. Das sind Preiserahmen, bei dem kein freier Fotograf und Bildjournalist vernünftig von leben kann, auf Dauer schon einmal gar nicht und das hat überhaupt nichts mit irgendwelchen (neuen) technischen Entwicklungen zu tun. Die haben hauptsächlich Einfluß auf die Möglichkeiten vor dem Berufsfotografenleben, da ich “üben” kann, ohne das ich teure Film kaufen und lange entwickeln muß, auf die Geschwindigkeit des Workflows und das man als Bildjournalist Fotos von aktuellen Ereignissen im Minutentakt zu liefern hat und am besten schon von Ort und Stelle aus.

    Über die Masse geht gar nichts, da der Tag nur 24h hat.
    Die meisten scheitern an fehlenden Visionen und einem nicht durchdachten Konzept. Dazu gehört auf jeden Fall auch eine ehrlich und genau Preiskalkulation. Mit zu niedrigen Preisen ziehst Du ganz automatisch nur die Kunden an, die dich sowieso nicht weiterbringen. Wenn ein Kunde nicht den Preis zahlt, der benötigt wird, dann soll er halt woanders hin gehen. Sowas ist kein Verlust, sondern würde es nur sein, wenn man den Auftrag annimmt. Das können dann gerne die Hobbyfotografen übernehmen, die dann in den Foren nachfragen, wieviel sie denn nun dafür nehmen sollen.

    Wenn Du noch in der Ausbildung bist, kann von Selbstständig keine Rede sein. Ich weiß also nicht, in welcher Weise Du irgendwelche nützlichen Erfahrungen und erfolgreichen Geschäftsmodelle präsentieren willst !?

    Und noch einmal die pure und “harte” Realität, die meisten “Fotografen” schaffen es einfach nicht, weil sie es einfach nicht können, sowohl von der kreativen, der technischen und der organisatorischen Seite aus gesehen.

  8. Juergen

    ## Ja, das mag sein, Jürgen, aber zu billig anbieten spült einen auch nicht unbedingt nach vorne

    Hallo Michael,

    vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt, jedenfalls sollte mein Post kein Plädoyer für die Dumpingschiene sein, im Gegenteil:

    meine persönliche Meinung: der Wettbewerb unter Berufsfotografen ist knallhart und die Problematik der “Schwarzarbeit ist wahrscheinlich auch nicht zu verachten, Newcomer werden zu Anfang nicht die Preise durchsetzen können, wie ihre erfahrenen Kollegen, die u.U. essentielle Referenzen vorweisen können und sich als “Marke” positioniert haben! Newcomer werden imho nicht darum kommen, mit Einführungspreisen auf die Jagd nach neuen Kunden zu gehen und auch der Wettbewerb unter den Newcomern hat sich imho in den letzten Jahren deutlich verschärft, da bleibt es nicht aus, dass der ein oder andere “Starter” die Preise kaputt macht – vielleicht liegt darin der Ursprung dieser Misere – jedenfalls sind solide Einführungspreise was anderes als der Versuch, mit Dumpingpreisen den Markt aufzumischen.

  9. Thomas

    Auch ich bin der Ansicht, dass man sich mit EInsteigerpreisen einen Bärendienst erweist. Denn man lebt auf Dauer von der Weiterempfehlung und in der Regel kennen Schnäppchenjäger viele andere Schnäppchenjäger. Wer will ernsthaft in einem solchen Empfehlungskreis bleiben?
    Natürlich kann man auch mal preisliche Ausnahmen machen, um sein Portfolio auszubauen und Erfahrung zu sammeln. Das sollte man dann klar kommunizieren, damit der Ausnahmecharakter offenbar wird.
    Ich mache das, bspw. wenn ein Hochzeitspaar zwar glänzende Augen hat, aber den Preis einfach nicht bezahlen kann (und nicht versucht den Preis zu drücken). Wenn mir das Paar gefällt und ich das Gefühl habe, dass ich für mein Portfolio etwas gewinnen kann, kann es sein, dass ich mich auf einen speziellen Deal einlasse. Bspw. anbiete, dass ich mehr Stunden mache, als sie eigentlich buchen können und diese Bilder für mich verwenden kann. Das Paar bekommt ein paar davon in Webauflösung und hat die Möglichkeit im Nachhinein “nachzubuchen” und die restlichen Bilder zu bekommen.

    Nichts schlimmer als eine Weiterempfehlung aus einem “Dumping-Shooting” und dann im Vorgespräch seinen normalen Preis zu nennen, um dann zu erfahren, dass dem potentiellen Kunde der Dumpingpreis bekannt war.

  10. Thomas

    Ach, so… hab ich vergessen. Ich beschäftige mich seit 25 Jahren mit der Fotografie, verlange aber erst seit einem Jahr (gutes) Geld dafür. Bin ich nun ein Einsteiger?

  11. Peter S.

    Sagen wir es doch mal anders, wer im Monat einen Bruttoumsatz von ca 6000,- Euro hat, kann sich auch einen Döner leisten. Wer sich diesen nur alle 2 Wochen kauft, kommt vielleicht auch mit 4000,- aus. Wie du diese Summe erreichst, ist eigentlich egal, nur haben solltest du sie, mehr ist natürlich besser.

    Milchmädchenrechnung:
    30,- € die Stunde x 10 = 300,- bei 20 Tagen = 6000,- brutto = 200 Stunden.
    6000,- minus 19% Mächensteuer (958,-) = 5.042,- vor Steuer und allen anderen Abgaben.
    Bitte vergesst nicht die Nebenzeiten und das man dafür jeden Tag einen 10 Stunden Job haben müsste.

    Andere Kalkulation:
    Tagessatz 250,- x 20 gebuchte Tage = 5000,-
    Auch diese 20 Tage muss man erst einmal bekommen.

    Wer sich unter Wert verkauft, bekommt 5000,- bei 333,33 Stunden zu 15,- Euro brutto.
    Eine Kamera zu > 6000,- Euro gleich 400 Bruttostunden und weit über 600 Stunden netto sind nur 75 Tage ohne Döner.
    Milchmädchenrechnung beendet!

    Ich hoffe die Verwirrung ist nicht zu groß, das wollte ich nämlich nicht. ;-)
    In diesem Sinne viel Spaß in diesem Job!


  12. Author
    Michael Omori Kirchner

    Danke Dir, Peter, aber das ist wirklich eine “Milchmädchenrechnung”.
    Kein selbständiger Fotograf kann seine Arbeitszeit zu 100% verkaufen. Ich halte 50% für eher realistisch. Der Rest ist Marketing, Buchhaltung, Fortbildung, etc etc.
    Daher wird ein Fotograf, der 30 Euro Stundensatz kalkuliert, sehr bald pleite sein.

    Gruß Michael

  13. Peter S.

    Eben darum!
    Wen es interessiert, findet ein paar Standardpreise auf meiner Seite.
    Individuelle Angebote lassen sich ohnehin nicht pauschal benennen, das hängt immer vom Wunsch des Kunden ab.

  14. Pingback: zu Gast | Michael Omori Kirchner: Von Preiskämpfen, Wertschätzung und Motivation : | photoINC | Das Magazin junger Fotografen

  15. Christoph

    Hallo Michael,

    erstes Angebot für ein kleines 1,5h shooting ist raus. Seite über eine Woche habe ich nichts mehr von der potentiellen Kundin gehört. Was jetzt?
    Ist es unhöflich jetzt schon nachzufragen? Wie würde so eine Mail aussehen? Was wäre jetzt der nächste Schritt?

    Danke und liebe Grüße,
    Christoph

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>